IslamismusWas wisst ihr von Allah?

Die Islam-Kompetenz deutscher Behörden von Thilo Guschas

Die jüngste islamistische Drohbotschaft klingt nach Größenwahn. Ein deutsch sprechender Salafist, der sich "Abu Assam" nennt, fordert in einem Video nicht nur den Tod des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, sondern gleich auch noch den der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, und als Dreingabe werden Attentate auf den Reichstag in Aussicht gestellt. Es ist der maximale Wumms. Man weiß nicht, ob man lachen oder sich fürchten soll. Doch wer kann die Gefahr wirklich einschätzen?

Der Verfassungsschutz blieb nach der Veröffentlichung des Videos erstaunlich gelassen. Konkrete Hinweise auf Anschlagspläne gebe es keine, so hieß es lapidar – was allerdings offen ließ, ob man tatsächlich cool bleibt oder es nur vorgibt, um im Stillen effizienter ermitteln zu können. Frage: Was weiß eine deutsche Behörde schon von Allah? Ist da nicht eine unüberwindliche kulturelle Kluft zwischen Ermittlern und Islamisten? Gegenfrage der Verfassungsschützer: "Meinen Sie, wir arbeiten nicht professionell?"

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Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat 2.700 Mitarbeiter, die Hälfte konzentriert sich tatsächlich, auch nach der NSU-Krise, auf das Thema "islamistischer Terrorismus". Selbstredend sind darunter polyglotte Islamwissenschaftler, viele in islamischen Ländern verwurzelt. Wie gut die Sicherheitsbehörden die Gefahr einschätzen können, wird aber erst "im Feld" entschieden, beim Ausspähen potenzieller islamistischer Terroristen. Diese Arbeit steht und fällt mit den V-Männern. Meist haben sie der Szene einmal angehört und sich irgendwann innerlich losgesagt. Der wesentliche Unterschied zu Rechtsextremen ist, dass islamistische V-Männer "religiös musikalisch" sein müssen. Rechtlich bleibt auch ihr Status heikel. Sie arbeiten nie offiziell "beim", immer nur "für" den Verfassungsschutz.

Innerhalb der Sicherheitsbehörde sind aber noch andere Kompetenzen gefragt. Um islamistische Gruppen entdecken und einordnen zu können, braucht man reflektiertes Wissen. Dazu zählt universitäre Forschung, die die Behörde selbst nicht leisten kann. Und hieran hapert es besonders in Deutschland – davon ist der Religionssoziologe Rauf Ceylan überzeugt. Die deutsche Islamwissenschaft grabe tief in vergangenen Jahrhunderten, stürze sich in die Philologie, aber vergesse oft den Gegenwartsbezug. Ceylan selbst hat eine ethnologische Feldstudie über Imame in Deutschland erstellt, eine viel beachtete Pionierarbeit. "Über den Salafismus in Deutschland gibt es keine einzige empirische Studie", beklagt Ceylan. Lassen die Islamwissenschaftler die Sicherheitsbehörden im Dunkeln tappen?

Marwan Abou Taam vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz bestreitet das. Der promovierte Islamwissenschaftler und Politologe hilft den Ermittlern unter anderem mit Gutachten. "Der Forschung ihre Freiheit zu nehmen und sie auf Sicherheitsthemen auszurichten wäre ganz falsch. Das ist in den letzten Jahren viel passiert, weil dafür offenbar leichter Gelder bewilligt wurden." Wer sich als Forscher aber auf "Sicherheit" fixiere, lasse wenig Raum für Zusammenhänge, Prävention. Weshalb ist für viele Muslime der dritten Generation die Religiosität überhaupt so identitätsstiftend geworden? Abou Taam glaubt, Islamwissenschaft sei die falsche Disziplin. Nötig seien soziologische, politologische, psychologische Untersuchungen, freie Analysen von Biografien etwa, ohne gleich zu kriminalisieren.

Ein Feindbild hilft nicht unbedingt, die wahren Feinde zu finden. Am Ende müssen die Ermittler merken, dass sie beides brauchen: "spezialisierte" und "flankierende" Gegenwartsforschung zum Islamismus. Nur so lässt sich der kulturelle Graben überbrücken, der sich zwischen islamistischen Tätern und den Ermittlern auftut. "Ein guter Islamwissenschaftler beherrscht drei, vier, vielleicht fünf Sprachen", sagt Abou Taam. Aber was sind fünf Sprachen gegen die 45 Nationen, aus denen potenziell islamistische Terroristen stammen können, mit ihren je eigenen Codes? Wer den gottgläubigen Tätern das Handwerk legen will, braucht Sprachkompetenz und muss zur Theologie vordringen, er muss die politische Szene kennen und sich gedanklich einlassen auf die fundamentalistischen Spielarten der Religion, in deren Namen der Terror verübt wird. Aber er muss auch Distanz wahren, um die Gefahr beurteilen zu können.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

    19 Leserempfehlungen
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    • lxththf
    • 17. Februar 2013 15:32 Uhr

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jk

    • R1W1
    • 17. Februar 2013 15:14 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven und differenzierten Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

    7 Leserempfehlungen
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    • lxththf
    • 17. Februar 2013 15:38 Uhr

    den Artikel wirklich gelesen?
    Mein Güte. Es ist fast unerträglich, wie unfassbar pauschalisierend, verallgemeinernd, vor allem aber empirisch nicht fundiert hier Meinungen geäußert werden. Ja, "der Islam" ist genauso differenziert betrachtet, wie "der Westen" "das Christentum" und all der Nonsens.
    Muslime sind Menschen mit Emotionen, individuellen Geschichten, Gedanken, Perspektiven und Zielen und genau hier setzen soziologische Studien ein. Man sollte einfach mal nachfragen. "Was denkt ihr, was glaubt ihr, was fühlt ihr" und wenn man die ersten Kommentare liest, so würde es mich nicht wundern, wenn die meisten Wut empfinden, aber dann würden Sie sich wahrscheinlich auch noch fragen "Warum?" und sich in Ihren Vorurteilen bestätigt sehen.

  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Wir wünschen uns eine differenzierte Diskussion von Argumenten. Danke, die Redaktion/jk

    8 Leserempfehlungen
    • falipus
    • 17. Februar 2013 15:28 Uhr

    wenn ich Morddrohungen ausstoße?
    Sucht man nach Legitimation für Fanatismus und Größenwahn?
    Ich glaube kaum, dass die Ermittler Islamwissenschaftlich vorgebildet sein müssen. Denn Mord bleibt Mord auch unter Allah.

    17 Leserempfehlungen
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    • dacapo
    • 17. Februar 2013 18:37 Uhr

    Jemand, der sich mit den Salafisten, als Beispiel, beschäftigen muss, der sollte sich auf derem Feld auskennen. Das hat nichts mit Gott (arabisch Allah) zu tun.
    Sollte sich jemand in die Kreise einfädeln sollen/müssen, dann sollte/muss er ausser den dort gesprochenen Sprachen eben sich mit "derem Islam" auskennen, sonst kommt er nie in diese Kreise. Will man verübte Morde untersuchen, liegen die gleichen Voraussetzungen vor, um eine erfolgreiche Untersuchung zu führen. Man braucht den Begriff Gott/Allah garnicht wörtlich nehmen, denn - was soll denn auch ein Gott mit der Tat oder mit sonst was zu tun haben?

    • lxththf
    • 17. Februar 2013 15:32 Uhr
    5. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jk

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    Wäre es nicht vielleicht auch gut, auch einmal darüber zu reden, dass es viele moderate Muslime in Deutschland und der ganzen Welt gibt?
    Wenn wir alle an der Rand drängen, die einer bestimmten Religion angehören, müssen wir uns nicht wundern, wenn sie noch weiter abdriften.
    Wenn wir die, die bereit sind, in unsere Mitte aufnehmen, können und wollen sie uns vielleicht auch helfen, die anderen in die Schranken zu weisen.

  3. 6. [...]

    Verzichten Sie bitte auf Pauschalisierende und fremdenfeindliche Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    37 Leserempfehlungen
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    • Morbox
    • 17. Februar 2013 15:57 Uhr

    Der Kommentar, an dem Sie berechtigte Kritik üben, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/fk.

    Der Kommentar, an dem Sie berechtigte Kritik üben, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/fk.

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    Bitte verzichten Sie auf geschmacklose und aggressive Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

  4. Welche Auswirkungen hat das denn auf den staatsanwaltlichen Ermittlungsauftrag?

    Wie gerichtsfest sind denn "soziologische Untersuchungen"?

    Und was meint den der "geistlose Wissenschaftler" bitte mit "Distanz" bei der Gefahrenabwehr?

    Beste Grüße CM

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    • lxththf
    • 17. Februar 2013 15:42 Uhr

    vielleicht ja, dass man sich in die Täter hineinversetzen muss, um ihre Ziele zu verstehen, um sie zu vereiteln? Es ist doch ähnlich wie beim Schach oder jeder anderen Wettkampfart. Um die Taktik des Gegners zu überwinden, sollte man sie verstehen und Distanz meint dann vielleicht, dass man nicht zu tief in die Szene abrutscht.
    Es geht hier nicht um einen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsauftrag oder einem konkreten Prozess, sondern um eine ganz konkrete Gefahrenabwehr und da wäre es nützlich zu wissen, wer, wann, warum, wie und wo zuschlagen möchte und dazu braucht man Kenntnis, vor allem der aktuellen Lebensrealitäten.

    schon klar, nur dafür brauchts keine gesonderte Feststellung durch einen Islamwissenschaftler.

    Beste Grüße CM

    • lxththf
    • 17. Februar 2013 15:38 Uhr

    den Artikel wirklich gelesen?
    Mein Güte. Es ist fast unerträglich, wie unfassbar pauschalisierend, verallgemeinernd, vor allem aber empirisch nicht fundiert hier Meinungen geäußert werden. Ja, "der Islam" ist genauso differenziert betrachtet, wie "der Westen" "das Christentum" und all der Nonsens.
    Muslime sind Menschen mit Emotionen, individuellen Geschichten, Gedanken, Perspektiven und Zielen und genau hier setzen soziologische Studien ein. Man sollte einfach mal nachfragen. "Was denkt ihr, was glaubt ihr, was fühlt ihr" und wenn man die ersten Kommentare liest, so würde es mich nicht wundern, wenn die meisten Wut empfinden, aber dann würden Sie sich wahrscheinlich auch noch fragen "Warum?" und sich in Ihren Vorurteilen bestätigt sehen.

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