US-Haushaltsstreit: So retten wir Amerika
Zum Jahreswechsel hätte der Krach der US-Parteien um die Staatsverschuldung fast eine Rezession ausgelöst. Und nun? In dieser Woche dazu zwei prominente Republikaner
Die USA müssen ihre Schulden abbauen – und zwar keinesfalls durch Steuererhöhungen, sondern durch Sparen
von Grover G. Norquist
Es gibt nur eine Lösung für die derzeitige wirtschaftliche Malaise, in der sich Amerika befindet: Wachstum. Und das kann nur durch niedrige Steuern und eine Reduzierung der Staatsausgaben angetrieben werden. Wenn wir weiter auf dem zuerst von George W. Bush und jetzt von Barack Obama beschrittenen Weg bleiben, mit immer weiter steigenden Ausgaben und ohne das öffentliche Pensionssystem und die Sozialversicherungen zu reformieren, dann werden wir eine verlorene Dekade für das Land erleben – wenn nicht sogar zwei.
Der Schuldenstand Amerikas liegt bei 11 Billionen Dollar. Die Lücke zwischen den bereits bestehenden künftigen Zahlungsversprechen – Ausgaben, zu denen wir rechtlich verpflichtet sind – und den zu erwartenden Steuereinnahmen beläuft sich inzwischen auf 87 Billionen Dollar. Das Haushaltsdefizit für das laufende Jahr beträgt 1,1 Billionen Dollar. Und Obama plant, über die kommenden vier Jahre noch einmal vier Billionen auf unseren Schuldenberg aufzuhäufen. Ein Vergleich, der bei der Einordnung hilft: Bei Obamas Amtsübernahme betrug das Verhältnis der Bruttoverschuldung zum Bruttoinlandsprodukt 70 Prozent – zum Ende seiner Amtszeit wird es 106 Prozent betragen.
Beim ersten Streit um die Schuldenobergrenze im Sommer 2011 stimmte der Kongress für Kürzungen, die 2,5 Billionen Dollar aus Obamas Ausgabenplan für die kommenden zehn Jahre streichen würden. Jetzt kämpft Obama gegen eine Umsetzung ebendieser Sparbeschlüsse. Obama verlangt massive Steuererhöhungen, aber er will keine wirklichen Einsparungen. Unter seiner Regierung werden Staatsausgaben von derzeit 23 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 39 Prozent im Jahr 2050 anschwellen. Das also ist Obamas Plan für die Zukunft.
56, ist ein Vordenker der Republikanischen Partei. Er leitet die Lobbyvereinigung Americans for Tax Reform.
Die Republikaner haben eine Alternative: Es ist der Plan von Paul Ryan. Er ist Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus und war Mitt Romneys Vizepräsidentschaftskandidat. Ryans Plan kommt ohne eine Nettosteuererhöhung aus. Er würde die öffentlichen Pensionen von garantierten Rentenauszahlungsbeträgen umstellen auf ein System, bei dem die öffentlichen Angestellten stattdessen Beiträge zu ihrer Altersvorsorge erhalten würden. Diese Umstellung hat in Amerika im privaten Sektor bereits stattgefunden. Es würde Programme wie die Food-Stamps-Lebensmittelhilfe und Medicaid, die Gesundheitsversorgung für Arme, von Grund auf überholen und es den einzelnen Bundesstaaten überlassen, wie die Mittel verteilt werden. So wie Bill Clinton einst die Sozialhilfe grundlegend reformiert hat. Das war ein herausragender Erfolg von Clinton.
- Fiskalklippe
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Der Begriff Fiskalklippe (Englisch: fiscal cliff) steht für automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die in den USA automatisch in Kraft treten, falls Senat und Repräsentantenhaus Gesetze dagegen beschließen. Der demokratisch dominierte Senat hat ein entsprechendes Paket inzwischen gebilligt.
Durch die Kombination aus höheren Steuern und Sparmaßnahmen würden der Wirtschaft auf einen Schlag mehr als 500 Milliarden Dollar entzogen, das Bruttoinlandsprodukt der USA könnte um rund fünf Prozent schrumpfen. Das hätte "dramatische Konsequenzen" für die Weltwirtschaft, warnt der Internationale Währungsfonds.
- Haushaltsstreit
Die Demokraten wünschen sich höhere Steuern für Reiche. Auch wollen sie die Kürzung bei den Ausgaben begrenzen. Die Republikaner wollen den Haushalt vor allem durch Ausgabenkürzungen sanieren und höhere Einnahmen nur auf durch Wachstum sowie Streichung einiger Abschreibungsmöglichkeiten zulassen. Der Verhandlungsführer der Republikaner, John Boehner, hatte in seinem jüngsten Angebot Haushaltskürzungen von etwa einer Billion Dollar gefordert. Barack Obama will jedoch nur 850 Milliarden Dollar kürzen, dafür aber 1,3 Billionen Dollar an Mehreinnahmen erzielen.
- Schuldenabbau
Demokraten und Republikaner haben sich im US-Kongress bisher nicht auf ein umfassendes Sparprogramm zum Schuldenabbau einigen können. Sollte bis zum Jahresende kein Kompromiss gefunden werden, laufen die Steuervergünstigungen der früheren Regierung von George W. Bush sowie die Hilfen der Regierung von Barack Obama für Arbeitslose und sozial Schwache aus. Auch geplante Etatkürzungen treten dann automatisch in Kraft. Obama zeigte sich zuletzt offen für eine Anhebung der derzeitigen Schuldengrenze von 16,4 Billionen Dollar.
- Reichensteuer
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Die Reichensteuer ist der umstrittenste Punkt bei den Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern. Obama will Einkommen, die 400.000 Dollar im Jahr überschreiten, stärker besteuern als bisher. Im Wahlkampf hatte er noch versprochen, den Höchststeuersatz für Einkommen von mehr als 250.000 Dollar im Jahr von 35 wieder auf 39,6 Prozent zu erhöhen.
Viele Republikaner lehnen Steuererhöhungen aber grundsätzlich ab. Verhandlungsführer John Boehner brachte zuletzt einen Plan B genannten Kompromissvorschlag ein, der eine höhere Steuer für Einkommen ab einer Million Dollar vorsah. Der Plan scheiterte am Widerstand der radikal-konservativen Tea Party.
Mit dem Ryan-Plan würden die Staatsausgaben über die kommenden zehn Jahre um sechs Billionen Dollar reduziert werden. Vor allem aber würden diese Reformen endlich Schluss machen mit staatlichen Zahlungsversprechen, die nicht finanziert werden können. Es würde das Schneeballsystem der Staatsfinanzierung beenden. Ryans Plan würde Steuern für alle auf 25 Prozent senken. Amerika würde auch – wie Deutschland und das übrige Europa – auf ein territoriales Steuersystem umstellen. Das bedeutete, dass nicht mehr wie bisher auf alle Einnahmen von US-Steuerzahlern und Unternehmen Abgaben erhoben würden, ganz gleich, wo auf der Welt diese erzielt wurden. Der Erfolg der Coolidge-, Kennedy- und Reagan-Jahre zeigt, dass niedrigere Steuern ein starkes Wachstum auslösen und dadurch die Schuldenlast verringern.
Wenn Amerikas Wirtschaft wieder wachsen würde wie in den Reagan-Jahren, also um vier Prozent im Jahr statt wie in den Obama-Jahren bloß um zwei Prozent, dann würden wir fünf Billionen Dollar an Mehreinnahmen in der Haushaltskasse haben – genug, um die Schulden abzutragen, die Obama in seiner ersten Amtszeit angehäuft hat.
Wir haben hier zwei Zukunftsvisionen vor uns, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In der Zukunft, wie sie die Demokraten sich vorstellen, werden Staatsausgaben auf 39 Prozent anschwellen, in einer Zukunft, wie sie der Ryan-Plan möglich macht, würde die Staatslast nur noch 16 Prozent betragen.
Aus dem Englischen von Heike Buchter




Grover Norquist eine ganze Menge Republikaner einen "Eid" hat schwören lassen, niemals auch nur irgendeine Steuererhöhung (egal unter welchen Umständen) zu beschließen.
Man kann den Mann durchaus seine Thesen schreiben lassen, aber das Publikum in Deutschland, das mit amerikanischer Innenpolitik nicht ganz so vertraut ist gehört informiert!
Also, liebe Redaktion: Bevor Sie solche Extremisten (und das ist dieser Mann in seiner Absolutheit) zu Wort kommen lassen, schreiben Sie doch bitte noch einen kleinen Absatz dazu, damit auch jeder weiß aus welcher Ecke das kommt.
Hinzu kommt, dass ein wenig Faktenüberprüfung bei Norquist angebracht wäre. Wie schon viele Kommentatoren erwähnten, Reagan hat die Staatsschulden erhöht und auch gelegentlich Steuern erhöht. Kennedy hatte auch äußerst hohe Steuern für die Reichen. Und Coolidge war Präsident während der "Goldenen Zwanziger" und hat seinerzeit über einen Boom präsidiert, der zum großen Crash 1929 führte. Hoover und Roosevelt durften dann die Scherben zusammenkehren.
Feldstein hingegen wirkte relativ vernünftig. Ich stimme ihm nicht zu, aber er hat keinen offensichtlichen Unsinn von sich gegeben.
"Die jüngsten Steuererhöhungen werden die Nachfrage sinken lassen – stark genug, um die Wachstumsrate auf null zu drücken." (Feldstein).
Man muss sich mal im Klaren darüber sein, wo das geliehene Geld herkommt. Ich glaube schon: der weitaus größte Teil von vermögenden Privatleuten. Das sind meist welche, die zuviel Geld haben um es für eigenen Konsum auszugeben. Also wird dieser Überschuss (z.T.) den Staat verliehen, der es also "konsumieren" kann. Intuitiv ist klar, dass der Staat die Schulden nie abtragen könne ohne Steuererhöhung, Steuer, der eigentlich *immer* in einem Umfang erhoben werden müsste, dass nicht nennenswert geliehen werden muss.
Wenn durch Steuererhöhung (statt leihen!) das Wachstum gebremst wird, liegt das nur daran, dass die Vermögenden dann faktisch auf ihrem Geld "sitzen" blieben, und dadurch makroökonomisch betrachtet weniger konsumiert wird. Daraus ergibt sich, dass die Mittelschicht (oder pauschal: Arbeitenden) mehr am Gewinn der Unternehmen beteiligt werden soll. Die Steuererhöhung müsste nicht mal proportional hochgezogen werden, denn die Mittelschicht würde das extra an Geld selber schon konsumieren. Der Staat braucht dann nicht mehr den Mangel an Konsum durch etwa Konjunkturprogramme ausgleichen.
<<< Sie haben die Häuser mit geliehenem Geld bezahlt, das sie dann nicht zurückzahlen konnten. Natürlich können Sie unter diesen Bedingungen das Haus nicht behalten.
Das es natürlich niemandem hilft, wenn ein signifikanter Teil der Gesellschaft obdachlos wird, steht auf einem anderen Blatt. <<<
Die Menschen hätten wahrscheinlich statt den Krediten auch lieber einfach vernünftige Löhne bezogen um sich davon ein Haus bauen/kaufen zu können.
Aber das hätte die Profitquote der Kapitalseite gedrückt...geht garnicht.
Und wo wäre das US-Binnenwachstum nach 2000 hergekommen, ohne die zig-milliarden $ die die US-Hypothekenblase als Nachfrage generiert hat?
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