KunstAnnäherungen an Y.O.

Sie ist eine radikale Künstlerin, Poetin und Musikerin. Die Frau, die John Lennon liebte! Yoko Ono wird 80 Jahre alt, wer also ist sie? Ein Besuch in New York. von 

Yoko Ono während einer Veranstaltung zum Schutz der Menschenrechte in Berlin im Dezember 2012.

Yoko Ono während einer Veranstaltung zum Schutz der Menschenrechte in Berlin im Dezember 2012.   |  © AFP PHOTO / JOHANNES EISELE

Sobald ich an Yoko Ono denke, überkommt mich eine Woge der Scham. Wie habe ich sie verabscheut. Wie haben wir sie geschmäht, die Frau, die John Lennon liebte. Verleumdet! Haariges, hässliches, schlitzäugiges Tierchen!

So böse dachte man damals. Wenn man Yoko Ono heute sieht, etwa letztes Frühjahr in Wien, wo sie auf die Bühne des Gartenkinos stakst, schwarzer Hosenanzug, Arme abgespreizt, tief dekolletiert bis zum knittrigen Brustansatz, das schwarze Hütchen schräg gesetzt, und den Kokoschka-Preis für ihr Lebenswerk entgegennimmt, da wirkt sie – kokett. Manchmal wirkt sie lustig, wie im Sommer, als sie in London ihr globales Happening ankündigte, #smilesfilm, Schickt mir Bilder von Lächelnden!, diesmal unter Strohhütchen.

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Oder neulich in New York, als die Anthology Film Archives eine private Vorführung ihrer legendären Fluxus-Filme gaben, in denen Fliegen über einen Frauenkörper spazieren (Fly) oder nackte Hintern 5 Minuten, 30 Sekunden lang aufmarschierten (Film Nr. 4, um ca. 5 Stunden gekürzt), und Yoko Ono am Ende der Vorführung aus der Kulisse trat, wieder in Schwarz, mit scheuem Lächeln unter der riesigen Sonnenbrille, da wirkte sie so winzig, dass man den Arm um sie legen wollte. Unangemessene Reaktion natürlich. Yoko Ono braucht nicht unseren Schutz, noch nicht einmal unsere stammelnde Entschuldigung. Sie hat alle Schmähungen überlebt, die jahrelange Missachtung ihrer Avantgardekunst, den Hass wegen John, seinen Tod, sie ist eine der letzten Künstler der Fluxus-Bewegung. Die Schirn in Frankfurt zeigt von nächstem Monat an ihr Lebenswerk.

Yoko Ono Teaser
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Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild  |  © Yoko Ono

Versuch, etwas über das Leben von Yoko Ono zu erzählen. Man lässt ihr gerne den Vortritt. Yoko Ono, deren Name »Meereskind« bedeutet und die seit ihrer Kindheit dichtete, hat auch ein Gedicht über sich geschrieben: 

Geboren: im Jahr des Vogels.

Frühe Kindheit: sammelte Himmel.

Jugend: sammelte Seegras.

Spätere Jugend: gebar eine Grapefruit, sammelte Schnecken, Wolken, weggeworfene Dosen, etc. Viele Schulabschlüsse in diesen Fächern

Feststellung: Leute haben Teile von mir abgeschnitten die sie nicht mochten bis nur noch ein Stein von mir übrig war der ich war aber sie hatten noch nicht genug und wollten wissen wie es sich anfühlt ein Stein zu sein. Y.O,

PS. Wenn die Schmetterlinge im Bauch sterben, schick Deinen Freunden gelbe Todesanzeigen.

(aus: Biographie/Feststellung; 1966).

Zu vage? Also Fakten: geboren 1933 als Tochter einer Familie der Tokioer Oberschicht, aufgewachsen zwischen Japan und Amerika. Studium von Gesang und Philosophie. 1956 Heirat mit dem Musiker Toshi Ichiyanagi, Schüler von John Cage. Performances, Filme, Installationen, Konzerte. Impulsgeberin der Fluxus-Gruppe um George Maciunas, Fluxus wie fließend zwischen Kunst, Leben, Gaga, Haiku und Spaß. 1963 Geburt der Tochter Kyoko. 1964 Grapefruit, Sammlung von Instruktionen für die Anfertigung von Kunstwerken. 1969 Heirat mit John Lennon, 1975 Geburt von Sohn Sean. 1980 verwitwet. Friedensaktivistin. Letzte Aktion Herbst 2012, Protest gegen Fracking (Erdgasgewinnung durch Gesteinsbohrungen). Auf großen Tafeln erklären Yoko Ono und Sean in Manhattan: Tell Governor Coumo: Don’t Frack New York! Win Lunch with Yoko&Sean and get your video on TV! Join now!

Yoko Ono

Performance-Künstlerin, Komponistin und Musikerin. Bedeutende Impulse hat die anarchisch-radikale Fluxus-Bewegung im New York der fünfziger/sechziger Jahre durch Onos Objekte, Installationen und Filme erfahren. 1933 in Tokio geboren, aufgewachsen zwischen Japan und Amerika, besuchte Yoko Ono bedeutende Schulen und studierte Gesang und Philosophie. Sie heiratete 1967 John Lennon, der 1980 ermordet wurde. Sie ist als Friedensaktivistin in allen Medien stets präsent (imaginepeace.com)

Will man das Leben von Yoko Ono erzählen, könnte man sich auf Momente konzentrieren, die diesem Leben eine Färbung gaben. Der Moment, in dem ein Mädchen namens Yoko, allein zurückgelassen, als die Eltern ausgehen, ihrer zurückkehrenden Mutter entgegenläuft, weinend vor Verzweiflung und Glück, und die schöne Mama das Kind auf Armeslänge von sich abhält, damit die Tränen keine Flecken auf ihrem Kleid hinterlassen.

Leserkommentare
  1. ... und was waren jetzt noch gleich ihre herausragenden Kunstwerke - abgesehen von den Hochzeiten mit dem John Cage-Schüler und JL???

    Ausser verquaster Bedeutungshuberei erschliesst sich mir da nichts. Aber wahrscheinlich bin ich einfach zu blöde.

    2 Leserempfehlungen
  2. war sie mal - sie wird 80 und ist somit schon lange eine Frau. Die Überschrift finde ich etwas peinlich.

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  3. John hat sie geliebt. Und sie ist die Überlebende. Damit ist sie in ihrem Alter automatisch eine Ikone. Auch weil die Zeit, für die sie steht heute so eindeutig Vergangenheit ist. So wie 1966, das Jahr in dem John und Yoko sich kennen lernten das Jahr 1916 Vergangenheit war. (20. März: Albert Einstein veröffentlicht in der Fachzeitschrift Annalen der Physik den Artikel: "Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie".) Für die Medien ist das alles sowieso einfach nur Futter, das unter die Leute gebracht wird. Und der Hype wird vorbei sein, wenn die Yoko Ono Tour 2013 gelaufen ist. Ob sie darüber hinaus ein Bedeutung hat, weiß ich nicht. Ich glaube es ehrlich gesagt nicht wirklich. Die Zeit bricht so radikal um. Neue Technologien, neue Kunst, neue Musik, neue politische Realitäten entstehen in einer Frequenz, die Menschen mit einer "alten" Wahrnehmung (zu denen ich mich zwangläufig zähle) einfach nur schwindelig werden lässt. Und sie sie genau so schnell wieder verbraucht, konsumiert und abgetaucht wie sie erscheinen. Das bedeutet nicht, dass man als Einzelner nicht versuchen sollte, sein "Zeugs" weiter zu entwickeln und in die Welt zu streuen. Aber auch da bin ich mir nicht wirklich sicher... Was bleibt? Das werden die wissen wahrnehmen, die diese Beschleunigung überlebt haben. Lange nach John und Yoko.

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  4. Mit dieser Frau begann der musikalische und textliche Niedergang von John Lennon. Dafür schuldet die Welt ihr sicher keinen Dank - im Gegenteil.

    An dem wenig rühmlichen Lebenslauf seines Sohnes Julian war John nicht unbeteiligt. Yoko Ono war allerdings auch eher kontraproduktiv dabei.

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    • Szoerti
    • 21. Februar 2013 19:52 Uhr

    Dieses Statement ist auf so vielen Ebenen irritierend.

    Erstens kenne ich die Texte der Beatles und auch explizit einige von John Lennon aus der Zeit vor Ono und muss auch als riesiger Beatles-Fan zugeben: mehr als das popgedudel über "Ich liebe sie (nicht) und sie liebt mich (nicht)" war es nun leider nie bzw. eher unregelmäßig. Aber das mag ja noch Ansichtssache sein.

    Viel wichtiger ist die Tatsache: selbst wenn seine Texte schlechter geworden sein sollten, inwiefern genau spielt Yoko Ono darin eine Rolle? Hat sie ihm gesagt, was er schreiben soll? Hat sie Korrektur gelesen und brillante Passagen rausgestrichen? Oder hat sie einfach ihre weibischen Hexenkräfte eingesetzt, die den Männern dieser Welt seit jeher allen Ruhm und Erfolg zunichte macht?!

    Alle Möglichkeiten halte ich persönlich für fragwürdig!

  5. sie doch klingen mir Ihren unwissenden Kommentaren. Wen und wann diese frau liebte kann doch egal sein. Und es ist sicher nicht ihre Schuld, wenn sich ein ein Mann von sorglosem popgedudel dazu entscheidet tieferen Sinn in das Leben zu bringen. Es ist gerade zu klischeehaft eklig, dass diese Künstlerin nicht ernst genommen wird, nur weil sie zufällig von einem berühmten Mann geliebt wurde.

    5 Leserempfehlungen
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    für diese Zusammenfassung :)
    wie wahr.

    • arteve
    • 14. Februar 2013 23:34 Uhr

    Sie ist und war immer eine Künstlerin. Sie hatte halt auch das Glück mit Geld gesegnet zu sein und musste niemals Überlebenskünstlerin sein.
    Sie hatte schräge Ideen und ich gönne ihr jeden Erfolg von Herzen.
    Zudem ist sie niemals wirklich anerkannt worden als eigenständige Künstlern , wegen ihres berühmten Ehemannes.
    Dann wird es mal Zeit, dass das nun auch nachgeholt wird.
    Besser jetzt, wo sie noch lebt, als posthum. Wir , die DE verpassen doch eh immer den Zeitpunkt gute Künstler früh genug ehrlich zu würdigen! Das ganze Kunstgeschäft ist ein Geschäft und dieses zu beherrschen ist die Kunst . Yoko hat es geschafft nun aus dem Schatten ihres Mannes zu treten. Sei es ihr gegönnt.

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    • garl
    • 15. Februar 2013 10:32 Uhr

    dieses pathos und die bedeutungskrämpfe aus den 60ern sind doch nur noch peinlich.

  6. Es ist gerade zu klischeehaft eklig, dass diese Künstlerin nicht ernst genommen wird, nur weil sie zufällig von einem berühmten Mann geliebt wurde ...
    http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=34893
    Wenn Yoko Ono aber der Meinung ist, dass in unserer Aktualität Künstler und Künstlerinnen allein noch die Freiheit haben alles zu sagen, ohne gleich ihren Job zu verlieren ... und dass sie nicht zu stoppen sind ... dann kann diese Vorstellung schnell zu einem Märchen werden:
    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/566014/Die-Kunst-der-Kommuni...

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    • garl
    • 16. Februar 2013 11:24 Uhr

    dass dieser tausendsassa und chaot keine haltung erkennen lässt und sich ständig am busen starker mannen nähren musste...hoho

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  • Schlagworte Yoko Ono | Künstler | Kunst | New York | Musiker
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