MartensteinÜber Altherrenwitze und Frauenhumor

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Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen

Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen  |  © Nicole Sturz

Ganz Deutschland geißelt seit Tagen den Altherrenhumor. Ich kapiere das nicht. Loriot, Dieter Hildebrandt, Gerhard Polt – was genau ist an Altherrenhumor denn so schrecklich? Müsste man schmierige Witze nicht eher "schmierige Witze" nennen statt "Altherrenhumor"?

Ich habe in dieser Kolumne noch nie einen Witz aufgeschrieben. Aber als diese Debatte über den Altherrenhumor losging, dachte ich, man könnte doch mal, um den Unterschied klarzumachen, ein paar Beispiele von Altdamenhumor bringen. Ich bin deshalb auf die Homepage von Emma gegangen und habe nach Witzen gesucht. Es gibt da eine Rubrik "Die besten Männerwitze". Mich hat interessiert, an welcher Art von Humor die alten Emma-Leserinnen sich ergötzen, wenn sie, nur ein Beispiel, nachts um halb eins angeschickert an der Hotelbar stehen.

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"Was macht frau, wenn ein Mann im Zickzack durch ihren Garten läuft? Weiterschießen."

"Was ist ein Mann im Knast? Artgerechte Haltung."

"Was ist der Unterschied zwischen einer Krawatte und einem Kuhschwanz? Der Kuhschwanz bedeckt das ganze Arschloch."

Da kommt mir der Humor von Rainer Brüderle ja vergleichsweise niveauvoll vor. Als ich dann den Tatort anschaltete, sagte eine taffe Staatsanwältin über einen Polizisten: "Ich trete ihm in die Eier." Na ja, sie ist halt mächtiger als er. Eine starke Frau. Laut Süddeutscher Zeitung werden in Großbritannien inzwischen 40 Prozent der häuslichen Gewalttaten von Frauen begangen, in Berlin sind es 25 Prozent, laut Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2011. Wenigstens bei den Gewaltverbrechen scheint die Einführung einer Frauenquote nicht erforderlich zu sein. Das regelt sich von alleine.

Es gibt bei Emma auch eine Sexexpertin, Alexandra Eul, 31, Single. Sie hat eine Kolumne darüber geschrieben, wie man "feministisch flirtet". Das Geheimnis des feministischen Flirtens scheint zu sein, dass man sich nicht auf einen Mann festlegt, sondern abschleppt, was man kriegen kann: "Die meisten Frauen spielen Roulette, sie setzen alles auf die rote Neun mit der Wuschelfrisur." Wenn dieser Typ dann nicht anbeißt, sind sie enttäuscht. Frauen sollten ihren Einsatz auf viele Männer verteilen und nach einer Abfuhr denken: "Das ist ein Idiot", und sofort den nächsten anbaggern. So viel anders hätte das Rolf Eden aber auch nicht ausgedrückt.

Sexismus ist, wenn ich die Zeitung lese, immer nur etwas, was Männer den Frauen antun. Nie umgekehrt. Prostitution? Ich habe eine ellenlange Talkshow über dieses Thema gesehen, in der mit keinem einzigen Wort erwähnt wurde, dass immer mehr Frauen sich für Geld Sex kaufen. Weil sie es sich leisten können. Sie sind keine besseren Menschen, ein bisschen anders, aber nicht besser. Als die Kapitalisten enteignet wurden und die Kommunistische Partei den Laden übernommen hat, ist das Paradies nicht gekommen. Als man im Iran den Schah verjagt hat und einen Gottesstaat errichtete, ist das Paradies nicht gekommen. Und wenn der weiße Mann demnächst abgetreten ist und Frauen regieren, wird das Paradies ebenfalls auf sich warten lassen. Es wird ungerechte Chefinnen geben, Gewalt, Sexismus, Ausbeutung, die ganze Palette. Woher ich das weiß? Ich weiß es nicht, ich schließe es nur aus dem bisherigen Verlauf der Menschheitsgeschichte und aus der Lektüre der besten Männerwitze in Emma.

Geht noch einer? "Was macht eine Frau, wenn ihr Mann beim Kartoffelholen die Kellertreppe ’runterfällt und sich das Genick bricht? Nudeln."

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
    • rubadub
    • 08. Februar 2013 12:41 Uhr

    da warn ein paar gute dabei.

    • ascola
    • 08. Februar 2013 12:48 Uhr

    Ging es nicht um Herrenwitze, nicht um "Altherrenwitze"? die Journalistin hat wohl vorher eine Anspielung auf Brüderles Alter gemacht, und er ist auch tatsächlich nicht direkt in der gleichen Altersgruppe gewesen wie sie, aber die Debatte dreht sich gleichwohl nicht primär darum, dass ältere Herren gewisse Regeln einhalten sollten, während jüngere flirten dürfen. Was nicht heißt, dass man es viellicht auch noch angeschickert in einer Bar schaffen kann, grob zu erfassen, wie viele Jahrzehnte einen vom Gegenüber trennen mögen - egal jetzt mal in welche Richtung - und ob, wenn der Abstand sehr groß ist, dies dem geplanten Witz womöglich abträglich sein wird.
    Ich bin kein Markus Lanz-Fan, aber in einer seiner Sendungen vergangene Woche zum Thema hat er einen treffenden Vergleich gebracht (ich glaube, er hat gleich mehrere Abende dem Thema gewidmet, während die anderen Talker letzte Woche leider naturgemäß nur je einmal zum Zuge kamen): Er fragte einen jüngeren Gast, was der denn sagen würde, wenn er beruflich eine ältere Dame zu vorgerückter Stunde in einer öffentlichen Situation anspräche und die würde eine Bemerkung über gewisse Stellen machen und über Lederhosen usw.. Sexismus hin oder her - würde sich der junge Mann wohl ernst genommen fühlen, oder doch eher ziemlich entwürdigt und insgesamt peinlich berührt?
    Und dann noch zur Emma: ich könnte mir vorstellen, dass es ein Thema in der Redaktion ist, ob man die Witze nicht mal löscht.

    4 Leserempfehlungen
  1. der grund der konflikte liegt tiefer. frauen suchen meist den pappa und männer meist die mamma in ihren partnern. das fällt oft bei disputen auf, wenn der partner die gleiche stimmlage annimmt wie bei der eigenen mutter.
    es gibt natuerlich auch jene die als ganz selbstständig gelten und alles selber können. vielleicht haben sie aber auch nur alles abgeschnitten. wie auch immer, man kann erstmal mit sich selber arbeiten, bevor man das andere geschlecht 'belästigt'

    3 Leserempfehlungen
  2. Immer diese Geschlechter-Debatte... wer ist das bessere Opfer?
    Ich halte die Opfer-Konkurrenz zwischen Geschlechtern für niveaulos und dumm.

    Herr Martenstein und Befürworter_innen:

    Hat sich die Debatte vom Ursprung peinlicher und anzüglicher Bemerkungen eines Politikers LÄÄÄÄÄNGST hin zu einer allgemeinen alltäglichen Sexismus-Debatte entwickelt?
    Ich denke, ja (siehe u.A. #aufschrei): Über den Punkt Brüderle sind wir hinaus.

    Zum Zweiten:
    Hat je einer behauptet, Frauen wären in der Hinsicht Engel? Nein, habe ich zumindest nirgends lesen können.

    Dass sich jetzt aber viele melden und sich beschweren und laut sagen, was Ihnen aufstößt, kann ihnen niemand verdenken.

    Es würde auch niemand etwas dagegen sagen, wenn Männer ihren schlechten Erfahrungen mit Sexismus Luft und sie publik machen wollen.

    Dann sollen sie doch bitte bei z.B. #aufschrei MITMACHEN! Es verbietet ihnen niemand, also sollten sie auch nicht so tun, als würde es ihnen verboten, sich ebenfalls zu empören.

    Das finde ich ziemlich bigott und hetzerisch an der Sache: Anstatt Opfern von sexueller Gewalt und Sexismus beizustehen (egal welchen Geschlechts), wird immer wieder HIER-ICH-ABER-AUCH! geschrien und als Vorwurf gemeint.
    Den Anklägern und Anklägerinnen von Sexismus geht es doch nicht darum, immer den Finger auf "die Männer" zu zeigen. Nein, sie zeigen mit dem Finger auf Menschen, die sich fehl verhalten haben. Dass es in den Fällen meistens Männer waren, dafür können die Opfer nichts.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ChriBu
    • 09. Februar 2013 17:08 Uhr

    *... Das finde ich ziemlich bigott und hetzerisch an der Sache: Anstatt Opfern von sexueller Gewalt und Sexismus beizustehen (egal welchen Geschlechts), wird immer wieder HIER-ICH-ABER-AUCH! geschrien und als Vorwurf gemeint. ...*

    Mir spreizt sich gerade das Hirn ...

    Wie machen sich denn weibliche Opfer von sexueller Gewalt und Sexismus in dieser Debatte bemerkbar, wenn nicht über "HIER-ICH-ABER-AUCH"? Und dass auch die männlichen Opfer und Betroffenen ein gleichberechtigtes Anrecht auf Beistand (und Gehör) haben, interessiert Sie offenbar gar nicht - wenn Sie von denen verlangen, dass sie doch gefälligst den Mund über ihre eigene Betroffenheit zu halten haben und den anderen (wichtigeren !) Opfern beistehen sollen.

    Diese Art der Pseudologik ist die gleiche wie bei der Diskussion um die Gewaltbetroffenheit von Männern. Wenn auf die Feststellung, "dass die Mehrheit aller Gewaltopfer männlichen Geschlechts sind", geantwortet wird, "dass die Mehrheit der Täter aber auch Männer seien" - dann wird eine Korrelation konstruiert, die vollkommen unlogisch ist! Das gleiche Geschlecht macht Opfer und Täter nicht zu gemeinsamen Tätern. Und das unterschiedliche Geschlecht nicht zu echten und unechten Opfern! Wenn Männer HIER-ICH-ABER-AUCH "schreien", dann müssen sie keinen anderen Opfern beistehen, denn sie sind selbst welche!

    Das kann doch wohl so schwer nicht zu verstehen sein! Oder wird diese Schmutzrethorik etwa absichtlich verwendet? Dann wäre es ja Männer-Diskriminierung!

  3. Einen tollen Humor habt ihr Feministinnen von der EMMA ja.
    Wie dumm nur für euch, dass da einer mal mitgehört hat.

    Nur verstehe ich eure Aufregung gegen den Autor nicht so ganz. Martinstein hat in seiner charmanten Art nur davon geredet, dass "angeschickte" alte Damen über sowas lachen können.

    Ganz ehrlich, mich erinnert diese Form des Humors eher an den Humor der Typen mit Parteiabzeichen aus dieser ganz speziellen Zeit der deutschen Geschichte.

    Brrrrrrrrrrrrr, euer Humor ist schon irgendwie gruselig!

    2 Leserempfehlungen
  4. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen, wenn Sie männliche Kriegsopfer mit weiblichen Opfern sexualisierter Gewalt gleichsetzen.

    Das eine ist genauso schlimm wie das andere.

    Damit eine Diskussion über Mißstände nicht irrtümlicherweise nur von einem Geschlecht geführt wird, müssen sich allerdings die männlichen Opfer daran beteiligen.
    Ich fordere daher alle Männer auf, sich zu wehren und sich (zumindest erstmal verbal oder öffentlich) aus ihrer Situation und Opferrolle zu befreien. Bitte, legt los, damit ihr sichtbar werdet.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Männer"
    • Derdriu
    • 08. Februar 2013 13:22 Uhr

    Gerade im Krieg sterben ja wohl auch Frauen, oder? Dazu in den meisten Fällen noch wehrlos und völlig unbewaffnet als Zivilistinnen, die in vielen Fällen nicht einmal wählen durften und damit einem Krieg zustimmen konnten.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Männer"
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    • ChriBu
    • 09. Februar 2013 16:24 Uhr

    *... Gerade im Krieg sterben ja wohl auch Frauen, oder? ...~

    98% der Toten des zweiten Weltkriegs waren Männer! Auch aktuelle Zahlen sind ähnlich hoch! Und diese Männer starben mit Sicherheit nicht freiwillig!

    *... Dazu in den meisten Fällen noch wehrlos und völlig unbewaffnet als Zivilistinnen ...*

    Sie mißbrauchen den Begriff "Zivilisten", wenn Sie ihn über den Kontext "wehrlos und völlig unbewaffnet" mit "nicht verantwortlich" gleichsetzen! Zudem wurden Zivilisten (zu denen ja auch Kinder, Alte und alle männlichen Nicht-Soldaten gehörten) durch die *bösen* männlichen Soldaten geschützt. So "wehrlos und völlig unbewaffnet" waren die also gar nicht. Die Schutzaufgabe wurden nur an andere (Männer) delegiert, die als "Barriere" zwischen sich und den Feind gestellt (also mißbraucht) wurden. Zudem haben Sie offensichtlich "vergessen", dass gerade die deutsche Armee immer schon aus männlichen Wehrpflichtigen bestanden hat, die dem Kriegsdienst unter Androhung einer Gefängnisstrafe (und später der Todesstrafe) nachkommen MUSSTEN! Auch diese Männer sind keine geborenen Söldner, sondern zwangsverpflichtete Zivilisten!

    *... die in vielen Fällen nicht einmal wählen durften und damit einem Krieg zustimmen konnten ....*

    Wie bitte? Selbstverständlich haben auch Frauen die NSDAP gewählt - und damit den Krieg! Befassen Sie sich besser mal mit - nicht feministisch geklitterter - Geschichte. Und hören Sie endlich auf, Frauen als unschuldige Opfer konstruieren zu wollen!

  5. >> Sexismus ist, wenn ich die Zeitung lese, immer nur etwas, was Männer den Frauen antun. <<

    ... gern noch auf den Sexismus von Frauen gegen Frauen hinweisen.

    Ich zum Beispiel habe Sowas-von-keinen-Bock, ständig zur Solidarität mit irgendeinem Quatsch aufgefordert zu werden, nur weil es Frauen waren, die diesen Quatsch verzapft haben und ich auch eine bin.

    3 Leserempfehlungen

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