PlagiatsaffäreNichts dazu gelernt
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 Die Universitäten interessieren sich für alles, nur nicht für sich selbst

Vermutlich wissen die Kieler Biologieprofessoren nicht einmal, dass gute Abschlüsse bei ihnen leichter zu haben sind als in München. Die Universitäten wissen ja auch nicht, wie viele Promovenden es in ihren Reihen überhaupt gibt. »Informationen über die Anzahl und Dauer der laufenden Promotionen (werden) bisher noch selten systematisch gesammelt«, stellte der Wissenschaftsrat gerade fest. Das ist so, als würde ein Gymnasium zwar wissen, wie viele Abiturzeugnisse es vergibt, aber nicht, wie viele Schüler es hat.

In den USA erscheint jedes Jahr ein dickes Datenwerk: der berühmte Almanach der Zeitschrift Chronicle of Higher Education. Bis hin zur letzten Provinz-Uni öffnen sich die Hochschulen hier der Öffentlichkeit. Man kann unter anderem nachlesen, dass ein Professor der University of Virginia im Schnitt 141.600 Dollar verdient. Oder dass an den Universitäten in Texas 44,9 Prozent der Studenten einer ethnischen Minderheit angehören.

Eine solche Publikation wäre hierzulande undenkbar. Natürlich sammeln auch deutsche Hochschulen unzählige Kennziffern und Leistungsparameter. Diese sind jedoch meist nur unvollständig dokumentiert und wenig exakt und lassen sich nur schwer untereinander vergleichen. Will zum Beispiel ein Universitätspräsident in Deutschland erfahren, wie viele Bücher die Professoren seiner Hochschule in einem Jahr veröffentlicht haben, wird er in der Regel keine verlässliche Antwort erhalten. Denn die Buchveröffentlichungen werden an den meisten Hochschulen nicht planmäßig erfasst. Dabei ist die Publikationsstärke ein wichtiger Posten in jeder Leistungsbilanz.

Gern klagen Professoren über grassierende »Evaluitis«, permanente Begutachtung und Befragung. Viel wäre gewonnen, so entnimmt man den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zum sogenannten Kerndatensatz, wenn die Hochschulen ihre Hausaufgaben machten und sich ein professionelles Controlling zulegen würden.

Hochschulforschung gibt es in Deutschland kaum

Aber wollen die deutschen Universitäten überhaupt etwas über sich selbst wissen? Gemessen am Zustand der Hochschulforschung, also der Forschung über Universitäten und Wissenschaft, muss man daran zweifeln. Während sich mehr als 800 deutsche Professoren mit der Institution Schule beschäftigen, sind es vielleicht zehn Professoren, welche die Hochschule zu ihrem Forschungsschwerpunkt zählen. Die kleinen Niederlande versammeln deutlich mehr Expertise – von anderen Wissenschaftsnationen wie Großbritannien oder den USA ganz zu schweigen. Es ist bezeichnend, dass Deutschlands Unis allenfalls auf dem Feld der Universitätsgeschichte international Vorzeigbares leisten.

Institute, die sich ausdrücklich der Hochschulforschung verschrieben haben, gibt es nur zwei hierzulande. Sie verfügen – neben einer Anzahl wissenschaftlicher Mitarbeiter – über je einen Lehrstuhl und sind in Kassel und Halle-Wittenberg angesiedelt. Von den elf Exzellenzhochschulen kann nur die Berliner Humboldt-Universität eine Professur zur Hochschulforschung vorweisen.

Diese Leerstelle im Wissenschaftssystem sorgt dafür, dass – zum Ärger vieler Professoren – ausgerechnet ein privat finanziertes Institut aus Gütersloh die Debatte über die Reform von Forschung und Lehre in Deutschland prägt: das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) der Bertelsmann Stiftung. Das wenige, was es darüber hinaus an universitärer Kompetenz gibt, ist akut gefährdet. Die Zukunft des Hochschulinformationssystems in Hannover ist ungewiss. Gerade hat der Wissenschaftsrat dieser Datensammelstelle zu allen Fragen des Studiums ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die Stelle von Peter Weingart in Bielefeld, dem einzigen deutschen Wissenschaftssoziologen mit internationaler Ausstrahlung, wird nicht neu besetzt. Der letzte Sonderforschungsbereich, der die Wissenschaft selbst zum Thema hatte, stammt aus den siebziger Jahren.

»Die Universitäten interessieren sich für alles, nur nicht besonders für sich selbst«, sagt Wilfried Müller, ehemaliger Rektor der Universität Bremen. Dass ausgerechnet Müller, der vom CHE zum »Hochschulmanager des Jahres 2012« gekürt wurde, zu diesem Urteil kommt, muss überraschen. Gerade seine Hochschule hat sich in den vergangenen 30 Jahren eindrucksvoll gewandelt, ihr Image als »Laber-Uni« abgestreift und sich zu einer international anerkannten Forschungsstätte mit Exzellenzstatus gemausert – all das dank intensiver Selbstbefragung und langfristiger Planung, insbesondere der Hochschulspitze. Andere Universitäten haben sich ebenso erneuert, auch dank der Exzellenzinitiative.

Der Fall Schavan
  • 1980 promoviert Annette Schavan an der Universität Düsseldorf. Titel der Arbeit: »Person und Gewissen«.
  • Am 29. April 2012 wird ihr anonym im Netz vorgeworfen, die Arbeit sei ein Plagiat. Am 2. Mai wird der zuständige Promotionsausschuss aktiv.
  • Im Oktober 2012 zitiert der Spiegel aus einem vertraulichen Bericht des Ausschussvorsitzenden. Der vermutet eine »leitende Täuschungsabsicht«.
  • Am 22. Januar 2013 eröffnet der Fakultätsrat das Hauptverfahren zur möglichen Aberkennung des Titels.
  • Am 5. Februar entzieht der Fakultätsrat Annette Schavan den Titel.

Doch nachhaltig verändert hat der Wettbewerb nur eine kleine Zahl der Hochschulen. Und selbst der energischste Uni-Präsident hat nur begrenzte Macht. Er ist ein Herrscher ohne Land. Die eigentlichen Beschlüsse treffen – wie in Düsseldorf – noch immer die Fakultäten. Sie bestimmen über die Neubesetzung von Professuren, entscheiden über Notenvergabe und Qualitätsstandards der Promotionen, sie leiten Plagiatsverfahren ein.

»Im Prinzip wird jede Initiative von oben erst einmal als Angriff gesehen«, weiß Wilfried Müller. Selbst Informationsanfragen zu Forschung und Lehre an der Basis gälten als Eingriff in die wissenschaftliche Intimsphäre, so der Ex-Rektor: »Das ist so, als wollten Sie etwas über das Sexualleben der Professoren wissen.« Wenn sich ein Präsident gar wünscht, an seiner Universität eine Professur für Hochschulforschung einzurichten, muss er das Geld dafür über Drittmittel von außen selbst besorgen. Denn der Etat einer Universität ist bis zu 98 Prozent festgelegt. Und kaum eine Fakultät wird freiwillig einen ihrer Lehrstühle für ein vermeintliches Exotenthema hergeben.

Die Autonomie der Wissenschaft ist ein hohes Gut, Hochschulen, Fakultäten, Professoren klagen es immer wieder zu Recht ein. Zu dieser Idee gehört jedoch auch Verantwortung, vor allem für das eigene Tun. Für die Universität Düsseldorf ist der Fall Schavan vorerst abgeschlossen. Jetzt muss an den Universitäten das Nachdenken über sich selbst beginnen.

Hinweis: DIE ZEIT kooperiert mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Einmal im Jahr erscheint dessen Hochschulranking als Teil des ZEIT-Studienführers und auf ZEIT ONLINE.

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Leserkommentare
  1. Sicher darüber wie man aus dem 24 Stunden Tag noch mehr machen kann um ausreichend Zeit zum vollständigen Durchlesen entsprechender Arbeiten zu haben?

    Wer soll das leisten und welche Tätigkeiten bleiben dann auf der Strecke?

    Beste Grüße CM

    12 Leserempfehlungen
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    • tippex
    • 07. Februar 2013 11:19 Uhr

    Das sollen diejenigen leisten, welche dafür Geld bekommen.

    Unis sind doch kein Ponyhof und wenn Überbelastung ein Argument für schlampige Überprüfungen sind, dann kann man einen Doktortitel auch gleich verkaufen.
    (Wäre ja auch mal ein Ansatz um mehr Geld zu bekommen.)

    Wer im Hochschulsystem bis hin zur Professur überlebt hat und sich nun mit einer großen Zahl von Doktoranden umgibt, der hat auch die Pflicht, die zahlreichen Aufgaben mit Sorgfalt zu betreiben, insbesondere die Anleitung von Nachwuchswissenschaftlern und die Begutachtung von deren Elaboraten. Das Lamentieren über den 24h Tag zeigt doch nur, dass der Stelleninhaber der Aufgabe nicht gewachsen ist oder einfach zu viel auf einmal erreichen will. Vielleicht wird es Zeit, einmal darüber nachzudenken, etwas weniger zu machen, dies aber mit Sorgfalt, nicht nur mit Blick auf die Ranglisten und Drittmittelkonten?
    Deutsche Professoren zieren sich oft mit dem Titel Direktor, führen ihr Institut wie ein autokratisches Staatswesen und versichern sich ihres Überlebens durch einen möglichst großen Nitarbeiterstab. Wann werden endlich Department-Strukturen mit flachen Hierarchien an die Stelle dieser antiquierten Königreiche gesetzt, damit die Universitäten insgesamt wieder funktionsfähiger werden und ihre Hauptaufgaben auch wahrnehmen?

    Die Analyse, dass die Maßstäbe unterschiedlich sind, schön und gut. Die Konsequenz, ein Controlling einzuführen - purer Unsinn! Als ob man der guten Wissenschaftlichkeit durch mehr Bürokratie etwas Gutes tun würde! Als ob Kennziffern etws bringen würde! In den letzten Jahren gibt es diesen Trend an den Unis, aber nicht zum Guten. das fördert nur noch mehr Verwaltungsstellen, die zählen, vorschreiben und behindern - so bekommt man keine gute Wissenschaft!

  2. ...auch in ein Urteil des Verwaltungsgerichts ein, und man haut dem Fakultätsrat seine Entscheidung mit Verlaub mal wie mit einem nassen Lappen um die Ohren. Vielen Dank für die deutlichen Worte an den Kommentator der Zeit.

    11 Leserempfehlungen
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    • tapster
    • 07. Februar 2013 12:44 Uhr

    ... wer zum Fakultätsrat gehört und welcher Partei diese Mitglieder angehören oder zugeneigt sind?

    • topu78
    • 07. Februar 2013 14:24 Uhr

    Insofern Sie (und auch der Autor) Kritik am Hochschulwesen bzgl. des Promotionsverfahrens üben, sollten Sie auch berücksichtigen, dass Schavan Ihre Promotion in den 80er'n gemacht hat. Damals gab es weder Internet, noch irgendein Software-Tool, mit dem sich Plagiate haben auffinden lassen. Kurz gesagt: Bescheißen war früher bedeutend einfacher als heute.

    Es sollte doch auf der Hand liegen, dass ein Professor nicht in der Lage sein kann, tausende von Artikeln und Bücher auswändig zu können. Eine Diplomand wie ein Doktorand unterschreiben zudem eidesstattlich, dass die Arbeit ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Folglich sind vom Doktor auch alle Konsequenzen hinzunehmen, insofern wesentliche wissenschaftliche Regeln nicht eingehalten wurden (auch wenn es eine Ministerin ist).

    Also bevor Kritik geübt wird, bitte auch die Zeit der Promotion ohne Internet und Software berücksichtigen. Das sollte auch das entsprechende Gericht tun.

  3. Der Fall S. muss - gerade weil er als Grenzfall Grundatzfragen aufwirft - zur Diskussion folgender Fragen führen:

    - Was ist und wozu dient eine Promotion?
    - Welche Qualitätsforderungen müsen jenseits des bloß formal Korrekten erhoben werden?
    - Wer prüft die Prüfer?
    - Wie wird gut von schlecht ERKENNBAR geschieden?

    Es kann natürlich keine quantitative Beschränkung geben - wenn viele gute junge Menschen mit entsprechend guten Arbeiten promovieren wollen, ist das zu begrüßen.

    Aber es kann auch nicht sein, dass die bloße, möglichst hohe Zahl von Promotionen zum Pluspunkt für Betreuer, Institut und Uni wird.

    Brauchen wir eine Inflation von Titeln ohne Inhalt, oder brauchen wir eie Sicherung von Qualitätsstandards? Titelinflation bedeutet am Ende nur noch eine Diskrminierung derjenigen, die bloß deshalb keinen Titel bekommen, weil sie ihn sich nicht lesten können (wenn es nicht umschlägt und der Nicht-Titel irgendwann zum Qualitätsmerkmal wird), er kann aber auch eine Diskriminierung sehr guter Arbeizten bedeuten, wenn diese in der Masse untergehen und Aufmerksamkeit nicht mehr nur von Qualität abhängt, sondern auch von der richtigen Positionierung im Betrieb (Zugang zu Netzwerken, zu guten Verlagen, zu Preiskommissionen, zu Redekationen von Fachzeitschriften, die darüber entscheiden, welche der vielen Titel überhaupt rezensiert werden sollen, vielleicht sogar zur Presse).

    UND: Warum soll es nicht einen Pranger für schlechte Arbeiten (und ihre Betreuer) geben?

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    Eine gewiss sehr unpopuläre aber höchst effektive und aus meiner Sicht auch längst überfällige Lösung des Problems wäre, Promotionen generell nur noch auf den wissenschaftlichen Sektor zu beschränken.

    Hauptzweck eines Doktortitels ist natürlich, dass man sich bei Online-Portalen mit ihm anmelden kann.

    Und genau sowas macht die Promotion letztlich kaputt. Dass man ihn als gesellschaftliche Erhöhung nutzt, als Statussymbol, ihn vor sich her trägt in Bereichen, in denen er nichts zu suchen hat. Die Promotion ist eine wissenschaftliche Ausbildung. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist auch gut so. Niemand ist für eine Beschäftigung in der Politik oder Wirtschaft besser qualifiziert, weil er promoviert hat. Aber solange der Doktortitel offensichtlich missbraucht wird, um seinen Ausführung mehr Nachdruck zu verleihen, anders kann ich mir das Anmelden hier mit Dr. nicht erklären, lässt die Bedeutung der Promotion erst richtig erodieren. Glückwunsch.

    vor allem zum Thema - wer prüft die Prüfer.

    im wissenschaftlichen Arbeiten ist der Begriff "peer review" hinlänglich bekannt.

    Wirtschaftsprüfungsgesellschaften kennen peer reviews in Form externer Qualitätskontrollen spätestens seit Ende 2005.

    Warum diese nicht auch interuniversitär einführen?
    Ich kann mir vorstellen, dass sie heute nicht einmal intrauniversitär stattfinden, will hier aber nichts unterstellen.

    Dann erst würden Benotungen (nicht nur der Promotionen) wissenschaftlichen Kriterien wie Reliabilität, Validität und Objektivität standhalten.

    Und auch erst dann bräuchten Zu- und Aberkenntnisse von akad. Titeln nicht per Gericht geklärt werden.

  4. Bayreuth hat nach einer Woche den Titel entzogen? Ok, schnelle Reaktion, aber warum wird das GEGEN Düsseldorf ins Feld geführt. Das sieht doch eher nach mangelnder Sorgfalt und Vorverurteilung aus.
    Man hat den Eindruck dass Journalisten vor allem mit überraschenden Thesen verblüffen wollen, bzw. vermutlich müssen, um sich Markt zu behaupten.
    Jetzt aber aus dem Fall Schavan einen Fall "Universitäten" zu machen, oder "Uni Düsseldorf" ist doch recht weit hergeholt.
    Immer wieder Guttenberg heran zu ziehen bringt auch nichts weil das ein Fall für sich ist.

    Der Fall Schavan muss als solcher betrachtet und kommentiert werden ohne ihn im Nebel von Nebenkriegsschauplätzen verschwinden zu lassen. Da gibt es noch genug zu analysieren. Warum kommt die mittlerweile stattliche Liste von Dr.-Plagiatoren alle aus dem liberal-konservativen Lager? Wo man die Nase immer besonders hoch trägt und weihevoll von bürgerlichen Tugenden schwadroniert? Meine These: die größten Blender, Egoisten und Bigotte geben sich am staatstragendsten als angebliche Leistungsträger.

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    scheint mir die Annahme, dass Spiewak die Gelegenheit nutzt, sein Thema einer Sicherung von Qualitätsstandards und weitergehenden Hochschulentwicklung an den Plagiatsfall dranzuhängen, um in dessen Windschatten größere Öffentlichkeit für sein eigentliches Thema zu schaffen. Die Verquickung von Aufhänger und Ausführungen gerät dabei etwas mutwillig und durchsichtig konstruiert.
    Da für Schavan trotz Verwaltungsgerichtsverfahrens, das ja auch bloß auf etwaige Verfahrenfehler prüfen wird, jedoch keine Entscheidung darüber treffen wird, ob Schavan den Dr.-Grad behalten kann, der Drops - zumindest im Bezug auf ihren Rücktritt -> https://www.openpetition.... - bereits gelutscht ist, ist eine Auseinandersetzung über Evaluation, Hochschulplanung und Promotionsstandards dennoch gewinnbringend. Die Regelpromotion bei den Medizinern, Prestigepromotionen mit reinen Literaturarbeiten oder Auftragspromotionen als Zuarbeit für einige Professoren haben mit wissenschaftlicher Exzellenz zumeist nicht das Geringste zu tun. Daher gehört dergleichen auf den Prüfstand. Auch sollte man über eine Ausweitung der Hochschulforschung und insb. der Hochschuldidaktik zwecks Verbesserung der Lehre nachdenken. Die Fokussierung auf Zitationsindizes u. dgl. greift allerdings zu kurz. Wissenschaftliche Spitzenleistungen entstehen nicht nach dem Prinzip publish or perish.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie schreiben:

    "Meine These: die größten Blender, Egoisten und Bigotte geben sich am staatstragendsten als angebliche Leistungsträger."

    Ich möchte nach der Lektüre des Artikels hinzufügen: Nicht wenige von diesen Blendern, Egoisten und Bigotten gehören der journalistischen Zunft an. Und in Anlehnung an Ihren Vorkommentator möchte ich die Frage stellen: Warum gibt es keinen Pranger für schlechte Artikel? Der vorliegende nämlich ist an Bigotterie nicht zu überbieten:

    - einerseits wird einer stärkeren Zentralisierung der Entscheidungsgewalt in den Universitäten das Wort geredet (der arme machtfreie Unipräsident), andererseits wird die geringe Fachkompetenz der Entscheidungsgremien moniert
    - einerseits werden Lecks moniert, andererseits lässt der Autor die datenschutzbefreite US-Universitätslandschaft hochleben
    - einerseits wird bar jeder journalistischen Selbstreflexion verunglimpft und pauschalisiert, andererseits von anderen eben jene Selbstreflexion eingefordert
    - einerseits sollen Prominentenpromotionen von den Unis aus eigenem Antrieb und eigenen Mitteln (die ja, wie wir alle wissen, von Jahr zu Jahr mehr werden) überprüft werden, andererseits "ist die Publikationsstärke ein wichtiger Posten in jeder Leistungsbilanz".

    Das Zeichenlimit ist fast erreicht, ein paar Punkte noch:
    - Doktorarbeiten sind keine Abiturklausuren
    - es gibt Grauzonenbereiche bei Plagiaten
    - Fakultätsräte sind keine Expertenkommissionen und sollen es auch nicht sein

    • JapanGR
    • 07. Februar 2013 12:32 Uhr

    habe, habe ich auch ganau das gedacht: Wollen die jetzt aus dem Fall Schavan ein Fall Uni-D`dorf machen?

    Wirklich sehr sehr plump.

    Ich dürfte meiner Freundin (Master Studentin) diesen Artikel nicht zeigen, sie würde sich maßlos aufregen.

    Ich gebe mal zu bedenken WANN Frau Schawan ihren Abschluß gemacht hat. Wie kann man das mit der heutigen Unirealität gleichsetzen?

    Mittlerweile ist Alles komplett anders, neben dem kompletten Bildungssystem, den Abschlüssen und den Voraussetzungen hierfür auch die Technik. Seit ein paar Jahren kann man die Arbeiten sogar durch ein Computerprogramm prüfen bzw. mit bereits verwendeten Zitaten und Werken abgleichen lassen.

    Bei einem Herrn von und zu Guttenberg würde mich bestenfalls interessieren wie gründlich man dort geprüft hat, bzw. warum so schlampig.

    Bei Frau Schawan ist es Allerdings wirklich als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen, dass war eine komplett andere Zeit.

    • mrto
    • 07. Februar 2013 15:58 Uhr

    "Jetzt aber aus dem Fall Schavan einen Fall "Universitäten" zu machen, oder "Uni Düsseldorf" ist doch recht weit hergeholt."

    Nein, das ist völlig richtig so. Deshalb: danke für diesen Artikel!

    "Meine These: die größten Blender, Egoisten und Bigotte geben sich am staatstragendsten als angebliche Leistungsträger."

    Stammtischgeplauder. Mehr nicht.

    weil sie überhaupt nicht zitieren. Ganz zu schweigen von der Angabe vollständiger Quellen.

    "denkdreimal" fragt sich "Warum kommt die mittlerweile stattliche Liste von Dr-Plagiaten alle vom liberal-konservativen Lager?" Bevor man die Antwort in "den größten Blendern usw." sieht, könnte es nicht auch andere Gründe geben? Zum Beispiel: Alle bisherigen Fälle wurden von anonymen Personen im Internet aufgedeckt. Könnten die nicht auch ein einseitiges Interesse haben, nur in dem von Ihnen genannten liberal-konservativen Lager die Bösen zu finden? Möglicherweise gibt es in den anderen politischen Parteien wirklich weniger Dr. Die "Blender" sind übrigens nicht nur in einem Lager zu finden.

    • adicon
    • 07. Februar 2013 10:58 Uhr

    es geht im Wesentlichen um die Doktorarbeit von A. Schavan. Ihr Verhalten - und das ihrer politischen Mistreiter - stehen im Fokus. Der Fakultätsrat hat stringent gehandelt. von 15 stimmberechtigten Mitglieder , votierten 12 für die Abkerkennung .

    A. Schavans Worte geben eine Wegweisung, Sueddeutsche.de, 01. 03. 2011:
    "" Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich. Und das wird Karl-Theodor zu Guttenberg nicht anders gehen. ....
    Das gilt. Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Der Schutz des geistigen Eigentums ist ein hohes Gut. ....
    Das Wissenschaftssystem in Deutschland ist auch deshalb so anerkannt, weil wir seitens der Politik die Souveränität und Selbstkontrolle der Wissenschaft achten. Das ist auch jetzt so. Das deutsche Wissenschaftssystem ist so effizient wie kein zweites auf der Welt. Der Wohlstand in unserem Land hängt eng mit wissenschaftlichem Fortschritt zusammen. Deshalb muss Vertrauen, das verloren gegangen ist, wiederhergestellt werden. ""
    http://www.sueddeutsche.d...
    In der Akzeptanz der Niederlage kann der Unabhängigkeit der Wissenschaft entsprochen werden. Nur im Rücktritt finden die eigenen Worte von A. Schavan ihre Bestätigung. A. Schavan kann klagen, das ist ihr gutes Recht, aber nicht mehr ihre Glaubwürdigkeit herstellen.

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    • Jakoro
    • 07. Februar 2013 17:55 Uhr

    " A. Schavan kann klagen, das ist ihr gutes Recht, aber nicht mehr ihre Glaubwürdigkeit herstellen."

    Warum? Weil der Fakultätsrat die Gabe der Unfehlbarkeit besitzt?

  5. Ich weiß nicht, wie es in anderen Fächern ist, aber in Jura braucht man regelmäßig 9 Punkte im 1. Examen, um promovieren zu können. Diese Note erreichen etwa 15% eines jeden Jahrgangs - davon promoviert dann aber noch lange nicht jeder.

    Wenn ich höre, dass in Biologie 2/3 promovieren, liegt es doch auf der Hand, was da falsch läuft. Es dürften nur die jeweils Jahrgangsbesten zu einer Promotion zugelassen werden. Dies hätte den Effekt, dass die Professoren weitaus weniger Arbeiten betreuen müssten und es würde die Titelinflation gebremst werden. Gleichzeitig kann man dann am Dr. erkennen, dass derjenige tatsächlich über überdurchschnittliches Fachwissen verfügt.

    Dies sollte auch - und erst Recht - für Mediziner gelten.

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    • tsnud
    • 07. Februar 2013 11:20 Uhr

    Ich spreche hier als promovierender Biologe. In der Promotionsordnung meiner Universität wird ein Abschluss von mindestens Sehr gut vorausgesetzt.

    Wenn man sich darüber beschwert, das im Vergleich zu anderen Fächern, Verhältnissmässig viele Biologen/innen promovieren sollte man einen Blick auf das System werfen. Im Vergleich zu anderen Fächern (Medizin oder ähnliches) ist die Finanzlage eher bescheiden. Die Ausbeutung der Promovierenden hat also System. Warum einen fertigen, gestandenen Dr. rer. nat. anstellen und ihn mit einer vollen Stelle bezahlen wenn man doch dafür vier Arbeitspferde mit 25%-Stellen anstellen kann, von denen 125% Leistung erwartet wird. Wie eine 25% Stelle nach dem öffentlichen Dienst Tarif bezahlt wird kann jeder googeln. Von einer 60 Stunden Woche kann ich im Normalfall nur träumen. Und ich habe noch Glück und habe eine 50% Stelle.

    Jetzt kann man natürlich sagen, warum dann promovieren? Da reicht ein Blick auf die Stellenanzeigen in der Industrie. In 95% der Fällen wird hier eine Promotions als Biologe vorausgesetzt, in den restlichen 5% steht der Satz: Bewerbungen von Hochschulabsolventen mit Promotion werden bevorzugt berücksichtigt. Von Idealismus, Wissenschaftsbegeisterung und etwaiger Forschungskarriere als weitere Gründe, die zumindest für mich zutreffen, fange ich garnicht erst an, da wird man nur belächelt.

  6. Hat Frau Merkel einen Fehler gemacht, den ich Ihr bis jetzt nicht Zugetraut habe.

    Sie hat sich in das Bot der Frau Schavan gesetzt.
    Man könnte nun meinen, das dies ein Schlapp Schuss war.
    Es könnte sein, das die Kanzlerin nasse Strümpfe bekommt.

    Es gibt bereits schon Fragen,wie das so bei der Doktorarbeit von Frau Merkel wohl sei.

    Es wird Spannend.

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    • rws
    • 07. Februar 2013 11:29 Uhr

    "Es gibt bereits schon Fragen,wie das so bei der Doktorarbeit von Frau Merkel wohl sei.

    Es wird Spannend."

    Frau Dr. Merkel hat in Leipzig zu Themen der Quantenchemie promoviert. Ihre Arbeiten (Plural!) wurden in internationalen Zeitschriften (ich meine West-Zeitschriften bzw. international beachtete auf Englisch publizierenden russische Zeitschriften und keine DDR-Postillen) begutachtet und veröffentlicht. Auch wenn die Arbeiten auf ihrem Gebiet wenig Einfluss hatten (was aber auch am kalten Krieg liegen kann) so ist doch davon auszugehen, dass die Arbeit von mehr als nur einer Instanz kritisch geprüft wurden (jeweils in Ost und West).
    Aus ihrer Forschung ist eine Arbeit hervorzuheben, in der sie über die Berechnung einer Ratenkonstante einer chemischen Reaktion, die in einer der bedeutentsten Zeitschrift im Fachgebiet Chemie erschienen ist: "Evaluation of the rate constant for the SN2 reaction fluoromethane + hydride .fwdarw. methane + fluoride in the gas phase" Angela. Merkel, Zdenek. Havlas, Rudolf. Zahradnik
    J. Am. Chem. Soc., 1988, 110 (25), pp 8355–8359 DOI: 10.1021/ja00233a012.

    Die meisten Chemiedoktoranden und PostDocs wären zu recht stolz auf so einen Erfolg und müssen sich mit weniger zufrieden geben.
    Auch wenn die wissenschaftliche Karriere glücklos war, ist der wissenschaftliche Anspruch klar zu erkennen - Im Gegensatz zu den Karriere-Turbo-Dissertationen so mancher Westpolitiker.

    • the_cat
    • 07. Februar 2013 12:33 Uhr

    An Googleberg hat Merkel ja auch so lange festgehalten bis 99% der Republik über ihn lachten. So ist Sie eben, wertkonservativ, die Ehrlichkeit scheint jedoch in diesen Werten nicht vorzukommen. Armes Deutschland, dass diese Flaschenpartei wiederwählt.

    wahrscheinlich schon eifrig nachgegangen, was wohl zu nichts geführt hat, weshalb man nichts davon gehört hat.

  7. "Warum ist die Bereitschaft zur Selbstreflexion an den Hochschulen so schwach ausgeprägt?"

    An der verfassungsgemäßen Selbstverwaltung der Hochschulen verzweifeln regelmäßig alle, die etwas verbessern wollen. In diesem Bermudadreieck unterschiedlich honorig-professoraler Einzelinteressen, geht regelmäßig jede Initiative unter. Die entsprechenden Desaster die das verursacht werden mit dem immer gleichen Satz gerechtfertigt: "Freiheit von Lehre und Forschung". Dagegen scheint die ganze Welt machtlos.

    Besorgniserregend sind übrigens gar nicht so sehr die Doktorarbeiten. Generell haben die Standards guter wissenschaftlicher Praxis mittlerweile unter dem allgemeinen Publikationsdruck erheblich gelitten. Manipulationen, Fakes, Erfundene Daten, Täuschungsversuche kurz gesagt: Lug und Trug gedeihen ganz wunderbar unter dem Deckmäntelchen von Selbstverwaltung und "Freiheit von Lehre und Forschung".

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