Stimmt's?Kann man gegen Wein allergisch sein?

… fragt Harald Petersen aus Flensburg. von 

Danke für die Frage, Herr Petersen! Wie oft musste ich mir schon spöttische Kommentare anhören, wenn ich morgens mit verstopfter Nase ins Büro kam und das auf meine »Weinallergie« schob. »Trink halt nicht so viel«, hieß es dann – dabei waren es am Abend zuvor nur zwei Gläser Rotwein gewesen.

Nein, mein Leiden gibt es wirklich, und ich bin damit nicht allein. Das jedenfalls ergab eine Untersuchung des Instituts für Molekulare Biophysik der Universität Mainz, die im vergangenen Jahr im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde. Mit einer Fragebogenerhebung wollten die Forscher aus der Weinstadt feststellen, wie viele Menschen von einer Weinunverträglichkeit betroffen sind. Immerhin 948 Fragebögen konnten sie auswerten – und 7,2 Prozent der Befragten berichteten von Unverträglichkeit oder allergischen Reaktionen. Meine Schnupfennase war dabei nur eines von vielen Symptomen: Andere Leidensgenossen klagten über Hautrötungen, Durchfall, Erbrechen oder Herzrasen. Zwei Befragte hatten sogar schon einmal einen Kreislaufkollaps erlebt. Kopfschmerzen wurden übrigens nicht mitgezählt – die könnten ja tatsächlich vom Alkohol herrühren.

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Was diese Symptome auslöst, darüber konnten die Forscher nach dieser Erhebung nur spekulieren. Wein ist ein chemischer Cocktail aus vielen Substanzen, darunter auch viele, die zu Allergien und Unverträglichkeiten führen können. Rotwein schien zu heftigeren Reaktionen zu führen, was ich bestätigen kann – das ist ein Hinweis darauf, dass die Phenole und Flavonoide, die sonst als sehr gesund gelten (Stichwort: Antioxidantien!), dafür verantwortlich sein könnten. Generell waren die Autoren der Meinung, dass es sich in den meisten Fällen nicht um eine echte allergische Reaktion des Körpers mit Histaminausschüttung handelt, sondern um eine Unverträglichkeit.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild  |  © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Und verzichten die armen Betroffenen nun angesichts der Folgen auf den Weingenuss? Nein, sie trinken nicht weniger als der Durchschnitt. Wir lassen uns doch von ein paar Symptomen nicht den Spaß verderben.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Histaminintoleranz ist hier ganz einfach das Stichwort.
    Ich kann es aus eigener leidvoller Erfahrung bestätigen.
    Als Betroffener kann man allerdings mit einem Antihistaminikum meist ganz gut vorsorgen - die Symptome sind dann, zum "ohne" trinken, verschwindend gering.

    3 Leserempfehlungen
  2. Und die spöttischen Kommentare Ihrer Kollegen sind vielleicht eher als guter Rat zu verstehen, dem ich mich ebenfalls anschliesse. Wenn Sie den Wein nicht vertragen, trinken Sie Bier.

    3 Leserempfehlungen
  3. HIT ist genau das richtige Stichwort. Histamine findet man allerdings in so gut wie allen gelagerten Lebensmitteln. Mal mehr mal weniger. In Bier, meiner persönlichen und leider teils leidvollen Erfahrung nach, meist mehr als in Weißwein. In Weizenbier weniger als in Obergärigen. Antihistaminika helfen, haben aber eigene Nebenwirkungen. Übrigens kann auch gut abgehangenes Rindfleisch ähnlich wirken.
    Viele beobachten dabei allerdings auch einen Einfluss der persönlichen Stimmung. Bei depressiven Stimmungslagen ist der "Effekt" zumeist deutlich stärker als bei fröhlicher Stimmung.

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    2 Leserempfehlungen
    • goschis
    • 09. Februar 2013 12:29 Uhr

    dürften hier weit aus entscheidener sein. Pflanzenschutzmittelcocktails (deren Gesamtwirkung kaum zu erforschen sind) finden sich in den meisten konventionellen Weinen. (siehe http://www.sueddeutsche.d...) Auch Schwefel wird deutlich mehr zugefügt, als beim Biowein erlaubt.

    Also Herr Drösser, einfach mal testen, ob sie auch Kopfschmerzen nach einem Biowein haben.

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    • Oyamat
    • 09. Februar 2013 12:51 Uhr

    Zitat: " Pestizide und Schwefel dürften hier weit aus entscheidener sein. "
    Der Konjunktiv ist doch was feines. Sie "dürften", gewiß´. Nur daß Leute mit Ahnung von der Materie das schon ausgeschlossen haben. Wer von Eiern keine Symptome bekommt, kann z.B. Schwefel schon mal von der Liste nehmen. Und eine Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln ist trivial zu testen, die sind hinreichend abweichend gebaut, um sie auszusortieren und die gefundene Konzentration mit den Symptomen zu vergleichen.

    So ein "dürften" wie in Beitrag 4 schreit lediglich nach einem ABER BIO MUSS DOCH BESSER SEIN!-Denken. Wenn mehrere Betroffene im Selbstversuch gute Ergebnisse mit Antihistaminika bekommen haben, hat das mE eine weit höhere Signifikanz als Non-BIO-Bashing.

    MGv Oyamat

  4. Ich hab 'ne Lederallergie. Jedesmal, wenn ich mit Schuhen ins Bett gehe, wach' ich mit Kopfweh auf :-/

    7 Leserempfehlungen
    • Oyamat
    • 09. Februar 2013 12:51 Uhr

    Zitat: " Pestizide und Schwefel dürften hier weit aus entscheidener sein. "
    Der Konjunktiv ist doch was feines. Sie "dürften", gewiß´. Nur daß Leute mit Ahnung von der Materie das schon ausgeschlossen haben. Wer von Eiern keine Symptome bekommt, kann z.B. Schwefel schon mal von der Liste nehmen. Und eine Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln ist trivial zu testen, die sind hinreichend abweichend gebaut, um sie auszusortieren und die gefundene Konzentration mit den Symptomen zu vergleichen.

    So ein "dürften" wie in Beitrag 4 schreit lediglich nach einem ABER BIO MUSS DOCH BESSER SEIN!-Denken. Wenn mehrere Betroffene im Selbstversuch gute Ergebnisse mit Antihistaminika bekommen haben, hat das mE eine weit höhere Signifikanz als Non-BIO-Bashing.

    MGv Oyamat

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Pestizide und Schwefel"
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    • goschis
    • 09. Februar 2013 14:33 Uhr

    Nun, ich kenne etliche Menschen aus meinem Umfeld, die aus persönlicher Erfahrung genau das berichten, worauf mein Kommentar hinaus ging: Der Konsum von Bio-Wein löste meist deutlich weniger bis gar keine Probleme wie Kopfschmerzen aus, während auf konventionellen Wein reagiert wurde. Das ist nicht repräsentativ, aber es entspricht meinem Erfahrungswert.

    Grundsätzlich bin ich eh der Meinung: Jeder hat das Recht, Pflanzenschutzmittel zu essen. Wer dieses Recht nicht in Anspruch nehmen will, der ist mit Bio gut bedient.

    Herzlichen Gruss

    Meine Mutter läuft jedes Mal puterrot an, wenn (falls!) sie Wein trinkt. Sie schiebt es auf die Sulfite im Wein.

    Es gibt sehr wohl Unverträglickeitsreaktionen auf diesen Stoff:

    http://www.bfr.bund.de/cm...

    http://www.medical-tribun...

    Jeder Mensch reagiert auf bestimmte Stoffe unterschiedlich, das dürfte mittlerweile weitläufig bekannt sein. So wie es aussieht, gibt es im Wein zig (zugesetzt?) Stoffe, die Unverträglichkeiten hervorrufen können...

    • mirido
    • 09. Februar 2013 13:56 Uhr

    Vor Jahren lief eine Reportage über eine Öko-Klinik in den USA. Unter anderem wurde über eine Frau berichtet, die nach dem Genuss von Wein so schwermütig wurde, dass sie schon mehrere Male Selbstmord-Versuche beging.
    Es stellte sich heraus, dass sie eine Weintrauben-Allergie hatte.
    Einer der Ärzte dort sagte, viele Patienten in Psychatrien, seien eigentlich Allergiker.
    Ein Junge, der regelmäßig verhaltensauffällig wurde, wenn er Erdnussbutter gegessen hatte, ein anderer wurde von Phosphaten aggressiv.
    Ich werde vom Wein am schönsten Besoffen.

    Eine Leserempfehlung
    • goschis
    • 09. Februar 2013 14:33 Uhr

    Nun, ich kenne etliche Menschen aus meinem Umfeld, die aus persönlicher Erfahrung genau das berichten, worauf mein Kommentar hinaus ging: Der Konsum von Bio-Wein löste meist deutlich weniger bis gar keine Probleme wie Kopfschmerzen aus, während auf konventionellen Wein reagiert wurde. Das ist nicht repräsentativ, aber es entspricht meinem Erfahrungswert.

    Grundsätzlich bin ich eh der Meinung: Jeder hat das Recht, Pflanzenschutzmittel zu essen. Wer dieses Recht nicht in Anspruch nehmen will, der ist mit Bio gut bedient.

    Herzlichen Gruss

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf ""...dürften hier...""
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    • Oyamat
    • 09. Februar 2013 14:56 Uhr

    Zitat: "... ich kenne etliche Menschen aus meinem Umfeld, die aus persönlicher Erfahrung genau das berichten ..."
    Aha. Und das hat mit dem, worum es im Artikel geht, genau WIE VIEL zu tun? Da geht es um allergische Reaktionen, d.h. weitaus mehr als bloße Kopfschmerzen (die, wie im Artikel erwähnt werden, nun gerade _keine_ typischen Allergie-Symptome sind).

    Wenn "ich kenne..." mehr sein soll als ein wissenschaftlich verbrämtes Non-Bio-Bashing, muß mehr kommen: wieviele Personen, wie genau wurden sie beobachtet und mit welchem Wissen über allergische Erscheinungen, welche Reaktionen auf welchen Wein gab's genau, welche waren eventuell "Kreuzprodukte" mit anderen Randfaktoren des Weinkonsums, Rausch z.B.?

    Nebenbei, daß Schwefel-Zusätze und *Kopfschmerzen* korreliert sind, habe ich auch andernorts schon gehört und würde sagen, das mag plausibel sein. Aber das ist nun einmal ein völlig anderes Phänomen als die allergischen Reaktionen, die im Artikel thematisiert werden.

    MGv Oyamat

    • mirido
    • 09. Februar 2013 15:40 Uhr

    ist auch geschwefelt. Ich habe allerdings den Eindruck, dass der Schwefelgeschmack bei Übersee-Weinen extremer ist.
    Für mich ist allerdings ein Wein aus Chile, Kalifornien, oder Südafrika, eh kein Biowein.

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  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Wein | Allergien
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