ÄgyptenGottgewollte Gewalt

Die Vergewaltiger von Kairo pflegen eine Kultur der Verachtung. Wo Frauen als minderwertig gelten, darf man sie angeblich auch malträtieren. Ein Gespräch mit der Juristin Seyran Ateș

DIE ZEIT: Frau Ateş, wussten Sie, dass vorige Woche in Kairo in aller Öffentlichkeit etwa zwei Dutzend Frauen vergewaltigt wurden? Am Jahrestag der Revolution fielen auf dem Tahrir-Platz mehrere Pulks von Vergewaltigern über einzelne Demonstrantinnen her. Die UN-Menschenrechtskommissarin verurteilte die Tatenlosigkeit der Polizei, die nicht einschritt, obwohl Hunderte Männer an den Übergriffen beteiligt waren.

Seyran Ateş: Ich habe es in der Zeitung gelesen, aber mich nicht gewundert.

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ZEIT: Wie bitte?

Ateş: Weil Vergewaltigung seit Anbeginn der Revolution ein Thema war. Am Tag von Mubaraks Rücktritt etwa vergewaltigten auf dem Tahrir-Platz Dutzende Männer die südafrikanische Kriegsreporterin Lara Logan. Das jetzige Ausmaß der Gewalt ist erschreckend. Aber es gehört zur Logik der Revolution in einer patriarchalen Gesellschaft, dass Frauen rasch wieder rausgedrängt werden müssen aus der Politik. Wir dürfen nicht vergessen: Die Demonstrantinnen opponieren gegen eine Regierung religiöser Fundamentalisten.

ZEIT: Was hat Vergewaltigung denn mit Religion zu tun?

Seyran Ateş

49, ist eine deutsche Juristin türkischer Herkunft. Zuletzt erschien von ihr "Der Islam braucht eine sexuelle Revolution".

Ateş: Die Geschlechterapartheid ist ein wesentlicher Bestandteil des Weltbildes der Muslimbrüder. Sie glauben, Frauen sind nicht gleichberechtigt, also müssen sie kleingehalten und erniedrigt werden.

ZEIT: Selbsthilfeorganisationen richten nun Internetseiten ein wie harassmap.org, dort kann man per Mail, SMS oder Tweet Alarm schlagen, wenn Übergriffe drohen. Warum tut die Polizei nichts?

Ateş: Weil sie Teil des frauenverachtenden Systems ist. Die ägyptische Bloggerin Mona el-Tahawy wurde während der Revolution von Sicherheitskräften Mubaraks festgenommen und zwölf Stunden misshandelt. Sie beschrieb später die grausamen Methoden in ihrem Blog, der aber seit einigen Wochen nicht mehr existiert. Sie hat sich zurückgezogen. Das ist es, was diese Gewalttäter erreichen wollen.

ZEIT: Aber die ägyptische Revolution galt auch als ein Aufbegehren der Frauen.

Ateş: Eine Freundin aus Kairo schrieb mir Ende Januar 2011, dass sie sich jetzt zum ersten Mal als gleichberechtigter Mensch wertgeschätzt fühle. Plötzlich hielten alle zusammen: Männer mit oder ohne Bart, Frauen mit oder ohne Kopftuch. Sie hoffte, dass die Geschlechtertrennung aufhört. Doch diese Hoffnung währte nicht lange. Als Menschenrechtlerin weiß ich von vielen politisch aktiven Frauen, die auf Polizeiwachen und von Soldaten sexuell erniedrigt wurden.

ZEIT: Mona el-Tahawy schrieb einen Aufsatz mit dem Titel Warum sie uns hassen. Mit "sie" meinte sie die Männer. Warum also der Hass?

Ateş: Weil Verachtung Hass erzeugt.

Leser-Kommentare
    • Chiri
    • 16.02.2013 um 23:23 Uhr

    es leider auch in Deutschland nicht selbstverständlich´ist, dass Frauen wie Seyra Ates und Necla Kelek ein Forum bekommen. Morddrohungen erhalten sie zwar aus der eigenen Community, aber dass sie bei uns besonders viel Rückhalt durch Politiker und die Medien erhielten, sehe ich nicht. Die allgegenwärtige political correctness macht es ihnen und ihren Mitstreitern nicht immer leicht, bittere Wahrheiten klar auszusprechen. Da gibt es z. B. urdeutsche Politikerinnen, die sich hierzulande zwar leidenschaftlich feministisch geben, sich aber sich offenbar eher den Fuß abhacken würden, als mit Frau Kelek und Frau Ates zusammen öffentlich auf die Barrikaden gegen Zwangsheiraten und Schwimmverbote zu steigen. Nein, da schwärmt man doch lieber von Börek und dem türkischen Mond. Bei Lichte betrachtet ist das skandalös.

    Im Gegensatz zu Frau Ates sieht Necla Kelek auch ein Problem im Islam selbst, der sich bisher jeder notwendigen Exegese erfolgreich entziehen konnte. Die Religion selbst verhindert den Fortschritt dadurch, dass der Koran als das unveränderbare Wort Gottes gilt. Insofern geben einzelne Koranverse weiterhin patriarchalischen Strukturen und fundamentalistischen Umtrieben die Legitimation. Und man hat auch nicht unbedingt den Eindruck, als hätten die in Deutschland agierenden Verbände ein sonderlich großes Interesse daran, die Aufklärung wirksam in Gang zu setzen und zu einen modernen Euroislam zu gelangen, wie der ebenfalls viel geschmähte Bassam Tibi ihn fordert.

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    Antwort auf "Schlimm ist,"
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    Ganz anders Hoseas Ehefrau, Gomer. Sie verehrte Ashera als Repräsentantin der damals noch, biblisch belegten existierenden Göttin_Religion, die von der jüdischen Neurologin Jenny Kien (2000) so beschrieben wird:
    "Sie ist die Göttin sexueller Kraft und Freude; sie ist der Mutterleib, die nährende Brust, Schöpferin, Mutter allen Lebens, Spinnerin des Schicksalsfadens, machtvolle Löwin und schließlich auch die Schlange. Und das bedeutet das Wissen über diese und andere Welten, um den Zyklus des Lebens und die Unsterblichkeit allen Lebens. Zu ihr wurde um Gesundheit gebetet, um Hilfe bei der Geburt und anderes Gelingen. (...) Ihr Begleiter war der Hauptgott El der Bulle/Stier, ... ihr Liebhaber Ba'al, ursprünglich ein syrischer Sturm-, Gewitter und Berggott"
    Anders als Jahwe war Ashera als das gebärende Prinzip, das ständig neues Leben in diese Welt bringt, überall in der Natur bis hinauf in den Kosmos deutlich wahrnehmbar - eine heute wieder neu anerkannte mythisch-wissenschaftliche Größe. An ihrer Seite waren Baal oder Jahwe das miterzeugende männliche Prinzip.

    Hinter der Verbindung des Propheten mit einem "Hurenweib" verbirgt sich wohl eine ganz normale Liebesheirat, in der es zu religiösen Unverträglichkeiten gekommen sein muss, weil Gomer auch während der Ehe an ihrer bäuerlichen Volksfrömmigkeit mit ihren uralten Weisheiten und Liebeskulten festhielt.

    ...dadurch, dass der Koran als das unveränderbare Wort Gottes gilt." sagen Sie und sprechen damit gleichzeitig das Grundproblem aller fundamentalistischen Varianten der 3 Schriftreligionen und wortwörtlichen Auslegungen innerhalb des biblischen Monotheismus überhaupt an.

    Ihr gemeinsam übergeordnetes Merkmal ist kollektiv verankerte Frauenverachtung, -ausgrenzung und -feindlichkeit, was sich nicht nur in der vatikanischen Männerkirche widerspiegelt, sondern immer noch unser "aufgeklärt-säkulares Gesellschaftssystem beeinflusst.

    Die „schriftlich fixierte Direktoffenbarung“ des Koran begründet sich aber auf viel ältere patriarchal-BIBLISCHE Überlieferungen, der unfehlbaren Stimme des EINEN HERRN (Jahwe), einer monotheistischen Jahwe-allein-Ideologie, die von priesterlichen Machteliten den Menschen im alten Palästina mit roher Gewalt eingbimst wurde.

    Mitte des 8.Jhds.v.Chr. trat "HOSEA" im alten Israel auf, einer der ersten unter den Propheten,der sich nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich äußerte.(HOSEA-Buch im AT)
    Seine Kernbotschaft lautet: "Samaria verfällt seiner Strafe, weil es sich empört hat gegen seinen Gott. Seine Bewohner fallen unter dem Schwert, ihre Kinder werden zerschmettert, die schwangeren Frauen werden aufgeschlitzt." (14,1)

    Mit "Hosea" beginnt jene patriarchale Prophetie, die sich zugleich einer ausgesprochen frauenfeindlichen Metaphorik bedient.

    (Forts. folgt)

    Hosea wirkt weichenstellend für nachfolgende biblische Prophetengenerationen, die ihn in dieser Hinsicht zum Teil noch übertreffen und das fundamentalistische Grundgerüst der Frauenverachtung und Frauenfeindlichkeit aller 3 späteren monotheistischen Religionen gebildet haben.
    Gleich zu Beginn des Buches wird deutlich, worin Hosea den Schwerpunkt der "Vergehen" der Menschen sieht. Er vernimmt die Stimme seines HERRN, die ihm den Auftrag erteilt: "Geh hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das Land läuft vom HERRN weg der Hurerei nach." (Hosea 1,2)

    Die Theologie-Professorin Helgard Balz-Cochois hat als Erste auf das Problem der interreligiösen Ehegemeinschaft zwischen Hosea und seiner Frau Gomer hingewiesen.
    Gemäß ihren Vorstellungen, litt Hosea daran, dass Gomer nicht Jahwe allein verehrte, sondern - wenn überhaupt - dann nur an der Seite Asheras, der Repräsentantin des Lebens..
    Als Anhänger der Jahwe-allein-Bewegung kritisiert Hosea die religiösen Praktiken des Volkes, die er als "Hurerei" bezeichnet und gleichzeitig auch seiner Ehefrau anlastet, die offenbar dem kultischen Verhalten des Volkes zugetan ist und nicht auf "Jahwe allein" vertraut.
    Neben dem Propheten des HERRN spricht hier also auch noch ein gekränkter Ehemann, dessen Gattin auf ihren eigenen religiösen Vorstellungen beharrt.

    Forts.:3

    Diese religiösen Liebeskulte widersprachen nicht nur Hoseas Jahwe-allein-Glauben, sondern auch seinem damit einhergehenden "monogamen" Eheverständnis, das wohl die Frau an den Mann band, ihn aber nicht in gleicher Weise an die Frau.
    So nahm Hosea Anstoß an der kultischen Rolle und Bedeutung, die auch seiner Frau bei den alljährlichen Feiern der "Heiligen Hochzeit" zukam.

    In seiner Verkündigung gibt es Hinweise darauf, dass es ihn ganz persönlich tangierte, wenn seine Frau sich einmal im Jahr der kultischen Sexualität verschrieb, während er zu Hause vor Eifersucht fast umkam. - Gemeinsam mit ihr an diesen Festen zu Ehren der lebendigen Natur teilzunehmen, war für ihn jedoch unmöglich.
    Stattdessen erklärt er als Anhänger des patriarchal-monotheistischen Gottesglaubens diese Kultfeiern, die seiner Frau heilig waren, zur "Hurerei" und damit zur Sünde par excellence.

    Die Bibel selbst bestätigt hingegen die Sicht Gomers - zumindest in einem ihrer Bücher,
    "Das Hohelied der Liebe"
    das solche Feiern in hymnischen Liedern besingt, was allerdings nicht als solches erkannt werden darf und sich eine jahwistische Umdeutung gefallen lassen musste.

    Erst durch die Religionswissenschaft, die von der Theologie nur sporadisch und ganz nach Belieben zur Kenntnis genommen wird, trat hier eine Änderung ein. Am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dem "Hohenlied" die Anerkennung seiner kultisch-religiösen Relevanz zuteil.

    Religionen müssen wissenschaftlich hinterfragbar sein!

    Ganz anders Hoseas Ehefrau, Gomer. Sie verehrte Ashera als Repräsentantin der damals noch, biblisch belegten existierenden Göttin_Religion, die von der jüdischen Neurologin Jenny Kien (2000) so beschrieben wird:
    "Sie ist die Göttin sexueller Kraft und Freude; sie ist der Mutterleib, die nährende Brust, Schöpferin, Mutter allen Lebens, Spinnerin des Schicksalsfadens, machtvolle Löwin und schließlich auch die Schlange. Und das bedeutet das Wissen über diese und andere Welten, um den Zyklus des Lebens und die Unsterblichkeit allen Lebens. Zu ihr wurde um Gesundheit gebetet, um Hilfe bei der Geburt und anderes Gelingen. (...) Ihr Begleiter war der Hauptgott El der Bulle/Stier, ... ihr Liebhaber Ba'al, ursprünglich ein syrischer Sturm-, Gewitter und Berggott"
    Anders als Jahwe war Ashera als das gebärende Prinzip, das ständig neues Leben in diese Welt bringt, überall in der Natur bis hinauf in den Kosmos deutlich wahrnehmbar - eine heute wieder neu anerkannte mythisch-wissenschaftliche Größe. An ihrer Seite waren Baal oder Jahwe das miterzeugende männliche Prinzip.

    Hinter der Verbindung des Propheten mit einem "Hurenweib" verbirgt sich wohl eine ganz normale Liebesheirat, in der es zu religiösen Unverträglichkeiten gekommen sein muss, weil Gomer auch während der Ehe an ihrer bäuerlichen Volksfrömmigkeit mit ihren uralten Weisheiten und Liebeskulten festhielt.

    ...dadurch, dass der Koran als das unveränderbare Wort Gottes gilt." sagen Sie und sprechen damit gleichzeitig das Grundproblem aller fundamentalistischen Varianten der 3 Schriftreligionen und wortwörtlichen Auslegungen innerhalb des biblischen Monotheismus überhaupt an.

    Ihr gemeinsam übergeordnetes Merkmal ist kollektiv verankerte Frauenverachtung, -ausgrenzung und -feindlichkeit, was sich nicht nur in der vatikanischen Männerkirche widerspiegelt, sondern immer noch unser "aufgeklärt-säkulares Gesellschaftssystem beeinflusst.

    Die „schriftlich fixierte Direktoffenbarung“ des Koran begründet sich aber auf viel ältere patriarchal-BIBLISCHE Überlieferungen, der unfehlbaren Stimme des EINEN HERRN (Jahwe), einer monotheistischen Jahwe-allein-Ideologie, die von priesterlichen Machteliten den Menschen im alten Palästina mit roher Gewalt eingbimst wurde.

    Mitte des 8.Jhds.v.Chr. trat "HOSEA" im alten Israel auf, einer der ersten unter den Propheten,der sich nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich äußerte.(HOSEA-Buch im AT)
    Seine Kernbotschaft lautet: "Samaria verfällt seiner Strafe, weil es sich empört hat gegen seinen Gott. Seine Bewohner fallen unter dem Schwert, ihre Kinder werden zerschmettert, die schwangeren Frauen werden aufgeschlitzt." (14,1)

    Mit "Hosea" beginnt jene patriarchale Prophetie, die sich zugleich einer ausgesprochen frauenfeindlichen Metaphorik bedient.

    (Forts. folgt)

    Hosea wirkt weichenstellend für nachfolgende biblische Prophetengenerationen, die ihn in dieser Hinsicht zum Teil noch übertreffen und das fundamentalistische Grundgerüst der Frauenverachtung und Frauenfeindlichkeit aller 3 späteren monotheistischen Religionen gebildet haben.
    Gleich zu Beginn des Buches wird deutlich, worin Hosea den Schwerpunkt der "Vergehen" der Menschen sieht. Er vernimmt die Stimme seines HERRN, die ihm den Auftrag erteilt: "Geh hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das Land läuft vom HERRN weg der Hurerei nach." (Hosea 1,2)

    Die Theologie-Professorin Helgard Balz-Cochois hat als Erste auf das Problem der interreligiösen Ehegemeinschaft zwischen Hosea und seiner Frau Gomer hingewiesen.
    Gemäß ihren Vorstellungen, litt Hosea daran, dass Gomer nicht Jahwe allein verehrte, sondern - wenn überhaupt - dann nur an der Seite Asheras, der Repräsentantin des Lebens..
    Als Anhänger der Jahwe-allein-Bewegung kritisiert Hosea die religiösen Praktiken des Volkes, die er als "Hurerei" bezeichnet und gleichzeitig auch seiner Ehefrau anlastet, die offenbar dem kultischen Verhalten des Volkes zugetan ist und nicht auf "Jahwe allein" vertraut.
    Neben dem Propheten des HERRN spricht hier also auch noch ein gekränkter Ehemann, dessen Gattin auf ihren eigenen religiösen Vorstellungen beharrt.

    Forts.:3

    Diese religiösen Liebeskulte widersprachen nicht nur Hoseas Jahwe-allein-Glauben, sondern auch seinem damit einhergehenden "monogamen" Eheverständnis, das wohl die Frau an den Mann band, ihn aber nicht in gleicher Weise an die Frau.
    So nahm Hosea Anstoß an der kultischen Rolle und Bedeutung, die auch seiner Frau bei den alljährlichen Feiern der "Heiligen Hochzeit" zukam.

    In seiner Verkündigung gibt es Hinweise darauf, dass es ihn ganz persönlich tangierte, wenn seine Frau sich einmal im Jahr der kultischen Sexualität verschrieb, während er zu Hause vor Eifersucht fast umkam. - Gemeinsam mit ihr an diesen Festen zu Ehren der lebendigen Natur teilzunehmen, war für ihn jedoch unmöglich.
    Stattdessen erklärt er als Anhänger des patriarchal-monotheistischen Gottesglaubens diese Kultfeiern, die seiner Frau heilig waren, zur "Hurerei" und damit zur Sünde par excellence.

    Die Bibel selbst bestätigt hingegen die Sicht Gomers - zumindest in einem ihrer Bücher,
    "Das Hohelied der Liebe"
    das solche Feiern in hymnischen Liedern besingt, was allerdings nicht als solches erkannt werden darf und sich eine jahwistische Umdeutung gefallen lassen musste.

    Erst durch die Religionswissenschaft, die von der Theologie nur sporadisch und ganz nach Belieben zur Kenntnis genommen wird, trat hier eine Änderung ein. Am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dem "Hohenlied" die Anerkennung seiner kultisch-religiösen Relevanz zuteil.

    Religionen müssen wissenschaftlich hinterfragbar sein!

  1. ein Mini-Beweis dafür: die Verwendung der Vokabel 'schänden', wenn eine Frau von einem Pulk bigotter gewalttätiger Männer vergewaltigt wird. Die Schande liegt bei wem, Frau Finger? Wer wird 'entehrt'?

    Aus Gedanken werden Worte, aus Worte werden Handlungen.

    Vielen Dank an Seyran Ateș für Haltung und Klarsprache.

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    Ich dachte, ich waere der einzige, der diese Wortwahl unertraeglich findet.

    an den in der Tat entlarvenden Ursprung der Wörter „schänden“ und „entehren“. Zugutehalten muß man Evelyn Finger aber, daß sie die deutsche Sprache nicht erfunden hat. Und bewußte Sprachregulierung braucht Zeit... Vielleicht hat sie diese Wörter auch ganz bewußt verwendet, um die Intention hervorzuheben?

    Die verallgemeinernde Schlußfolgerung „Die Aufklärung ist auch hier weiterhin nötig“ finde ich vor dem Hintergrund des obigen Artikels aber doch arg relativierend!

    Man kann sich sicher darüber unterhalten, daß eine vollendete Idealgesellschaft ohne Geschlechterunterschiede auch in Europa noch lange nicht erreicht ist.
    Aber immerhin fallen hier auf dem Alexanderplatz oder Rathausmarkt keine enthemmten Männerhorden am hellichten Tag über vorbeispazierende Frauen her und drängen sie in Seitenstraßen ab, um sie dort vor aller Augen und unter dem Applaus der Polizei gruppenzuvergewaltigen.

    Dann sehen wir also weg, fassen uns nur noch an die eigene Nase, legen die Scheuklappen an, versagen uns Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ägyptens, Hauptsache, wir schaffen uns unser kleines puritanisches Paradiesgärtchen vor der eigenen Haustür?

    Ich weiß, in der christlichen Moral zeigt man nicht mit dem Finger auf andere, und die westliche Welt hat eine lange Tradition, dem Rest der Welt ihre „Benimm-Regeln“ aufzudrücken, aber ich finde, im Fall der von Frau Ateş geschilderten Männergewalt in Ägypten darf man schon eine dezidierte Meinung haben und Roß und Reiter nennen...

    Ich dachte, ich waere der einzige, der diese Wortwahl unertraeglich findet.

    an den in der Tat entlarvenden Ursprung der Wörter „schänden“ und „entehren“. Zugutehalten muß man Evelyn Finger aber, daß sie die deutsche Sprache nicht erfunden hat. Und bewußte Sprachregulierung braucht Zeit... Vielleicht hat sie diese Wörter auch ganz bewußt verwendet, um die Intention hervorzuheben?

    Die verallgemeinernde Schlußfolgerung „Die Aufklärung ist auch hier weiterhin nötig“ finde ich vor dem Hintergrund des obigen Artikels aber doch arg relativierend!

    Man kann sich sicher darüber unterhalten, daß eine vollendete Idealgesellschaft ohne Geschlechterunterschiede auch in Europa noch lange nicht erreicht ist.
    Aber immerhin fallen hier auf dem Alexanderplatz oder Rathausmarkt keine enthemmten Männerhorden am hellichten Tag über vorbeispazierende Frauen her und drängen sie in Seitenstraßen ab, um sie dort vor aller Augen und unter dem Applaus der Polizei gruppenzuvergewaltigen.

    Dann sehen wir also weg, fassen uns nur noch an die eigene Nase, legen die Scheuklappen an, versagen uns Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ägyptens, Hauptsache, wir schaffen uns unser kleines puritanisches Paradiesgärtchen vor der eigenen Haustür?

    Ich weiß, in der christlichen Moral zeigt man nicht mit dem Finger auf andere, und die westliche Welt hat eine lange Tradition, dem Rest der Welt ihre „Benimm-Regeln“ aufzudrücken, aber ich finde, im Fall der von Frau Ateş geschilderten Männergewalt in Ägypten darf man schon eine dezidierte Meinung haben und Roß und Reiter nennen...

  2. Ateş: Das religiöse Argument der fundamentalistischen Muslime geht so: Gott will, dass ich ein Mann bin und du eine Frau bist. Wenn du Gott widersprichst, dann darf ich Gewalt anwenden.

    Man beachte genau den letzten Satz und genau mit dieser Denke, welche man in dem Interview mit Mohammad al Zawahiri hier bei ZON lesen konnte, wird jegliche Gewalt von diesen Fundis begründet. Man handelt im Auftrag Allahs.

    Wenn ich ein gläubiger Mensche wäre, wäre ich empört über die Hybris dieser Menschen.

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    • gooder
    • 16.02.2013 um 21:51 Uhr

    "Als junges Mädchen gehörte die Frau ihrem Vater, als Verheiratete ihrem Ehemann und als Witwe ihren Söhnen und Verwandten, denn die Frau darf niemals unabhängig sein."
    So steht es keineswegs im Koran, sondern im Manusmriti dem Gesetzbuch des Hinduismus.

    "Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht, sie soll sich still verhalten."
    Auch das entspringt nicht dem Koran, sondern der Bibel.

    Auch im orthodoxen Juentum, gelten Frauen oft als Eigentum des Mannes,derer vornehmste Pflicht es ist Kinder zu gebären, sie zu erziehen, ihrem Mann beizustehen und ihn zu ergänzen.

    Diese Frauenbild ist also keine Eigenart der muslimischen Welt, sondern tritt in patriarchalisch geprägte Gesellschaften,unabhängig von der Religion auf.
    Der Koran fordert den Mann dazu auf, vor der Frau respektvoll "seine Blicke zu Boden zu schlagen" wenn er Frauen begegnet, und sie eben nicht anzüglich anzustarren, von handgreiflichen Belästigungen ganz zu schweigen.

    Sehr lesenswert dazu:
    http://www.faz.net/aktuel...

    • gooder
    • 16.02.2013 um 21:51 Uhr

    "Als junges Mädchen gehörte die Frau ihrem Vater, als Verheiratete ihrem Ehemann und als Witwe ihren Söhnen und Verwandten, denn die Frau darf niemals unabhängig sein."
    So steht es keineswegs im Koran, sondern im Manusmriti dem Gesetzbuch des Hinduismus.

    "Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht, sie soll sich still verhalten."
    Auch das entspringt nicht dem Koran, sondern der Bibel.

    Auch im orthodoxen Juentum, gelten Frauen oft als Eigentum des Mannes,derer vornehmste Pflicht es ist Kinder zu gebären, sie zu erziehen, ihrem Mann beizustehen und ihn zu ergänzen.

    Diese Frauenbild ist also keine Eigenart der muslimischen Welt, sondern tritt in patriarchalisch geprägte Gesellschaften,unabhängig von der Religion auf.
    Der Koran fordert den Mann dazu auf, vor der Frau respektvoll "seine Blicke zu Boden zu schlagen" wenn er Frauen begegnet, und sie eben nicht anzüglich anzustarren, von handgreiflichen Belästigungen ganz zu schweigen.

    Sehr lesenswert dazu:
    http://www.faz.net/aktuel...

  3. Sehr geehrte Redaktion, bitte benutzen Sie nicht "schänden" als Synonym für "vergewaltigen". Dass Vergewaltigung Schande über die Frau bringt, ist zutiefst sexistisches Gedankengut. Bitte machen Sie sich das bewusst und achten Sie mehr auf Ihre Sprache.

    17 Leser-Empfehlungen
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    interpretieren, dass die Ehre der Frau angegriffen wird und insofern ist das Wort nicht zwingend sexistisch und doch kann man darüber nachdenken, ob man nicht ein anderes Wort verwenden könnte.
    Zum Artikel selbst. Es ist unfassbar bitter, wie opportunistisch Menschen, in diesem Fall Männer verhalten können und allein die Vorstellung dieser Taten kann einem die Zornesröte ins Gesicht treiben. Am schlimmsten ist jedoch, dass diese Banden nicht aktiv bekämpft wurden und werden (damit meine ich nicht nur durch die Polizei, sondern den tausenden Mitdemonstranten) und es ist richtig und wichtig, dass darüber berichtet und geschrieben wird. Der Fokus "des Westens" ignoriert allzuoft die realen Probleme, Sorgen und Nöte. Die arabischen Unruhen haben sehr viel Leid verursacht und wenn daraus keine Achtung der Menschenrechte erwachsen sollte, wenn es nicht als Möglichkeit genutzt wird den Staat, die Institutionen, vor allem aber die Gesellschaften zu modernisieren, dann waren die ganzen Opfer umsonst und gerade für Frauen wäre dies ein verheerendes, entmutigendes Signal.
    Leider gibt es noch viel zu viele Gesellschaften weltweit, in denen Frauen auf diese Art gedemütigt werden und Vergewaltigungen sogar instrumentalisiert ist.

    Sehr geehrte Redaktion, bitte benutzen Sie nicht "schänden" als Synonym für "vergewaltigen". Dass Vergewaltigung Schande über die Frau bringt, ist zutiefst sexistisches Gedankengut.

    Hier ist es allerdings vollkommen zutreffend, denn in diesem Fall wird es in der Tat als die Schande der Frau angesehen: Ihr wurde nicht "nur" Gewalt angetan, sondern sie wurde dazu auch noch entehrt und ist somit nicht nur psychisch und physisch, sondern auch noch sozial geschädigt worden.

    Und trotzdem immer noch besser dran als in nochmal anderen Teilen der Welt, wo Vergewaltigungsopfer als Ehebrecherinnen gelten und gesteinigt werden.

    "Sehr geehrte Redaktion, bitte benutzen Sie nicht "schänden" als Synonym für "vergewaltigen". Dass Vergewaltigung Schande über die Frau bringt, ist zutiefst sexistisches Gedankengut. Bitte machen Sie sich das bewusst und achten Sie mehr auf Ihre Sprache."

    Sie möchten die Redaktion bitten, einen Artikel nach Ihren persönlichen Vorstellungen zu schreiben? Wenn Sie den Stil der ZEIT nicht mögen, ist das Ihr Ding. Mir gehts manchmal auch so.
    Es gibt hier eine Leser-Artikel-Funktion, dort können Sie genau die Worte benutzen, die Sie für richtig halten.

    MfG
    FT

    interpretieren, dass die Ehre der Frau angegriffen wird und insofern ist das Wort nicht zwingend sexistisch und doch kann man darüber nachdenken, ob man nicht ein anderes Wort verwenden könnte.
    Zum Artikel selbst. Es ist unfassbar bitter, wie opportunistisch Menschen, in diesem Fall Männer verhalten können und allein die Vorstellung dieser Taten kann einem die Zornesröte ins Gesicht treiben. Am schlimmsten ist jedoch, dass diese Banden nicht aktiv bekämpft wurden und werden (damit meine ich nicht nur durch die Polizei, sondern den tausenden Mitdemonstranten) und es ist richtig und wichtig, dass darüber berichtet und geschrieben wird. Der Fokus "des Westens" ignoriert allzuoft die realen Probleme, Sorgen und Nöte. Die arabischen Unruhen haben sehr viel Leid verursacht und wenn daraus keine Achtung der Menschenrechte erwachsen sollte, wenn es nicht als Möglichkeit genutzt wird den Staat, die Institutionen, vor allem aber die Gesellschaften zu modernisieren, dann waren die ganzen Opfer umsonst und gerade für Frauen wäre dies ein verheerendes, entmutigendes Signal.
    Leider gibt es noch viel zu viele Gesellschaften weltweit, in denen Frauen auf diese Art gedemütigt werden und Vergewaltigungen sogar instrumentalisiert ist.

    Sehr geehrte Redaktion, bitte benutzen Sie nicht "schänden" als Synonym für "vergewaltigen". Dass Vergewaltigung Schande über die Frau bringt, ist zutiefst sexistisches Gedankengut.

    Hier ist es allerdings vollkommen zutreffend, denn in diesem Fall wird es in der Tat als die Schande der Frau angesehen: Ihr wurde nicht "nur" Gewalt angetan, sondern sie wurde dazu auch noch entehrt und ist somit nicht nur psychisch und physisch, sondern auch noch sozial geschädigt worden.

    Und trotzdem immer noch besser dran als in nochmal anderen Teilen der Welt, wo Vergewaltigungsopfer als Ehebrecherinnen gelten und gesteinigt werden.

    "Sehr geehrte Redaktion, bitte benutzen Sie nicht "schänden" als Synonym für "vergewaltigen". Dass Vergewaltigung Schande über die Frau bringt, ist zutiefst sexistisches Gedankengut. Bitte machen Sie sich das bewusst und achten Sie mehr auf Ihre Sprache."

    Sie möchten die Redaktion bitten, einen Artikel nach Ihren persönlichen Vorstellungen zu schreiben? Wenn Sie den Stil der ZEIT nicht mögen, ist das Ihr Ding. Mir gehts manchmal auch so.
    Es gibt hier eine Leser-Artikel-Funktion, dort können Sie genau die Worte benutzen, die Sie für richtig halten.

    MfG
    FT

    • vonDü
    • 17.02.2013 um 2:36 Uhr

    Der Verweis auf Übergriffe in den USA, oder bei Buddhisten, ändert nichts an der Qualität der Übergriffe in Ägypten. Es ändert nichts daran, dass die Übergriffe in Ägypten mit der Verbreitung bestimmter religiöser Vorstellungen zu tun haben.

    Wenn nicht "der Islam", so sind doch wenigstens seine Vertreter, bzw. Verkünder ein Teil des Problems. Bildung für alle, was viel an den Zuständen verbessern könnte, war in Europa nicht Anliegen der Religionen und ist es auch in islamischen Gesellschaften nicht.

    Außerdem muss sich eine Religion, die in vielen Staaten als offizielle Staatsreligion fungiert, in die kritische Verantwortung, für die Zustände im Staat, nehmen lassen.

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    Sie machen sich doch lächerlich, bis vor zwei Jahren hat ein religionsfeindliches Regime in Ägypten geherrscht -30 Jahrelang-, das vom auch so menschlichen Westen hofiert wurde und jetzt soll der Islam dafür die Verantwortung tragen.
    Gute Nacht.

    Sie machen sich doch lächerlich, bis vor zwei Jahren hat ein religionsfeindliches Regime in Ägypten geherrscht -30 Jahrelang-, das vom auch so menschlichen Westen hofiert wurde und jetzt soll der Islam dafür die Verantwortung tragen.
    Gute Nacht.

  4. ... jetzt haben sie nur mein Weltbild als Atheist bestätigt das Religion immer suckt :). Ich mag es wie sie mir mit Religion kommen, vor allem als gottlosem Europäer. All diese Märchenbücher interessieren mich nicht, noch ihre Relativierungsversuch der Realität. Was mich interessiert ist wie gläubige Menschen versuchen ihr Weltbild auf den Rest der Gesellschaft zu übertragen, denn Unsinn hatten wir in Europa schon. Hat viel Ärger gemacht und viele Tote und ich Lebe jetzt in einer Zeit wo die dritte der Wüstenreligionen rabatz macht. BTW, der Islam sagt von sich er wäre die letze Religion, die einzig wahre und hätte die Antwort auf alles. Das ist aus meiner Sicht schon hybris, aber machen sie es sich in ihrem schlichten Weltbild schön bequem, ich bleibe bei meinem kritischen Denken und lebe lieber in einer Welt in welcher Frauen frei sind und tun und lassen können, was sie wollen. Schönen Tag noch.

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    Antwort auf "Frauenbild"
  5. ... es die Absicht dieser Horden ist, Frauen durch die Vergewaltigungen zu entehren, sollte man "schänden" nicht verwenden. Das ist eine unbedachte Übernahme der Tätersicht. Dass die Ehre einer Frau (was immer das ist) durch Vergewaltigung zerstört wird, IST eine sexistische Vorstellung.

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    Antwort auf "Man kann es auch "
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