Eine Melone mit Kräuterhaaren und Apfelbeinen, Experimente zur Trennung von Fett und Wasser, leckere Gerichte aus den Resten von gestern, Fische und Fischstäbchen, der ideale Platz für Vorräte im Kühlschrank: Wie hängt zusammen, was hier in einem einladend schönen Buch gesammelt wurde? Es ist kein Kochbuch, es ist kein Küchenplaner, es ist kein Ratgeber für gesundes Essen, und es ist auch kein Bilderbuch mit überbordendem Food-Design. Vielmehr laden Anke M. Leitzgen und Lisa Rienermann zusammen mit einigen Helfern zu einer Entdeckungsreise in die Welt des lustvollen Essens, des in jedem Sinne guten Geschmacks ein.

Auf fast unwiderstehliche Weise sprechen sie Kinder auf das Essen, auf diese immer noch unangezweifelte, aber in der Regel wenig hinterfragte und durchdachte Lieblingstätigkeit an. Die Botschaft der Fotos, Skizzen, Anleitungen und Aufgaben lautet: Wer hier mitmacht, Experimente wagt, Wissen und Können sammelt, das richtige Handwerkszeug bereithält, locker bleibt und Fehler nicht scheut, dem wird es so richtig gut schmecken! Selbst gemachte Bratkartoffeln – mit dem Wissen um die Vielfalt der Kartoffel ein doppelter Genuss! Eier und Mehl – in richtiger Kombination mehr als Panscherei! Die Pizza von eigener Hand – im Aussehen vielleicht suboptimal, aber delikat!

Was bisher unbeachtet in Küchenfächern ruhte, bekommt plötzlich eine sichtbar sinnvolle Aufgabe. Einwecken ist nicht länger nur Oma-Beschäftigung, sondern ein naturwissenschaftliches Experiment mit gutem Ausgang, hoffentlich. Dabei bleiben alle Anregungen und Versuche einfach, überschaubar, bodenständig, sind aber an keiner Stelle spießig.

44 Rezepte, 300 Fotos, verständliche Erklärungen und Anleitungen, das haben die beiden Autorinnen imponierend einsichtig und nachvollziehbar angeordnet und bieten so eine große Informations- und Wissensfülle. Das Buch will anstiften, nicht belehren, will nicht von vorn bis hinten durchgelesen, sondern immer wieder mit Neugierde aufgeschlagen werden.

Kinder per Buch für Küche, Kochen, Nahrung zu begeistern, damit verspricht das Autorenteam viel, aber an keiner Stelle zu viel. Es entwickelt eine neue Sachbuchqualität der lockeren, animierenden Verbindlichkeit, ohne in die Luftblasen netter Plauderei zu verfallen.

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Denn bei der Journalistin Anke M. Leitzgen und der Grafikerin Lisa Rienermann sind aller guten Dinge drei: nach Entdeckungsreisen in die Stadt (Entdecke Deine Stadt, 2010) und Erforschung von Natur und Umwelt (Erforsche Deine Welt, 2012) profitieren die jungen "Küchenforscher" von der wachsenden Sicherheit und den Erfahrungen der Autorinnen.

Dennoch in einem Punkt ein warnendes Achtung! Dieses Buch ignoriert, dass es Hunger und Mangel in der Welt gibt. Hier geben zwei Frauen, denen Ästhetik viel und Pädagogik vielleicht etwas weniger bedeutet, fröhliche Orientierungshilfen in unserer gegenwärtigen Kinderwelt des Überflusses und des Fast Foods. Da es aber auch bei uns Schulklassen gibt, in denen die Hälfte der Schüler ohne Frühstück auf den Weg geschickt wird, da heute schon Kinder mit Essstörungen kämpfen, da es viele Jugendliche gibt, die zu Hause nie erlebt haben, wie Eltern mit Lebensmitteln hantieren, ist die Botschaft des Buches überzeugend: Selbermachen ist angesagt.