Rundfunk: "YouTube ist ein Konkurrent"
Tobias Schmid, der neue Cheflobbyist des Privatfernsehens, über Wettbewerber aus dem Internet, Schleichwerbung im ZDF und Rundfunkgebühren.
Tobias Schmid, 42, ist Medienpolitikchef des Senders RTL und steht seit November an der Spitze des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien. Als Cheflobbyist des europaweit größten Verbands privater Sender soll er deren Fortbestehen sichern in einer Zeit, in der Fernsehen und Internet miteinander verschmelzen.
DIE ZEIT: Sie dürfen sich nicht mehr "Präsident" nennen wie Ihr Vorgänger, sondern nur noch "Vorsitzender". Tragen Sie mit dieser neuen Demut dem Bedeutungsverlust Rechnung, der den privaten Fernsehsendern bevorsteht – in einer Welt, in der Google und Apple auf den Markt drängen?
Tobias Schmid: Nein, unsere Welt geht nicht unter. Zwar wird in zehn Jahren vermutlich nicht mehr nach Mediengattungen unterschieden: Fernsehen, Online, Hörfunk und Print gehen ineinander auf. Aber unsere Unternehmen müssen dadurch nicht verlieren. Professionell produzierte Inhalte bleiben gefragt – und es sind die Verlage und Sender, die sie liefern.
ZEIT: Für die privaten Sender ist da aber immer weniger Platz. Sie werden eingezwängt vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf der einen und von den Internetkonzernen auf der anderen Seite.
Schmid: Die Fernsehnutzung insgesamt liegt ungebrochen hoch – bei deutlich über 220 Minuten täglich. Die Erlöse sind stabil. Das Schiff liegt ruhig im Wasser, was die ökonomische Situation angeht.
ZEIT: Noch. Das Medienhaus Bertelsmann wird wohl zwei Milliarden Euro aus der TV-Gruppe RTL abziehen, angeblich, um stärker ins Digitale investieren zu können.
Schmid: Die Grundidee von Fernsehen bleibt, mit bewegten Bildern möglichst viele Menschen zu erreichen – auf welchem Weg, ist erst mal egal. Umgekehrt braucht Google Inhalte.
ZEIT: Wie bitte, ausgerechnet Sie reichen dem Internetkonzern Google die Hand, der die Videoplattform YouTube betreibt? Wird diese nicht vielmehr zu einem echten Konkurrenten?
Schmid: Da tritt ein weiterer Spieler auf den Medienmarkt, so ist das eben im Wettbewerb. Natürlich ist YouTube ein ernst zu nehmender Konkurrent. Die Frage ist, ob als Sender oder eben als Plattform unzähliger weiterer Nischenangebote. Bisher sieht es eher nach Letzterem aus.
ZEIT: Unter 30-Jährige verbringen viel Zeit mit YouTube-Clips – und könnten dem Fernsehen verloren gehen. Auch weil das, was im Internet zu sehen ist, professioneller wird: YouTube hat kürzlich zwölf eigene Kanäle gestartet, Unterhaltung, Sport, Autos und so weiter.
Schmid: Ich kenne keine Kanäle, die ein Riesenerfolg wären. Ihre Lebensdauer war bisher recht übersichtlich. 20-Jährige haben auch früher schon weniger ferngesehen als 50-Jährige und dafür eher mal Fußball gespielt.
ZEIT: Die interessante Frage ist doch, ob es zu einer generellen Verschiebung kommt.
Schmid: Im Moment ist das nicht der Fall, was sich noch ändern kann, klar. Für uns ist ein Massenpublikum wichtig, weil aufwendige Filme, Serien oder Shows nur so bezahlbar sind. Und das müssen Sender künftig dadurch erreichen, dass sie ihre Inhalte jederzeit und überall verfügbar machen.




Ich (Mitte 30) habe das Fernsehen, bis auf wenige Ausnahmen schon seit 7 Jahren abgeschafft, und es geht immer mehr Freunden so. Wir wollen diese Volksverdummung einfach nicht länger hinnehmen. Mir ist mittlerweile unbegreiflich, wenn ich bei Bekannten einen Blick auf das Programm erhasche, wie man sich das freiwillig antun kann?! Hartz 4 ist das Brot und das sollen die Spiele sein?!
Nicht Youtube ist ein Konkurrent, sondern das Internet ist dabei Fernsehen überflüssig zu machen. Das verstehen die Damen und Herren aber noch nicht, dass sie dabei sind überholt werden.
Viele meiner Freunde und Familie schauen gar kein Fernsehen mehr. Auch ich habe seit ca. 3 Jahren meinen Receiver ausgesteckt und nur noch einen Mediaplayer am Fernseher hängen für Filme, Dokumentationen und Serien.
Wenn ich mir dann aber die dreiste Umsetzung der neuen GEZ Gebühren anschaue, scheinen da doch ein paar Leute kapiert zu haben, dass es zu ende geht, und man dann eben schnell noch was forcieren muss.
Herr Schmid scheint relativ wenig Zeit auf Youtube verbracht zu haben, wenn er keine Kanäle kennt, die ein Riesenerfolg wären. Kanäle mit mehr als einer Million Abonnenten und zum Teil mit mehreren hundert Millionen Klicks auf alle ihre Videos sind nun auch in Deutschland angekommen und keine Seltenheit mehr. Viele Kanäle produzieren inzwischen qualitativ hochwertige Videos, sowohl technisch als auch inhaltlich.
Er unterschätzt Youtube (und das Internet im Allgemeinen ohnehin), wenn er meint, es gäbe vor allem Nischenprodukte. Das mag vor einiger Zeit gestimmt haben, aber die Nischen sind inzwischen sehr groß geworden (man betrachte allein die Let's Play-Szene und den erfolgreichsten LPer, Gronkh, mit mehr als einer Million Abonnenten). Und vor allem in Sachen Comedy ist Youtube groß!
Und besonders RTL (die, was das Internet angeht, ohnehin mehrfach einen Bock geschossen haben, v.a. bzgl. Gamer) mit ihrem... Angebot braucht sich sicher nicht über Fernsehmüdigkeit wundern.
Ich denke auch, dass das so genannte Free-TV ein Auslaufmodell ist.
Die privaten Sender haben vor 5-6 Jahren noch von der Grundverschlüsselung geträumt (wie Online-Medien vom Bezahl-Content), aber mittlerweile anscheinend resigniert, weil sie erkannt haben, dass man alte Brötchen zwar verschenken, nicht aber - egal zu welchem Preis - auch verkaufen kann.
Billigste Doku-Soap-Produktionen, alte Serien in Dauerschleife, die ab und an mal Shopping-Formate unterbrechen ... damit will man also gegen Filme, Musik & Serien "on demand" anstinken, die via Internetzugang jederzeit individuell verfügbar sind? Lächerlich!
Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis die Werbekunden kritisch hinterfragen, was ihnen die teuren Schaltungen von Spots, die in den ellenlangen Breaks eh keiner mehr auseinanderhalten kann, eigentlich bringt.
So wie sie sich mittlerweile kritisch mit dem Nutzen von Print-Anzeigen in den anderen Dinosauriermedien auseinandersetzen.
Und auch hier gilt: Die TV-Macher haben wesentlich dazu beigetragen, dass das eigene Medium "unansehnlich"geworden ist.
Beliebige Inhalte, deren Erfolg (Quote) dadurch bemessen wird, dass statistisch möglichst wenig Zuschauer gerade so wenig abgenervt sind, dass sie nicht abschalten.
Hintergrundrauschen, bei dem das Gemurmel der Werbebotschaften wie chinesische Tröpfchenfolter angelegt ist. Das klappt allerdings nur, so lange es keine Alternativen gibt (gab) und alle Beteiligten kollektiv an die Wirkungen glauben.
vor Allem bei den Privaten, dann liegt es auch daran, dass sie anspruchsvoller und intelligenter sind, als viele es wahrhaben wollen. Kleines Beispiel? Heute der Sendeplan von RTL an einem SAMSTAG (!):
GZSZ - Wochenrückblick
Betrugsfälle (Doppelfolge)
Mitten im Leben
Verdachtsfälle
Familien im Brennpunkt
Die Trovatos - Detektive decken auf
Die Schulermittler - Doppelfolge
RTL Aktuell
Explosiv Weekend
DSDS
Paul Panzer
Kayar live
und schon hat man einen Samstag rumgebracht und mindestens 8 Gründe RTL nicht zu schauen. Warum nicht mal etwas anspruchsvolles? Etwas mit Tiefgang und Unterhaltung?
Egal bei welchem privaten Sender man hängen bleibt, es ist nicht nur langweilig (weil die 1000e Wiederholung), sondern eben auch komplett anspruchslos, mit miesen "Schausspielern". Sollte der ein oder andere Sender vor die Hunde gehen, dann tagen sie alleine die Schuld dafür und unter Garantie nicht youtube etc.
Das Problem der Sender ist die unfassbar geringe Risikobereitschaft sich neu zu erfinden und darum braucht man sich nicht wundern, wenn vor allem die RTL Sendegruppe als "Trash" verschrieen ist. Richtig spannend ist vor Allem aber die Vernetzung von Bild, RTL und diversen Mailanbietern, wie z.B. gmx. An Oberflächlichkeit einfach nicht zu überbieten und es funktioniert nach dem Prinzip
RTL "Nach Angaben von Bild" Bild "Wie wir von RTL erfahren haben" GMX "Nach übereinstimmenden Medieninformationen von RTL und Bild" = Dann muss es ja wahr sein :(
Ich wünsche mir Bugs Bunny zurück
..die GEZ Abzocke bleibt!
... für anspruchsvolle Inhalte. Lustigerweise schaue ich seit ca. 6 Jahren kein Privatfernsehen mehr. Ich will hier nicht nach dem Motto "früher war alles besser und aus Holz" argumentieren, aber was Prekär... ähh Privatfernsehen heute so bietet, da klappen einem ja die Fußnägel hoch. Kindern darf man das meiner Meinung nach nicht mehr antun, das ist Verdummung par excellence.
Stattdessen bekommen die Fratzen Serien von ABC, CBO und Co. zu sehen oder "müssen" sich Spielfilme und Dokus anschauen. Arte, 3Sat und die ersten Programme haben wenigstens teilweise anspruchvolles Programm. Daher gehöre ich zu den wenigen Menschen, die die GEZ-Abzocke gerne zahlen.
Dennoch bin ich fest überzeugt, dass die Privaten mit ihren Schundinhalten sich halten werden. Es gibt Millionen, die Dschungelcamp schauen, Millionen, die pervers schlecht gemachte Pseudodokumentationen schauen, sogar Millionen, denen man am Abend nur 1-2 Autos sprengen muss, damit sie sich unterhalten fühlen. RTL macht das schon richtig, immer die niederen Instinkte ansprechen, Scham, Neid, Schadensfreude, Doppelmoral, usw. - da werden auch in Zukunft Millionen verdient. Und nebenbei ganze Bevölkerungsteile verblödet, die dann schön die Klappe halten, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht.
RTL, das Colosseum des 21ten Jahrhunderts.
denn da gibt es vieles, was gut präsentiert und für Schüler besser verwendbar ist als ein überlanger Wikipedia-Artikel auf Hochschulniveau.
Die Beispiele aus meinem Bekanntenkreis: Wenn ein 14-jähriger Gymnasiast französische Konjugationsmuster braucht, sucht und findet er die bei YouTube. Wenn es um schultaugliche Experimente für den Chemieunterricht geht, ist YouTube auch eine gute Quelle. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten sind trotz vorgeblichem Bildungsauftrag durch "wettbewerbsregulierende" Vorschriften daran gehindert, schultaugliche Videos bereitzustellen.
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