CO2-EmissionenUnter falschem Etikett

Die Autobauer wollen einen CO2-Bonus für E-Autos, um mehr Geländewagen zu verkaufen. von Ferdinand Dudenhöffer

Im Jahre 2012 wurden in Deutschland 491.000 sportliche Geländewagen, neudeutsch SUVs genannt, neu zugelassen. Das entspricht bereits einem Marktanteil von 15,9 Prozent. Ohne SUV läuft nichts mehr. Seit dem Jahr 2000 wuchs der Marktanteil dieser Gefährte im Durchschnitt um 15 Prozent pro Jahr. Ein Ende ist nicht absehbar. Wir können im Jahre 2020 mit gut einem Drittel aller Neuwagen oder einer Million SUVs rechnen. In USA haben Pick-ups und SUVs bereits einen Marktanteil von 49 Prozent an den Zulassungen. Da diese bulligen Fahrzeuge für die Autobauer gute Gewinne abwerfen, sind sie für die Branche heute ein Segen, der sich allerdings morgen zum Fluch entwickeln könnte.

SUVs sind schwerer, haben einen höheren Luftwiderstand, sind meist stärker motorisiert – und verbrauchen daher mindestens 25 Prozent Treibstoff mehr als konventionelle Fließ- und Stufenheckfahrzeuge. So emittiert etwa ein VW Tiguan mit einem 110-PS-Dieselmotor pro Kilometer 139 Gramm CO2, der in der gleichen Fahrzeugklasse positionierte VW Golf mit einem 105-PS-Dieselmotor nur 99 Gramm CO2 – ein Unterschied von 40 Prozent.

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Man ahnt den Konflikt. Die EU-Kommission plant, den Treibstoffverbrauch und damit die Kohlendioxidemissionen von Neuwagen bis zum Jahre 2020 im Durchschnitt auf 95 Gramm CO2 pro Kilometer zu senken. Jedes Gramm, das darüberliegt, wird mit einer hohen Strafsteuer versehen. Eine Emission von 95 Gramm CO2 korrespondiert bei einem Benzinmotor mit 4,0 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer und beim Diesel mit 3,6 Liter/100 Kilometer. Heute sind für das Durchschnittsauto 130 Gramm CO2 erlaubt, sprich 5,5 Liter Benzin- oder 4,9 Liter Dieselverbrauch pro 100 Kilometer. Hersteller, deren Flottenverbrauch darüberliegt, müssen von 2015 an Strafen zahlen. Es sieht aber so aus, als ob alle großen Hersteller das Ziel erreichen.

Ferdinand Dudenhöffer
Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer ist Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen und dort Direktor des Center Automotive Research (CAR).

Würde das Verhältnis der Neuwagenklassen wie heute bleiben, wäre auch das Ziel für das Jahr 2020 erreichbar. In einer großen Technologie-Initiative ist es der Branche gelungen, die Treibstoffverbräuche und damit die CO2-Emissionen drastisch zu senken. Ein Beispiel erläutert das. So stößt etwa ein mit Erdgas ausgerüsteter Kleinwagen VW up! mit 68 PS nur noch 79 Gramm CO2 aus oder der mit 136 PS ausgerüstete Kompaktwagen Toyota Auris Hybrid nur 87 Gramm CO2/Kilometer. Dies gilt aber eben für Fahrzeuge, die nicht übermäßig groß und klobig ausfallen. Wächst der Anteil der SUVs weiter so dynamisch wie bisher, schlittern die Autobauer in ein Problem. Entweder wird eine neue technische Lösung gefunden, die den Spritverbrauch der SUVs drastisch senkt, oder es fallen ab 2020 hohe Strafzahlungen an. Die technische Lösung wäre etwa ein sogenannter Plug-in-Hybrid, wie ihn der Opel Ampera oder der Toyota Prius Plug-in schon aufweist. Diese Fahrzeuge fahren zum Teil mit Strom aus der Steckdose. Damit fallen bei einem Teil des Fahrbetriebs keine direkten CO2-Emissionen an. Die Krux an der Sache sind die hohen Kosten. Plug-in-Technik ist mit einem Aufpreis von 10.000 Euro versehen.

Hohe Kosten sind schlecht für die Verkäufe. Deshalb warnt die Autoindustrie und schlägt vor, sogenannte Super-Credits zu nutzen. Mit Super-Credits ist gemeint, dass Fahrzeuge, die weniger als 35 Gramm CO2/Kilometer emittieren, mit stärkerem Gewicht in die Berechnung der CO2-Emissionen eingehen. Die EU-Kommission plant, für besonders sparsame E-Autos oder Plug-in-Hybride Super-Credits von 1,2 anzurechnen. Der lokal emissionsfreie Elektrowagen oder der sparsame Plug-in-Hybrid würden also nicht als ein Auto, sondern als 1,2 Autos gezählt. Aus Sicht der Autoindustrie ist das eine feine Sache. Super-Credits fördern E-Autos und CO2 sparende Innovationen, beteuert die Branche. Daher sollten sie noch stärker genutzt werden, etwa mit dem Faktor 1,5. Ein E-Auto würde dann nicht den Mehrverbrauch von 1,2 SUVs, sondern von 1,5 SUVs ausgleichen. Man ahnt das falsche Etikett. Super-Credits beflügeln den SUV-Verkauf und beschleunigen CO2 sparende Innovationen eben gerade nicht.

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Leserkommentare
  1. Seit mehr als 50 Jahren wissen wir, dass unser Erdöl irgendwann erschöpft ist. Leider hat die Politik die mafiösen Strukturen der Autoindustrie immer wieder unterstützt. Wie kann es sein, dass aufgrund der Ressourcenknappheit auf dieser Welt SUV's gebaut werden. Übrigens sind die Fahrer dieser SUV's ebenso verantwortungslos, arrogant und legen ein menschenverachtendes Gebaren an den Tag, dass es einen graust. Wollen sich diese Leute (vorzugsweise Ärzte, Juristen, Steuerberater und sonstige BWL-Abgänger) abgrenzen vom Otto-Normalverbraucher? Braucht Fr. Quandt evtl. noch mehr Geld für ihre diversen Liebhaber?
    Was ist eigentlich mit den LKW's,die nach wie vor ohne Katalysator die Städte verpesten? Bekommt Ramsauer von den LKW-Hestellern heimlich Gelder zugesteckt oder lässt sich Steinbrück vielleicht von den Speditionen einladen? Der "Wutbürger" ist mal wieder gefordert.

    • Sehr
    • 17. Februar 2013 11:05 Uhr

    Die Lösung ist denkbar einfach: Die Strafzahlung werden einfach auf den Kaufpreis der SUVs aufgeschlagen!

    Aber ich bin mir sicher, dass bis 2020 eine Lösung gefunden wird, diese erdrückende Mehrkosten, die wahrscheinlich viele SUV-Fahrer in de Ruin treiben wird und Millionen an deutschen Arbeitsplätzen vernichten würde, auf die Kleinwagen- Und Hybridfahrer alternativlos und gerecht umzulegen.

    5 Leserempfehlungen
  2. Das Problem wird sich allerdings auch dahingehend reduzieren, dass sich zum einen die Kraftstoffpreise bis 2020 überproportional erhöhen werden (in den letzten zehn Jahren um ca. 7%/Jahr) und damit auch kraftstoffsparende Fahrzeuge im Firmenwagenbereich interessanter werden. Von Privatfahrzeugen ganz zu schweigen. Dann machen 25% Verbrauchsunterschied so einiges aus.

    Zum anderen ist das SUV aber eben auch irgendwie der Opel Manta des aktuellen Jahrzehnts - und der war ganz schnell von der Bildfläche verschwunden, nach dem sich auch noch der Letzte seiner Lächlichkeit bewusst geworden war. Wobei, wenn ich's mir recht überlege und meine Mitmenschen so betrachte, dann dauert das vielleicht auch noch ein bisschen länger ;-)

    Eine Leserempfehlung
    • Atan
    • 17. Februar 2013 11:40 Uhr

    das zu steuernde Verhalten des Verursachers besteuert.
    Ergo, es ist sinnlos, Flottenverbräuche für eine starke Lobby festzulegen, da diese immer versuchen wird, Umgehungstatbestände zu verankern. Die EU müsste also nur den CO2-Verbrauch einheitlich besteuern zu lassen, aber da Steuern nur national erhoben werden, scheitert auch das wieder an den jeweiligen Regierungen.

    Sollen unsere Regierungen doch einfach offen zugeben, dass sie ja eigentlich letztlich gerne die Welt vorm Klimawandel retten würden, aber dass die Autoindustrie leider wichtiger ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Eigendlich gibt es schon eine Strafsteuer: Die Ökosteuer und die Mineralölsteuer.
    Die bestraft sogar genauer. Sie bestraft den realen Verbrauch, nach Fahrstil und realen Umständen, und zurückgelegter Strecke. Die Ökosteuer/Min-Ö-Steuer lässt sich nicht betrügen durch einen NEFZ-Zyklus oder durch sonst einen Zyklus, der nie objektiv ist.

    Die Ganzen Grenzwerte sind doppelt gemoppelt.
    Wenn sich jemand einen SUV kauft und wenig km fährt, dann stößt er weniger CO2 aus.

    PS: Der Kraftstoffverbrauch in Deutschland sinkt.

  3. .. kauft noch mehr autos, die noch schwerer und teurer sind und noch viel, viel mehr sprit verbrauchen! damit wir unsere palmen im winter nicht mehr reinstellen müssen und SUV's auch als cabrios angeboten werden.
    und ganz wichtig: esst mehr beton!

    entschuldigen Sie meinen zynismus.
    die frage ist, wer hier mehr zum zynismus tendiert...

  4. Eigendlich gibt es schon eine Strafsteuer: Die Ökosteuer und die Mineralölsteuer.
    Die bestraft sogar genauer. Sie bestraft den realen Verbrauch, nach Fahrstil und realen Umständen, und zurückgelegter Strecke. Die Ökosteuer/Min-Ö-Steuer lässt sich nicht betrügen durch einen NEFZ-Zyklus oder durch sonst einen Zyklus, der nie objektiv ist.

    Die Ganzen Grenzwerte sind doppelt gemoppelt.
    Wenn sich jemand einen SUV kauft und wenig km fährt, dann stößt er weniger CO2 aus.

    PS: Der Kraftstoffverbrauch in Deutschland sinkt.

    4 Leserempfehlungen
  5. Das ist ja toll, ein Auto das mit (exogen bezogener) Elektrizitaet faehrt emittiert also kein CO2? Wird die Elektrizitaet fuer diese Plug-in Hybrid Motoren niemals aus fossilen Rohstoffen gewonnen? Wenn man wirklich eine Anreizwirkung wollte, muesste man die KFZ Steuer abschaffen und nur noch den Kraftstoff besteuern und den aber richtig am besten gleich mit einer eingebauten Steigerungsrate. So wie jetzt Umweltpolitik betrieben wird ist sie doch nutzlos, und sogar idiotisch. Man denke an die tollen Effizienzindikator von Herrn Ramsauer, nach der ein Leopardpanzer so oekoeffzient ist wie ein VW Golf. Oder allein dieser idiotische Indikator Flottenverbrauch, wuerde Daimler einen Kleinwagenproduzenten kaufen, waere alles wieder in Butter oder wie? So wird das jedenfalls nichts mit der Begrenzung der globalen Erwaermung. Aber Hauptsache, die Politik erlaubt, dass man sich als oekologisch darstellen kann.
    Eine andere Loesung waere die Lobbyisten und Automanager samt Familien zu zwingen nach Verrentung den Lebensabend in Tuvalu zu verbringen, damit sie live erleben, was es bedeutet, wenn der Meeresspiegel steigt. Letzteres wird ja von ihnen selbst determiniert und so haben sie alles selbst in der Hand.

  6. Hätten die Herren Daimler und Benz auf Subventionen vom Staat gewartet, würden wir heute noch auf das erste Auto warten! Was soll dieses ewige Gejammer nach dem Staat? Jedes Unternehmen ist aufgefordert, einen gewissen Anteil des Gewinns in Forschung und Entwicklung zu investieren. Wenn man das machte, statt die Managergehälter ins unermeßliche steigen zu lassen, würde man sicher auch bei uns weiter sein mit der Entwicklung von E-Mobilen!

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  • Schlagworte Elektroauto | Elektromobilität | CO2 | Autohersteller | Autoindustrie
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