GesellschaftskritikÜber Sabbaticals

Eine Gesellschaftskritik von 

Erstmal raus hier: Trainer Pep Guardiola

Erstmal raus hier: Trainer Pep Guardiola  |  © Lluis Gene/AFP/Getty Images

Manche Manager verbringen ihr Sabbatical auf einer Segeljacht oder in einem Trainingscamp für Golfer. Pep Guardiola, der berühmte Trainer des FC Barcelona, der nächste Saison zu Bayern München wechselt, hat seine Auszeit zwischen den Verträgen zu einem Aufenthalt in New York genutzt. Das ist nur logisch. Wer Sport zum Beruf hat, kann ihn nicht zur Entspannung nutzen. Wer immerfort auf grünem Rasen steht, braucht zur Erholung Asphalt unter den Füßen. Wer ständig auf durchtrainierte Körper blickt, muss sich auch mal mit den hohläugigen Nachtschattengewächsen der Großstadt, den schnippischen, schnatternden Vernissagengänsen der Ostküstenboheme umgeben. Metropolitan genug gekleidet ist er ja, der smarte Pep, der eleganteste Mann, der jemals am Spielfeldrand der Champions League gesichtet wurde – vielleicht sogar ein wenig zu gut für die In-People von New York, denen manchmal erst das richtige, klug zur Schau gestellte Maß an Verwahrlosung als Dernier Cri gilt. Aber das kann man trainieren.

Schwieriger zu beantworten ist die Frage, ob man auch das genau entgegensetzte bayerische Verlangen nach dem richtigen Maß an dumpfer Bodenständigkeit trainieren kann. Es zeigt sich im traditionellen Freizeitverhalten von Fußballtrainern der älteren, kernigen Art, die sich zur Entspannung zünftig volllaufen ließen. Ja, ob das der Pep lernt?

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Man hat Guardiola auch schon früher, bei aller Bewunderung, in deutschen Sportgazetten einen »Schöngeist« genannt, was nur der gänzlich Ahnungslose für ein Kompliment halten kann. Vielmehr verhält es sich in der deutschen Welt, nicht nur des Sportes, genau umgekehrt. Ein berufsmäßiger Schöngeist, ein Intellektueller gar, kann sich nur rehabilitieren, wenn man ihn auch im Stadion trifft. Der Feuilletonist eines Münchner Magazins beispielsweise konnte die Sympathie seines Chefredakteurs erst erlangen, nachdem ihn dieser bei einem Fußballspiel sah. »Ich wusste gar nicht«, sagte der Chef anerkennend, »dass Sie auch ein Mensch sind.«

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Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen.  |  © Frazer Harrison/Getty Images

Glücklicherweise erfüllt Guardiola die Kernbedingung dieser Art des Menschseins schon durch seinen Beruf. Er sollte sie aber zukünftig nicht durch allzu viele Aufenthalte in Kulturmetropolen gefährden. Sonst trifft er womöglich in London oder Paris seinen Chef, und der sagt zu ihm: »Ich wusste gar nicht, dass Sie kein Mensch sind.«

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Leserkommentare
    • Mari o
    • 07. Februar 2013 23:30 Uhr

    Bei Katalanen ist der Geniestatus etwas vollkommen selbstverständliches.und was haben Genies mit dem gemeinen Menschen gemein?fast nichts

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  • Serie Gesellschaftskritik
  • Schlagworte Pep Guardiola | FC Barcelona | Chef | Entspannung | Fußballtrainer | Körper
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