Ich war Student, 20 Jahre alt, als ich eines Nachmittags im Schönheitssalon meiner Mutter herumlungerte. In einem Spiegel sah ich das Gesicht einer älteren Frau, sie stand hinter mir und sah mich an. Nach einer Weile sagte sie zu mir: »Du wirst einmal die ganze Welt bereisen und zu Millionen von Menschen predigen Dann drückte sie mir einen Zettel in die Hand, auf dem sie ihre Prophezeiung notiert hatte.

Ich wusste nicht, was ich von dieser merkwürdigen Frau halten sollte. Sie sei ein sehr spiritueller Mensch, sagte mir meine Mutter, und für ihre hellseherischen Fähigkeiten bekannt. Ich bin in einer religiösen Familie aufgewachsen, mein Vater war Prediger, meine Mutter Gospelsängerin. Aber mit meinem Leben schien mir diese Weissagung erst mal wenig zu tun zu haben. Ich steckte den Zettel ein und dachte gar nicht weiter darüber nach.

Damals, im Frühjahr 1975, hatte ich schon eine Reihe von Lebensträumen begraben. Als junger Mann war ich ein fanatischer Sportler gewesen, schon in meiner Kindheit hatte ich viel Football gespielt. Ich wollte noch bis in mein erstes Collegejahr hinein Profispieler werden. Ansonsten hatte ich damals keine konkrete Vorstellung davon, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Ich konnte mir vorstellen, Arzt zu werden oder Anwalt. Dann wollte ich als Journalist arbeiten. Aber alle Träume verblassten, als ich zum ersten Mal auf einer Theaterbühne stand, das war im September 1975. Alle meine Zukunftsträume kreisten nun um die Bühne. An Hollywood oder internationalen Ruhm habe ich nicht gedacht. Erst als meine Karriere als Filmschauspieler in Gang kam, drängte sich die Prophezeiung dieser merkwürdigen Frau wieder in mein Bewusstsein.

Den Zettel, den sie mir gegeben hat, besitze ich heute noch. Und ich glaube, sie hat recht behalten: Mein Beruf führt mich um die Welt, und ich spreche zu Millionen von Menschen. Vielleicht kann man es sogar predigen nennen, denn mir ist es sehr wichtig, dass meine Filme bei aller Unterhaltsamkeit auch eine Botschaft transportieren. In meinem aktuellen Film zum Beispiel geht es um Erlösung, Wahrhaftigkeit und Wiedergutmachung, alles Themen, die sich auch für eine Predigt eignen. Vor einigen Jahren habe ich darüber nachgedacht, ob es nicht meine Bestimmung sei, Prediger zu werden wie mein Vater. Ich sprach mit meinem Priester darüber. Er sagte: »Du bist schon einer.«

Beruflich träume ich davon, häufiger Regie zu führen und große, klassische Theaterrollen zu spielen. Und ich würde gern besser kochen können. Früher hat meine Frau das Kochen übernommen, aber seit unsere Kinder alt genug sind, arbeitet sie wieder mehr und hat nur noch selten Zeit dazu. Da ich nicht jeden Tag in ein Restaurant gehen will, habe ich angefangen, selbst zu kochen – und finde das sehr entspannend und befriedigend. Ich liebe es, auf dem Markt einzukaufen, Gemüse zu schneiden, am Herd zu stehen. Leider bin ich immer noch ein blutiger Anfänger. Ich träume davon, einem der vielen Spitzenköche in Los Angeles, zum Beispiel Wolfgang Puck, über die Schulter zu sehen und seine geheimen Tricks zu lernen.

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