Plagiate: Guttenbergs vorerst letztes Opfer
Die Entscheidung gegen Annette Schavan wird noch Folgen haben.
Es gehörte zum oft vorgetragenen Mantra der Universität Düsseldorf, dass man die Vorwürfe gegen Annette Schavan nicht anders behandeln wolle als jeden anderen Plagiatsverdacht. Auch die Bundesbildungsministerin selbst betonte stets, sie wolle keine Sonderrolle. Natürlich stimmte weder das eine noch das andere. Der Fall Annette Schavan ist eine Zäsur in der deutschen Hochschulgeschichte. Und seine Folgen dürften den Beteiligten erst allmählich ins Bewusstsein dringen.
Zunächst: Nimmt man das Urteil der Uni Düsseldorf zum Maßstab, wird noch eine Flut solcher Fälle auf die Hochschulen zurollen. Denn die Verfehlungen in Schavans 33 Jahre alter Doktorarbeit sind alles andere als singulär. Derartige Zitierfehler dürften sich in unzähligen Promotionen aus jener Zeit finden. Werden diese jetzt alle überprüft, sind die Unis auf Jahre hinaus beschäftigt.
Man kann Annette Schavan damit als direktes Opfer von Karl-Theodor zu Guttenberg bezeichnen. Dessen schamloses Plagiat hatte zu einem Schock an deutschen Hochschulen geführt. Deshalb urteilt mancher Promotionsausschuss heute im Zweifelsfall lieber zu streng als zu lax.
So hätte die Uni Düsseldorf – ähnlich wie die Uni Potsdam im Fall Althusmann – die Schludrigkeiten in Schavans Doktorarbeit bemängeln und ihr dennoch den Titel lassen können. Angesichts der lange zurückliegenden Promotion, der Mängel des Untersuchungsverfahrens und der sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf die Arbeit wäre das vertretbar gewesen. Doch die Uni fühlte sich offenbar in die Ecke gedrängt und reagierte mit einer fast trotzigen Entscheidung.
Dazu hat auch die Gegenseite beigetragen. Sie wolle "kämpfen", hatte Annette Schavan ein ums andere Mal beteuert. Was das bedeutete, ahnte man, als immer mehr Unterstützer für sie auf den Plan traten – Professoren, ehemalige Forschungsfunktionäre, schließlich gar die Allianz der großen Wissenschaftsorganisationen. Damit bekam Annette Schavan am Ende genau das, was sie angeblich nie wollte: eine Sonderrolle.
Nun müssen die Scherben zusammengefegt werden. Die Wissenschaftsorganisationen müssen erklären, dass sie sich nicht von der Politik instrumentalisieren lassen und wie sie die Gleichbehandlung plagiatsverdächtiger Promotionen sicherstellen wollen. Die Uni Düsseldorf muss sich fragen lassen, warum ihr Verfahren so aus dem Ruder lief. Und Annette Schavan muss darüber nachdenken, wie sie ihre Klage gegen den Entzug des Doktortitels begründen will. Denn auch Margarita Mathiopoulos, Jorgo Chatzimarkakis und Silvana Koch-Mehrin haben geklagt – und sind vor Gericht alle gescheitert.







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