Deutsche SchauspielerEine Klasse für sich
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"Ich kann sagen: »Leckt mich, heute Abend spiele ich Hamlet«"

ZEITmagazin: Man bekommt kein dickes Fell?

Eidinger: Nein, das widerspricht diesem Beruf. Es wäre das Ende, wenn es einem egal wäre.

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Waschke: Ich habe das mal umgekehrt erlebt: Es ging um das Partnercasting, und da war nach Sekunden klar, welche der vier Kolleginnen es sein würde. Das hatte nichts mit objektivem Können zu tun, es stimmte in diesem Moment einfach. Diese Erfahrung hat bei mir einige Ablehnungen relativiert, die ich bekommen habe.

Haberlandt: Dieses Selbstbewusstsein habe ich mittlerweile auch, dass ich nicht denke, ich habe es nicht gebracht, sondern dass es einfach nicht gepasst hat. Aber traurig ist es doch. Beim Casting für Alle anderen hatte ich gedacht, da liege ich so dermaßen drauf, wenn ich das nicht spiele, weiß ich gar nicht, was ich sonst spielen soll. Birgit Minichmayr hat das dann sensationell gemacht, aber ich hatte halt gedacht: Das ist für mich geschrieben! Das zu verschmerzen ist schwierig.

Eidinger: Aber wir vier sind schon in einer privilegierten Situation. Ich kann immer noch sagen: Leckt mich, heute abend spiele ich Hamlet, da werdet ihr schon sehen, dass ich der Größte bin.

ZEITmagazin: Herr Waschke, Sie haben einem Professor an der Schauspielschule Ihren Vater mal so vorgestellt: »Rate mal, was der von Beruf ist: Arzt!« Das klingt, als wollten Sie sagen: Der hat einen richtigen Beruf!

Waschke: In der Situation ging es mir um etwas anderes. Aber ich begreife die Schauspielerei nicht so als Beruf, wie Schreiner oder Busfahrer. Ich mache Theater, Lesungen, Filme, und angenehmerweise kann ich damit Geld verdienen. Das ist schon was anderes als: Mein Vater ist Arzt.

Haberlandt: Ich begreife das total als Beruf. Ich wohne ja auf dem Dorf in Brandenburg, und wenn die da sagen: Ah, unsere Faxenmacherin, hinstellen, ausziehen und viel Geld verdienen – da versuche ich schon, zumindest für mich zu sagen: Ich arbeite.

Eidinger: Als meine Tochter geboren wurde, hätte sie eigentlich wegen eines Herzfehlers nicht leben können. Dr. Hübler operierte sie im Deutschen Herzzentrum, einen Tag später sah ich ihn in der Kantine in der Schlange stehen und dachte: Das musst du mal einem Schauspieler sagen, dass er sich auf einem Filmset hinten anstellen soll. Für mich ist dieser Mann ein Held. Der hat nicht alle acht Wochen Premiere, sondern jeden Morgen. In meinem Selbstbild hat das einiges verändert. Ich kann mir nicht mehr einreden, dass es etwas Besonderes ist, was wir machen.

ZEITmagazin: Stellen Sie sich vor, wir würden Ihnen jetzt auf der Stelle ein Riesenbudget hinlegen – was für einen Film würden Sie machen?

Waschke: Eine Serie über die Potsdamer Straße. Da gibt es Gentrifizierung, Migranten, Frauen mit teuren Kinderwägen, Prostitution und Drogenhandel, da ziehen Galerien hin. Die Geschichten liegen wirklich auf der Straße.

Eidinger: Ich glaube, ich würde einen Film machen über einen Stoffhasen, der keine Ohren hat.

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Leserkommentare
    • Thoth16
    • 09. Februar 2013 18:59 Uhr

    "Ich will Schauspieler werden". (Und dazu gehöre ich auch.)

    Sehr schönes Interview mit interessanten Einblicken ins Leben eines Schauspielers. Manchem mag das Gesagte vorkommen wie eine Entzauberung, ich aber fand es sehr erfrischend, den Beruf Schauspieler einmal nüchtern betrachtet zu sein, abseits von Hollywoods Glanzlichtern.

    Schade nur, dass Nina Hoss sich so sehr zurück gehalten hat.

    4 Leserempfehlungen
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    Ich habe noch nie einen ernsthaften Gedanken daran verschwendet, die Schauspielerei zu meinem Beruf zu machen. Ich sehe das ein bisschen wie Herr Waschke:

    "In der Situation ging es mir um etwas anderes. Aber ich begreife die Schauspielerei nicht so als Beruf, wie Schreiner oder Busfahrer. Ich mache Theater, Lesungen, Filme, und angenehmerweise kann ich damit Geld verdienen. Das ist schon was anderes als: Mein Vater ist Arzt."

    Allerdings ziehe ich daraus für mich andere Schlüsse: wenn ich Theater spiele, dann denke ich dabei eigentlich nie an Geld. Was ich mir wohl nur deshalb erlauben kann, weil ich es eben nicht als Beruf mache.

    Aus meiner Sicht ein Vorteil des Hobbschauspielerdaseins: Man ist freier darin, sich auszusuchen, was man macht. Man kann eine Rolle auch mal ablehnen, ohne gleich finanzielle Probleme zu bekommen, man bestimmt überhaupt mit den anderen Kollegen selbst, was man eigentlich inszenieren will, und übernimmt auch ein wenig Regiearbeit. So einflussreich sind weltweit wohl nur eine Handvoll Berufsschauspieler.

    Der "Preis" dafür ist halt, dass man sich auch mal mit 100 Zuschauern insgesamt und nur wenigen Aufführungen zufrieden geben muss. Aber das ist es mir wert.

    Schauspielerei ist trotzdem und wahrscheinlich auch gerade deswegen eine schöne Sache.

  1. und The Boss Hoss irgendwie zusammenhängen, Mutter und Vater oder Ehemann usw? Danke !

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    Boss X / Hoss Y sind Künstlernamen. Der Bandname daraus zusammengesetzt.

    Hat mit Frau Hoss nichts zu tun, die trägt wohl ihren echten Namen.

  2. Ich habe noch nie einen ernsthaften Gedanken daran verschwendet, die Schauspielerei zu meinem Beruf zu machen. Ich sehe das ein bisschen wie Herr Waschke:

    "In der Situation ging es mir um etwas anderes. Aber ich begreife die Schauspielerei nicht so als Beruf, wie Schreiner oder Busfahrer. Ich mache Theater, Lesungen, Filme, und angenehmerweise kann ich damit Geld verdienen. Das ist schon was anderes als: Mein Vater ist Arzt."

    Allerdings ziehe ich daraus für mich andere Schlüsse: wenn ich Theater spiele, dann denke ich dabei eigentlich nie an Geld. Was ich mir wohl nur deshalb erlauben kann, weil ich es eben nicht als Beruf mache.

    Aus meiner Sicht ein Vorteil des Hobbschauspielerdaseins: Man ist freier darin, sich auszusuchen, was man macht. Man kann eine Rolle auch mal ablehnen, ohne gleich finanzielle Probleme zu bekommen, man bestimmt überhaupt mit den anderen Kollegen selbst, was man eigentlich inszenieren will, und übernimmt auch ein wenig Regiearbeit. So einflussreich sind weltweit wohl nur eine Handvoll Berufsschauspieler.

    Der "Preis" dafür ist halt, dass man sich auch mal mit 100 Zuschauern insgesamt und nur wenigen Aufführungen zufrieden geben muss. Aber das ist es mir wert.

    Schauspielerei ist trotzdem und wahrscheinlich auch gerade deswegen eine schöne Sache.

    Eine Leserempfehlung
  3. Boss X / Hoss Y sind Künstlernamen. Der Bandname daraus zusammengesetzt.

    Hat mit Frau Hoss nichts zu tun, die trägt wohl ihren echten Namen.

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  • Schlagworte Berlinale | Schauspieler | Film | Kino | Nina Hoss | Fritzi Haberlandt
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