TerrorismusMuss Deutschland Hisbollah auf die Terrorliste setzen?

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Hisbollah-Anschlag

Eine Überlebende des Hisbollah-Anschlags im bulgarischen Burgas an einer Gedenkstelle in Sofia, August 2012  |  © REUTERS/Stoyan Nenov

Erst war es nur ein Verdacht, als letztes Jahr im Juli sechs israelische Touristen und ein bulgarischer Busfahrer ermordet wurden: Dahinter steckt die libanesische Hisbollah, und hinter ihr wahrscheinlich der Iran.

Jetzt ist die erste Vermutung bestätigt worden: Im Touristenort Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste haben zwei Hisbollah-Agenten das Attentat vorbereitet. Der Innenminister Tzvetan Tzvetanov hat das in Sofia verkündet. Das wird Folgen haben – für die europäische Nahoststrategie und auch für die deutsche Antiterrorpolitik.

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Dass die libanesische Islamistengruppe in Europa Israelis umbringt, macht eine stillschweigende Abmachung hinfällig. Sie ging so: Wir setzen euch nicht auf die Terrorliste. Ihr haltet euch dafür in Europa zurück.

Hisbollah hatte zwar schon vorher außerhalb des heimischen Libanon Anschläge begangen: Zwei Mal wurden in den neunziger Jahren in Buenos Aires verheerende Attentate auf israelische beziehungsweise jüdische Einrichtungen verübt: über 100 Tote und 500 Verletzte waren die Folge. Seither wuchs der Druck vonseiten der Israelis und der Amerikaner auf die Europäer, Hisbollah auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen. Deutschland, Frankreich und Spanien haben sich dem aber bisher immer widersetzt: mit dem Argument, Hisbollah habe eine doppelte Natur; als militante Gruppe einerseits, die man bekämpfen müsse, und als legitime Partei andererseits (im Libanon), mit der man reden und verhandeln könne.

Das war nie ganz überzeugend: Denn verhandeln kann man – siehe Hamas – auch mit verbotenen Organisationen (wenn auch nur heimlich). Und die Vorstellung, bei Hisbollah zwischen militärischem und friedlichem Flügel unterscheiden zu können, war naiv: Hisbollah verhielt sich hier nur darum ruhig, weil sie Deutschland als Rückzugsraum nutzen konnte – um Propaganda zu treiben und Spenden zu sammeln. Als gemeinnützige Vereine getarnt (»Waisenkinderverein Libanon«), können Hisbollah-Gruppen hierzulande bis heute Geld eintreiben. Etwa tausend Aktivisten leben in Deutschland. Die Behörden beobachteten sie –und ließen sie gewähren, weil sie vermeintlich keine Gefahr »für uns« darstellen. Diese Haltung stand merkwürdig quer zum deutschen Bekenntnis, der Sicherheit Israels verpflichtet zu sein.

Nach den Enthüllungen über das Attentat von Burgas ist der faule Deal mit Hisbollah geplatzt. Eine Gruppe, die in Europa Menschen in die Luft sprengt, gehört auf die Liste der Terrororganisationen. Ausreden gibt es jetzt nicht mehr, und Deutschland wird das Mauern aufgeben müssen.

Leserkommentare
  1. Sie mir jetzt eine jüdisch/israelische Herkunft nur weil ich kein Freund der Hisbollah bin?

    Antwort auf "wissen Sie nicht?"
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    eine "jüdisch/israelische Herkunft" schlimm? ehrenrührig?

  2. Den SLA Mitgliedern stand es frei, sich nach Israel zu begeben, wo man ihnen Asyl gewährte bzw. sie an Drittländer vermittelte oder in ihrer Heimat zu verweilen. Dass die libanesische Justiz hier Menschen wegen Hochverrats etc. verurteilt hat, die auch sonst keine "Wahl" hatten in die SLA einzutreten ist ein trauriger Fleck innerlibanesischer Geschichte. Diese Menschen leben allerdings ihr Leben und schmieden keine Pläne gegen israelische Touristen irgendwo in Bulgarien.

    3 Leserempfehlungen
  3. Die größe des Libanons ist schon relativ bedeutungslos. Das sieht man insbesondere an der regulären Armee, die nur auf Plakaten und Werbebannern als kampfstark präsentiert wird. Peinlich hingegen ist es, wenn die Hisbollah über ein besseres Waffenarsenal & Logistik verfügt als die libanesische Armee. Sogar über ein eigenes Kommunikationsnetzwerk, das für keine anderen Zwecke genutzt wird. Die Waffen werden dann im Gebirge in Höhlen oder in Neubauten wie Schulen gelagert.

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    Peinlich hingegen ist es, wenn die Hisbollah über ein besseres Waffenarsenal & Logistik verfügt als die libanesische Armee.

    Wieso peinlich? Wir können doch alle froh sein, daß die Hezbollah in der Lage war und ist, die terroristischen Überfälle der IDF zurückzuschlagen und so das libanesische Volk vor einer Besatzung zu schützen.

    Ganz Palästina und ein Teil Syriens ist bereits besetzt durch den illegitimen Staat Israel und ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendjemand mit Anstand und Intelligenz eine Ausweitung der Okkupation auf den Libanon und andere Länder befürworten kann.

  4. Das Argument "Aber der andere macht es doch auch" ist nur ein Scheinargument. Unrecht wird nicht zu Recht, nur weil es ein Dritter ebenfalls begeht.

    Die Hisbollah ist demokratiefeindlich, reaktionär und gewaltbereit. Mit dem Anschlag in Bulgarien hat sie nun ihr i-Tüpfelchen gesetzt.

    4 Leserempfehlungen
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    Und was spricht dagegen beide darauf zu setzen?

    Die Hezbollah ist Garant für den Fortbestand Libanons und seiner Bevölkering in Freiheit und Demokratie. Deshalb darf die deutsche Regierung nicht mal im Traum daran denken, Hezbollah auf eine Terrorliste zu setzen.

    Gerade wir Deutschen haben aufgrund unserer Geschichte die VERPFLICHTUNG, souveräne und demokratische Staaten wie den Libanon gegen Agressoren zu unterstützen (z.B. durch Waffenlieferungen).

    Was mich allerdings freut, ist Ihr Zugeständnis, daß Israel auf die Terrorliste gesetzt werden muß.

    Das Argument "Aber der andere macht es doch auch" ist nur ein Scheinargument. Unrecht wird nicht zu Recht, nur weil es ein Dritter ebenfalls begeht.

    Das habe ich nie behauptet. Bitte bleiben Sie bei der Wahrheit.

    Die Hisbollah ist demokratiefeindlich, reaktionär und gewaltbereit. Mit dem Anschlag in Bulgarien hat sie nun ihr i-Tüpfelchen gesetzt.

    Alles Quatsch, Saber Rider. Es wird höchste Zeit für Sie, das von mir in diesem Thread verlinkte Interview mit Norman Finkelstein anzuhören und den von Rabbinern verfaßten Brief an die Führung Hezbollahs zu lesen.

    Falls Sie der englischen Sprache nicht mächtig sind, bin ich gerne bereit, Ihnen den Inhalt des Interviews bzw. des Briefes zu vermitteln.

  5. eine "jüdisch/israelische Herkunft" schlimm? ehrenrührig?

    Antwort auf "Unterstellen..."
  6. Peinlich hingegen ist es, wenn die Hisbollah über ein besseres Waffenarsenal & Logistik verfügt als die libanesische Armee.

    Wieso peinlich? Wir können doch alle froh sein, daß die Hezbollah in der Lage war und ist, die terroristischen Überfälle der IDF zurückzuschlagen und so das libanesische Volk vor einer Besatzung zu schützen.

    Ganz Palästina und ein Teil Syriens ist bereits besetzt durch den illegitimen Staat Israel und ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendjemand mit Anstand und Intelligenz eine Ausweitung der Okkupation auf den Libanon und andere Länder befürworten kann.

    Antwort auf "Größe des Libanons"
  7. Und was spricht dagegen beide darauf zu setzen?

    Die Hezbollah ist Garant für den Fortbestand Libanons und seiner Bevölkering in Freiheit und Demokratie. Deshalb darf die deutsche Regierung nicht mal im Traum daran denken, Hezbollah auf eine Terrorliste zu setzen.

    Gerade wir Deutschen haben aufgrund unserer Geschichte die VERPFLICHTUNG, souveräne und demokratische Staaten wie den Libanon gegen Agressoren zu unterstützen (z.B. durch Waffenlieferungen).

    Was mich allerdings freut, ist Ihr Zugeständnis, daß Israel auf die Terrorliste gesetzt werden muß.

    Das Argument "Aber der andere macht es doch auch" ist nur ein Scheinargument. Unrecht wird nicht zu Recht, nur weil es ein Dritter ebenfalls begeht.

    Das habe ich nie behauptet. Bitte bleiben Sie bei der Wahrheit.

    Die Hisbollah ist demokratiefeindlich, reaktionär und gewaltbereit. Mit dem Anschlag in Bulgarien hat sie nun ihr i-Tüpfelchen gesetzt.

    Alles Quatsch, Saber Rider. Es wird höchste Zeit für Sie, das von mir in diesem Thread verlinkte Interview mit Norman Finkelstein anzuhören und den von Rabbinern verfaßten Brief an die Führung Hezbollahs zu lesen.

    Falls Sie der englischen Sprache nicht mächtig sind, bin ich gerne bereit, Ihnen den Inhalt des Interviews bzw. des Briefes zu vermitteln.

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    und habe mir ein persönliches Bild über die "Partei Gottes" gemacht. Ich kenne ihre jämmerliche Propaganda und weiß wozu sie in der Lage ist.

    Deutschland hat in erster Linie sich aus internationalen Konflikten rauszuhalten. Das "Projekt Weltverbesserer" ist bekanntlich in den 1940ern kläglich gescheitert.

    Was Ihren so hochgelobten Finkelstein angeht, sind Sie sich bestimmt im Klaren, dass dessen Meinung nicht unumstritten ist:

    http://de.wikipedia.org/w...
    http://www.spiegel.de/kul...

    Im Übrigen gibt Finkelstein in einem Interview selbst zu, weder die Ziele der Hisbollah noch ihre politische Ausrichtung im Libanon zu kennen. Es interessiert ihn nicht, da er nicht im Libanon lebe:

    http://www.arabs.com/show...

    Mit seiner Aussage will er die israelische Innenpolitik in den Vordergrund rücken. Das hat nichts damit zutun, dass er die Hisbollah in ihren Zielen unterstützt.

    • Joe Foe
    • 08. Februar 2013 20:36 Uhr

    Wie stehen Sie zum Inhalt dieser Propagandasite? Meinen Sie, http://nkusa.org/images/f... ist ist geeignet, als seriös/diskursfähig wahrgenommen zu werden? Wenn ja, bitte ich Sie, sich zur Leugnung der Shoa wie zur Ablehnung des Existenzrechtes Israels durch NK zu äußern. Ich hoffe, Sie haben schlüssige Argumente!

    Eine Leserempfehlung
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    Ich hoffe, Sie sind kein Antisemit, denn wenn Sie sich über Neturei Karta informiert hätten, dann wüßten Sie, daß sich in ihr die Thora-treuen, streng orthodoxen Juden zusammengeschlossen haben:

    "Die Anhänger von Neturei Karta verurteilen den Zionismus, weil er in seiner Ausrichtung atheistisch sei und die Juden zu einer chauvinistischen Haltung gegenüber den Nichtjuden verleite, woraus unter anderem unsägliches Leid für die Palästinenser erwachsen ist.

    „Zionismus läuft in Hinblick auf die Palästinenser auf Faschismus und Apartheid hinaus“, erklärte Moishe Arye Friedman in der National-Zeitung vom 7. Juni 2002. Dem Oberrrabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Wien ist das moderne Israel ein Dorn im Auge: "Wir streng orthodoxen Juden beten drei Mal täglich dafür, daß sich der Staat zionistischer Prägung auflöst, ohne daß unschuldiges Blut vergossen wird."

    Damit vertritt er genau die Linie von Neturei Karta:
    „Wir verlangen den kompromißlosen Abbau des israelischen Staates. Wie viele und ob überhaupt Juden dort bleiben werden, liegt allein bei der Entscheidung der palästinensischen Führung und ihres Volkes.

    Sie sind Opfer der zionistischen Bewegung geworden, die sich in ihrer moralischen Blindheit hartnäckig geweigert hat, die Existenz anderer Menschen als der ihren in Betracht zu ziehen."

    Für weitere Informationen clicken Sie hier:

    http://www.nkusa.org/fore...

    ein bißchen platt, Neturei Karta leugnung der shoa vorzuwerfen.
    wenn ich das wenige, das ich bislang dazu finden konnte, richtig verstanden habe, dann leugnen sie garnichts, sondern erklären die shoa heilsgeschichtlich wie politisch anders, haben ein anders verständnis von strafe und messianischer erlösung.
    um das zu verstehen, müßte man das konzept der NK von tora-treue ernst nehmen, zumindest versuchsweise.
    hinterher darf man sich immer noch für ein anderes heilsgeschichtliches konzept entscheiden.

    was allerdings Ihre fragen mit Lau's artikel zu tun haben....

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  • Schlagworte Hamas | Attentat | Frühling | Israel | Libanon | Natur
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