PlagiatsaffäreNichts dazu gelernt

Der Fall Schavan ist auch eine Schande für die Universität. Eine Institution muss umdenken. von 

Universitäten sind – nach der katholischen Kirche – die ältesten Institutionen der westlichen Welt. Dementsprechend konservativ sind sie. Ihre Professoren quält nur vereinzelt der Hang zu grundsätzlichen Selbstzweifeln. Am größten aber ist wohl die Scheu der Denker, über ihr eigenes Tun nachzudenken.

Dabei gäbe es gerade jetzt Anlass dazu. Denn die Plagiatsaffäre um Annette Schavan ist nicht nur für die Ministerin ein Tiefpunkt, sondern auch für die Universität Düsseldorf. Und sie wirft die grundsätzliche Frage auf: Warum lernen Universitäten nicht voneinander? Warum lernen sie überhaupt so ungern, wenn es um sie selbst geht?

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Man muss nur einmal die Plagiatsfälle Guttenberg und Schavan vergleichen: An der Uni Düsseldorf dauerte das ganze Verfahren rund neun Monate. Dass es dabei zu immer neuen Lecks kam und interne Papiere öffentlich diskutiert wurden, war verheerend. Zudem waren von den 17 Mitgliedern des Fakultätsrates sieben nicht selbst promoviert. Gleichzeitig saß in dem Gremium kein einziger Vertreter des Faches Erziehungswissenschaft, in dem Schavan vor 30 Jahren ihre Dissertation verfasst hat. Auf externe Experten hatte man verzichtet, jede Kritik von außen wurde abgewehrt. Im Laufe der Untersuchung hat sich eine ganze Hochschule eingebunkert.

Wie es anders geht, hat seinerzeit die Universität Bayreuth vorgemacht. Eine Woche nachdem die Täuschungsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt wurden, entzog ihm die Uni den Titel. Der ausführliche Abschlussbericht lag drei Monate später vor. In der Expertenkommission saßen nur Professoren, zwei von ihnen waren vom Fach. Und selbstverständlich hatte man externe Expertisen hinzugezogen. Gewiss: Das Guttenbergsche Plagiat war eindeutiger zu erkennen. Dennoch hätte das Bayreuther Vorgehen der Uni Düsseldorf leicht ein Beispiel geben können.

Warum reflektieren sich Hochschulen so ungern selbst?

Hat es aber nicht. Warum nicht? Allgemeiner gefragt: Warum ist die Bereitschaft zur Selbstreflexion an den Hochschulen so schwach ausgeprägt? Warum stellt man das eigene Arbeiten so selten auf den Prüfstand? Warum beschwört man stattdessen mit Hingabe Ideale, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, am liebsten bis zu Wilhelm von Humboldt?

In den vergangenen Wochen der Debatte um Doktortitel und Plagiate schwenkten Professoren und Standesvertreter wieder einmal besonders eifrig das große Weihrauchfass; sie beschworen die »Standards« und die »Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft«, sangen das Hohelied von der »Autonomie« und von der »Freiheit der Forschung«. Im Umgang mit den Plagiatsvorwürfen entpuppte sich dies als Vernebelungsstrategie. Denn von welchen wissenschaftlichen Standards war da die Rede? Für die Bewertung von Plagiaten fehlen der Wissenschaft ja offenbar, wie sich zeigte, die eindeutigen Maßstäbe. Es gibt noch nicht einmal einvernehmliche Regeln dafür, wie Universitäten mit einem Fälschungsverdacht umgehen sollen.

Und was die »Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft« angeht, bleibt festzuhalten: Sämtliche Plagiatsfälle der vergangenen Jahre wurden von Hobbyrechercheuren im Internet aufgedeckt. Keine Universität sah sich bemüßigt, die Prominentenpromotionen einmal selbst unter die Lupe zu nehmen. Auch die Autonomie der Hochschulen scheint wenig wert, wenn ausgerechnet die großen Wissenschaftsorganisationen selbst sie missachten und – wie geschehen – öffentlich Kritik am Verfahren der Universität Düsseldorf äußern.

Amateurhaft im Vorgehen, zerstritten in der Sache und gefangen in der internen Logik: Die deutsche Wissenschaft bietet im Umgang mit Plagiaten ein trauriges Bild. Dabei handelt es sich gerade beim Promotionsrecht um das höchste, ja, streng genommen, einzige Privileg der Universitäten, das sie mit Verve gegen die Fachhochschulen verteidigen. Man sollte annehmen, dass sie dieses Privileg mit größter Sorgfalt behandeln und Doktortitel nur nach strengen Qualitätskriterien vergeben.

Dass dem nicht so ist, zeigen nicht nur die vielen zu Unrecht verliehenen Titel, die seit der Causa Guttenberg aufgedeckt wurden, das legt auch eine Studie des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) in Berlin nahe. Dieses fand heraus, dass bei der Bewertung von Doktorarbeiten eine Mischung aus Wohlwollen und Willkür herrscht. Zum einen werden die Bewertungen von Jahr zu Jahr immer besser. Es gibt fast nur noch exzellente und beinahe exzellente Arbeiten, was den Leiter des iFQ, Stefan Hornbostel, von einer »fortgeschrittenen Inflation der Bestnoten« sprechen lässt. Zum anderen scheint es weniger eine Frage der Leistung als der Geografie zu sein, ob ein Nachwuchswissenschaftler ein summa cum laude (entspricht der Note 1+) oder nur ein cum laude (gleich Note 2) für seine Arbeit erhält. So schließen in Kiel 65 Prozent der Promovierenden im Fach Biologie mit Auszeichnung ab. An der LMU München sind es lediglich zwei Prozent. Von einer höheren Forschungsqualität norddeutscher Jungforscher ist bislang nichts bekannt. »Von einheitlichen Maßstäben für die Promotion kann keine Rede sein«, fasst Hornbostel die Ergebnisse der Studie zusammen.

Leserkommentare
  1. Bayreuth hat nach einer Woche den Titel entzogen? Ok, schnelle Reaktion, aber warum wird das GEGEN Düsseldorf ins Feld geführt. Das sieht doch eher nach mangelnder Sorgfalt und Vorverurteilung aus.
    Man hat den Eindruck dass Journalisten vor allem mit überraschenden Thesen verblüffen wollen, bzw. vermutlich müssen, um sich Markt zu behaupten.
    Jetzt aber aus dem Fall Schavan einen Fall "Universitäten" zu machen, oder "Uni Düsseldorf" ist doch recht weit hergeholt.
    Immer wieder Guttenberg heran zu ziehen bringt auch nichts weil das ein Fall für sich ist.

    Der Fall Schavan muss als solcher betrachtet und kommentiert werden ohne ihn im Nebel von Nebenkriegsschauplätzen verschwinden zu lassen. Da gibt es noch genug zu analysieren. Warum kommt die mittlerweile stattliche Liste von Dr.-Plagiatoren alle aus dem liberal-konservativen Lager? Wo man die Nase immer besonders hoch trägt und weihevoll von bürgerlichen Tugenden schwadroniert? Meine These: die größten Blender, Egoisten und Bigotte geben sich am staatstragendsten als angebliche Leistungsträger.

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    scheint mir die Annahme, dass Spiewak die Gelegenheit nutzt, sein Thema einer Sicherung von Qualitätsstandards und weitergehenden Hochschulentwicklung an den Plagiatsfall dranzuhängen, um in dessen Windschatten größere Öffentlichkeit für sein eigentliches Thema zu schaffen. Die Verquickung von Aufhänger und Ausführungen gerät dabei etwas mutwillig und durchsichtig konstruiert.
    Da für Schavan trotz Verwaltungsgerichtsverfahrens, das ja auch bloß auf etwaige Verfahrenfehler prüfen wird, jedoch keine Entscheidung darüber treffen wird, ob Schavan den Dr.-Grad behalten kann, der Drops - zumindest im Bezug auf ihren Rücktritt -> https://www.openpetition.de/petition/online/ruecktritt-von-anette-schava... - bereits gelutscht ist, ist eine Auseinandersetzung über Evaluation, Hochschulplanung und Promotionsstandards dennoch gewinnbringend. Die Regelpromotion bei den Medizinern, Prestigepromotionen mit reinen Literaturarbeiten oder Auftragspromotionen als Zuarbeit für einige Professoren haben mit wissenschaftlicher Exzellenz zumeist nicht das Geringste zu tun. Daher gehört dergleichen auf den Prüfstand. Auch sollte man über eine Ausweitung der Hochschulforschung und insb. der Hochschuldidaktik zwecks Verbesserung der Lehre nachdenken. Die Fokussierung auf Zitationsindizes u. dgl. greift allerdings zu kurz. Wissenschaftliche Spitzenleistungen entstehen nicht nach dem Prinzip publish or perish.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie schreiben:

    "Meine These: die größten Blender, Egoisten und Bigotte geben sich am staatstragendsten als angebliche Leistungsträger."

    Ich möchte nach der Lektüre des Artikels hinzufügen: Nicht wenige von diesen Blendern, Egoisten und Bigotten gehören der journalistischen Zunft an. Und in Anlehnung an Ihren Vorkommentator möchte ich die Frage stellen: Warum gibt es keinen Pranger für schlechte Artikel? Der vorliegende nämlich ist an Bigotterie nicht zu überbieten:

    - einerseits wird einer stärkeren Zentralisierung der Entscheidungsgewalt in den Universitäten das Wort geredet (der arme machtfreie Unipräsident), andererseits wird die geringe Fachkompetenz der Entscheidungsgremien moniert
    - einerseits werden Lecks moniert, andererseits lässt der Autor die datenschutzbefreite US-Universitätslandschaft hochleben
    - einerseits wird bar jeder journalistischen Selbstreflexion verunglimpft und pauschalisiert, andererseits von anderen eben jene Selbstreflexion eingefordert
    - einerseits sollen Prominentenpromotionen von den Unis aus eigenem Antrieb und eigenen Mitteln (die ja, wie wir alle wissen, von Jahr zu Jahr mehr werden) überprüft werden, andererseits "ist die Publikationsstärke ein wichtiger Posten in jeder Leistungsbilanz".

    Das Zeichenlimit ist fast erreicht, ein paar Punkte noch:
    - Doktorarbeiten sind keine Abiturklausuren
    - es gibt Grauzonenbereiche bei Plagiaten
    - Fakultätsräte sind keine Expertenkommissionen und sollen es auch nicht sein

    • JapanGR
    • 07. Februar 2013 12:32 Uhr

    habe, habe ich auch ganau das gedacht: Wollen die jetzt aus dem Fall Schavan ein Fall Uni-D`dorf machen?

    Wirklich sehr sehr plump.

    Ich dürfte meiner Freundin (Master Studentin) diesen Artikel nicht zeigen, sie würde sich maßlos aufregen.

    Ich gebe mal zu bedenken WANN Frau Schawan ihren Abschluß gemacht hat. Wie kann man das mit der heutigen Unirealität gleichsetzen?

    Mittlerweile ist Alles komplett anders, neben dem kompletten Bildungssystem, den Abschlüssen und den Voraussetzungen hierfür auch die Technik. Seit ein paar Jahren kann man die Arbeiten sogar durch ein Computerprogramm prüfen bzw. mit bereits verwendeten Zitaten und Werken abgleichen lassen.

    Bei einem Herrn von und zu Guttenberg würde mich bestenfalls interessieren wie gründlich man dort geprüft hat, bzw. warum so schlampig.

    Bei Frau Schawan ist es Allerdings wirklich als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen, dass war eine komplett andere Zeit.

    • mrto
    • 07. Februar 2013 15:58 Uhr

    "Jetzt aber aus dem Fall Schavan einen Fall "Universitäten" zu machen, oder "Uni Düsseldorf" ist doch recht weit hergeholt."

    Nein, das ist völlig richtig so. Deshalb: danke für diesen Artikel!

    "Meine These: die größten Blender, Egoisten und Bigotte geben sich am staatstragendsten als angebliche Leistungsträger."

    Stammtischgeplauder. Mehr nicht.

    weil sie überhaupt nicht zitieren. Ganz zu schweigen von der Angabe vollständiger Quellen.

    "denkdreimal" fragt sich "Warum kommt die mittlerweile stattliche Liste von Dr-Plagiaten alle vom liberal-konservativen Lager?" Bevor man die Antwort in "den größten Blendern usw." sieht, könnte es nicht auch andere Gründe geben? Zum Beispiel: Alle bisherigen Fälle wurden von anonymen Personen im Internet aufgedeckt. Könnten die nicht auch ein einseitiges Interesse haben, nur in dem von Ihnen genannten liberal-konservativen Lager die Bösen zu finden? Möglicherweise gibt es in den anderen politischen Parteien wirklich weniger Dr. Die "Blender" sind übrigens nicht nur in einem Lager zu finden.

  2. "Zudem waren von den 17 Mitgliedern des Fakultätsrates sieben nicht selbst promoviert. Gleichzeitig saß in dem Gremium kein einziger Vertreter des Faches Erziehungswissenschaft, in dem Schavan vor 30 Jahren ihre Dissertation verfasst hat."
    Das ist doch kein Argument, gerade die Vertreter des Faches sind befangen, gluecklicherweise ist der Fakultaetsrat zur Zeit so besetzt, aber das kann die Uni doch nicht adhoc umstellen. Und wozu muss man promoviert sein ? Die Mischung ist ein Garant fuer Fairness.

    "Auf externe Experten hatte man verzichtet"
    Auch das aus gutem Grund. Sowohl der Betreuer als auch dessen 'Freunde' sind offensichtlich befangen. Die beste Wahl ist ein unabhaengiger Experte aus dem eigenen Haus, ansonsten ist ja die Wahl des 'Experten' bereits eine Vorentscheidung.

    "Wie es anders geht, hat seinerzeit die Universität Bayreuth vorgemacht."
    Am 16.2. hat sein Betreuer trotz der Funde versichert, dass die Arbeit kein Plagiat sei, das sei absurd. Am 21. 2. bat Guttenberg um die Ruecknahme --- das haette im Fall Schavan auch so einiges beschleunigt.
    Da standen erstaunlich viele Personen auf Seiten Guttenbergs mit grossem Interesse daran, alles unter den Teppich zu kehren.

    Warum hat Frau Schavan sich nicht die Stellen in ihrer Arbeit angesehen, oeffentlich Stellung dazu bezogen und dann entsprechend um Entschuldigung gebeten ???

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  3. Der Fall S. muss - gerade weil er als Grenzfall Grundatzfragen aufwirft - zur Diskussion folgender Fragen führen:

    - Was ist und wozu dient eine Promotion?
    - Welche Qualitätsforderungen müsen jenseits des bloß formal Korrekten erhoben werden?
    - Wer prüft die Prüfer?
    - Wie wird gut von schlecht ERKENNBAR geschieden?

    Es kann natürlich keine quantitative Beschränkung geben - wenn viele gute junge Menschen mit entsprechend guten Arbeiten promovieren wollen, ist das zu begrüßen.

    Aber es kann auch nicht sein, dass die bloße, möglichst hohe Zahl von Promotionen zum Pluspunkt für Betreuer, Institut und Uni wird.

    Brauchen wir eine Inflation von Titeln ohne Inhalt, oder brauchen wir eie Sicherung von Qualitätsstandards? Titelinflation bedeutet am Ende nur noch eine Diskrminierung derjenigen, die bloß deshalb keinen Titel bekommen, weil sie ihn sich nicht lesten können (wenn es nicht umschlägt und der Nicht-Titel irgendwann zum Qualitätsmerkmal wird), er kann aber auch eine Diskriminierung sehr guter Arbeizten bedeuten, wenn diese in der Masse untergehen und Aufmerksamkeit nicht mehr nur von Qualität abhängt, sondern auch von der richtigen Positionierung im Betrieb (Zugang zu Netzwerken, zu guten Verlagen, zu Preiskommissionen, zu Redekationen von Fachzeitschriften, die darüber entscheiden, welche der vielen Titel überhaupt rezensiert werden sollen, vielleicht sogar zur Presse).

    UND: Warum soll es nicht einen Pranger für schlechte Arbeiten (und ihre Betreuer) geben?

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    Eine gewiss sehr unpopuläre aber höchst effektive und aus meiner Sicht auch längst überfällige Lösung des Problems wäre, Promotionen generell nur noch auf den wissenschaftlichen Sektor zu beschränken.

    Hauptzweck eines Doktortitels ist natürlich, dass man sich bei Online-Portalen mit ihm anmelden kann.

    Und genau sowas macht die Promotion letztlich kaputt. Dass man ihn als gesellschaftliche Erhöhung nutzt, als Statussymbol, ihn vor sich her trägt in Bereichen, in denen er nichts zu suchen hat. Die Promotion ist eine wissenschaftliche Ausbildung. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist auch gut so. Niemand ist für eine Beschäftigung in der Politik oder Wirtschaft besser qualifiziert, weil er promoviert hat. Aber solange der Doktortitel offensichtlich missbraucht wird, um seinen Ausführung mehr Nachdruck zu verleihen, anders kann ich mir das Anmelden hier mit Dr. nicht erklären, lässt die Bedeutung der Promotion erst richtig erodieren. Glückwunsch.

    vor allem zum Thema - wer prüft die Prüfer.

    im wissenschaftlichen Arbeiten ist der Begriff "peer review" hinlänglich bekannt.

    Wirtschaftsprüfungsgesellschaften kennen peer reviews in Form externer Qualitätskontrollen spätestens seit Ende 2005.

    Warum diese nicht auch interuniversitär einführen?
    Ich kann mir vorstellen, dass sie heute nicht einmal intrauniversitär stattfinden, will hier aber nichts unterstellen.

    Dann erst würden Benotungen (nicht nur der Promotionen) wissenschaftlichen Kriterien wie Reliabilität, Validität und Objektivität standhalten.

    Und auch erst dann bräuchten Zu- und Aberkenntnisse von akad. Titeln nicht per Gericht geklärt werden.

  4. Sicher darüber wie man aus dem 24 Stunden Tag noch mehr machen kann um ausreichend Zeit zum vollständigen Durchlesen entsprechender Arbeiten zu haben?

    Wer soll das leisten und welche Tätigkeiten bleiben dann auf der Strecke?

    Beste Grüße CM

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    • tippex
    • 07. Februar 2013 11:19 Uhr

    Das sollen diejenigen leisten, welche dafür Geld bekommen.

    Unis sind doch kein Ponyhof und wenn Überbelastung ein Argument für schlampige Überprüfungen sind, dann kann man einen Doktortitel auch gleich verkaufen.
    (Wäre ja auch mal ein Ansatz um mehr Geld zu bekommen.)

    Wer im Hochschulsystem bis hin zur Professur überlebt hat und sich nun mit einer großen Zahl von Doktoranden umgibt, der hat auch die Pflicht, die zahlreichen Aufgaben mit Sorgfalt zu betreiben, insbesondere die Anleitung von Nachwuchswissenschaftlern und die Begutachtung von deren Elaboraten. Das Lamentieren über den 24h Tag zeigt doch nur, dass der Stelleninhaber der Aufgabe nicht gewachsen ist oder einfach zu viel auf einmal erreichen will. Vielleicht wird es Zeit, einmal darüber nachzudenken, etwas weniger zu machen, dies aber mit Sorgfalt, nicht nur mit Blick auf die Ranglisten und Drittmittelkonten?
    Deutsche Professoren zieren sich oft mit dem Titel Direktor, führen ihr Institut wie ein autokratisches Staatswesen und versichern sich ihres Überlebens durch einen möglichst großen Nitarbeiterstab. Wann werden endlich Department-Strukturen mit flachen Hierarchien an die Stelle dieser antiquierten Königreiche gesetzt, damit die Universitäten insgesamt wieder funktionsfähiger werden und ihre Hauptaufgaben auch wahrnehmen?

    Die Analyse, dass die Maßstäbe unterschiedlich sind, schön und gut. Die Konsequenz, ein Controlling einzuführen - purer Unsinn! Als ob man der guten Wissenschaftlichkeit durch mehr Bürokratie etwas Gutes tun würde! Als ob Kennziffern etws bringen würde! In den letzten Jahren gibt es diesen Trend an den Unis, aber nicht zum Guten. das fördert nur noch mehr Verwaltungsstellen, die zählen, vorschreiben und behindern - so bekommt man keine gute Wissenschaft!

  5. ...auch in ein Urteil des Verwaltungsgerichts ein, und man haut dem Fakultätsrat seine Entscheidung mit Verlaub mal wie mit einem nassen Lappen um die Ohren. Vielen Dank für die deutlichen Worte an den Kommentator der Zeit.

    11 Leserempfehlungen
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    • tapster
    • 07. Februar 2013 12:44 Uhr

    ... wer zum Fakultätsrat gehört und welcher Partei diese Mitglieder angehören oder zugeneigt sind?

    • topu78
    • 07. Februar 2013 14:24 Uhr

    Insofern Sie (und auch der Autor) Kritik am Hochschulwesen bzgl. des Promotionsverfahrens üben, sollten Sie auch berücksichtigen, dass Schavan Ihre Promotion in den 80er'n gemacht hat. Damals gab es weder Internet, noch irgendein Software-Tool, mit dem sich Plagiate haben auffinden lassen. Kurz gesagt: Bescheißen war früher bedeutend einfacher als heute.

    Es sollte doch auf der Hand liegen, dass ein Professor nicht in der Lage sein kann, tausende von Artikeln und Bücher auswändig zu können. Eine Diplomand wie ein Doktorand unterschreiben zudem eidesstattlich, dass die Arbeit ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Folglich sind vom Doktor auch alle Konsequenzen hinzunehmen, insofern wesentliche wissenschaftliche Regeln nicht eingehalten wurden (auch wenn es eine Ministerin ist).

    Also bevor Kritik geübt wird, bitte auch die Zeit der Promotion ohne Internet und Software berücksichtigen. Das sollte auch das entsprechende Gericht tun.

    • tsnud
    • 07. Februar 2013 11:20 Uhr
    19. Soso...

    Ich spreche hier als promovierender Biologe. In der Promotionsordnung meiner Universität wird ein Abschluss von mindestens Sehr gut vorausgesetzt.

    Wenn man sich darüber beschwert, das im Vergleich zu anderen Fächern, Verhältnissmässig viele Biologen/innen promovieren sollte man einen Blick auf das System werfen. Im Vergleich zu anderen Fächern (Medizin oder ähnliches) ist die Finanzlage eher bescheiden. Die Ausbeutung der Promovierenden hat also System. Warum einen fertigen, gestandenen Dr. rer. nat. anstellen und ihn mit einer vollen Stelle bezahlen wenn man doch dafür vier Arbeitspferde mit 25%-Stellen anstellen kann, von denen 125% Leistung erwartet wird. Wie eine 25% Stelle nach dem öffentlichen Dienst Tarif bezahlt wird kann jeder googeln. Von einer 60 Stunden Woche kann ich im Normalfall nur träumen. Und ich habe noch Glück und habe eine 50% Stelle.

    Jetzt kann man natürlich sagen, warum dann promovieren? Da reicht ein Blick auf die Stellenanzeigen in der Industrie. In 95% der Fällen wird hier eine Promotions als Biologe vorausgesetzt, in den restlichen 5% steht der Satz: Bewerbungen von Hochschulabsolventen mit Promotion werden bevorzugt berücksichtigt. Von Idealismus, Wissenschaftsbegeisterung und etwaiger Forschungskarriere als weitere Gründe, die zumindest für mich zutreffen, fange ich garnicht erst an, da wird man nur belächelt.

    11 Leserempfehlungen
    • adicon
    • 07. Februar 2013 10:58 Uhr

    es geht im Wesentlichen um die Doktorarbeit von A. Schavan. Ihr Verhalten - und das ihrer politischen Mistreiter - stehen im Fokus. Der Fakultätsrat hat stringent gehandelt. von 15 stimmberechtigten Mitglieder , votierten 12 für die Abkerkennung .

    A. Schavans Worte geben eine Wegweisung, Sueddeutsche.de, 01. 03. 2011:
    "" Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich. Und das wird Karl-Theodor zu Guttenberg nicht anders gehen. ....
    Das gilt. Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Der Schutz des geistigen Eigentums ist ein hohes Gut. ....
    Das Wissenschaftssystem in Deutschland ist auch deshalb so anerkannt, weil wir seitens der Politik die Souveränität und Selbstkontrolle der Wissenschaft achten. Das ist auch jetzt so. Das deutsche Wissenschaftssystem ist so effizient wie kein zweites auf der Welt. Der Wohlstand in unserem Land hängt eng mit wissenschaftlichem Fortschritt zusammen. Deshalb muss Vertrauen, das verloren gegangen ist, wiederhergestellt werden. ""
    http://www.sueddeutsche.de/politik/anette-schavan-ueber-guttenberg-ich-s...
    In der Akzeptanz der Niederlage kann der Unabhängigkeit der Wissenschaft entsprochen werden. Nur im Rücktritt finden die eigenen Worte von A. Schavan ihre Bestätigung. A. Schavan kann klagen, das ist ihr gutes Recht, aber nicht mehr ihre Glaubwürdigkeit herstellen.

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  6. "Warum ist die Bereitschaft zur Selbstreflexion an den Hochschulen so schwach ausgeprägt?"

    An der verfassungsgemäßen Selbstverwaltung der Hochschulen verzweifeln regelmäßig alle, die etwas verbessern wollen. In diesem Bermudadreieck unterschiedlich honorig-professoraler Einzelinteressen, geht regelmäßig jede Initiative unter. Die entsprechenden Desaster die das verursacht werden mit dem immer gleichen Satz gerechtfertigt: "Freiheit von Lehre und Forschung". Dagegen scheint die ganze Welt machtlos.

    Besorgniserregend sind übrigens gar nicht so sehr die Doktorarbeiten. Generell haben die Standards guter wissenschaftlicher Praxis mittlerweile unter dem allgemeinen Publikationsdruck erheblich gelitten. Manipulationen, Fakes, Erfundene Daten, Täuschungsversuche kurz gesagt: Lug und Trug gedeihen ganz wunderbar unter dem Deckmäntelchen von Selbstverwaltung und "Freiheit von Lehre und Forschung".

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