Matthias Lanzinger"Der Skisport ist ein Goldesel"

Behindertensportler Matthias Lanzinger über den Werberummel bei der WM in Schladming und die kargen Einkommen der Athleten von 

DIE ZEIT: Wer in diesen Tagen nach Schladming blickt, könnte das Gefühl bekommen, dass im Skisport ökonomische Aspekte zunehmend dominieren. Welchen Geist atmet diese Ski-WM?

Matthias Lanzinger: Das eine geht nicht ohne das andere. Um den Sport professionell ausüben zu können, braucht es gewisse Rahmenbedingungen und ein wirtschaftliches Umfeld. Viele Sponsoren sind überhaupt nur dabei, weil es publikumswirksame Rennen wie in Kitzbühel gibt. Das muss man sich immer vor Augen führen. Nicht in Ordnung ist für mich allerdings, dass die Läufer zu wenig davon profitieren. Der sehr gute Mittelbau bleibt oft auf der Strecke und tut sich schwer, Sponsoren zu finden. Nur noch die Topstars verdienen gut. Wenn ich weiß, wie viel Gewinn die FIS macht und wie viel sie davon an die Rennläufer weitergibt, dann stört mich das. Dieser Anteil ist zu gering.

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ZEIT: Könnte man den Umfang an Werbung, wie in Schladming zu sehen, noch steigern?

Lanzinger: Es darf nicht auf Kosten des Sports gehen, aber was die Professionalisierung betrifft, ist sicher noch viel möglich. Die Sponsorflächen tun ja keinem weh, solange sie nicht mitten im Lauf stehen. Im Gegensatz zu Tennis oder Fußball ist der Skisport kein sonderlich telegener Sport. Aber natürlich: Das Umfeld verdeutlicht den Zeitgeist, den man mitmachen muss, um für Sponsoren langfristig attraktiv zu sein.

Matthias Lanzinger: Zwei Karrieren

1980 wird Matthias Lanzinger in Abtenau, Salzburg, geboren. Erstes Rennen mit fünf Jahren. Erfolge in FIS- und Europacup, dann im Weltcup. Bestes Ergebnis: Rang drei im Super-G.

2008 kommt Lanzinger beim Super-G in Kvitfjell zu Sturz, im Krankenhaus wird ihm der linke Unterschenkel abgenommen. Drei Jahre später gibt er sein Comeback mit Prothese bekannt.

2013 feiert Lanzinger Siege im Behindertensport und trainiert für die Paralympics 2014 in Sotschi. Er studiert Sportmanagement an der Privatuniversität Seeburg.

ZEIT: Gefällt Ihnen dieser Zeitgeist?

Lanzinger: Die Sportler haben mittlerweile fast schon ebenso viel damit zu tun, mit den Medien umzugehen, wie ihren Sport zu betreiben. Das ist wahrscheinlich nicht optimal. Aber wenn man wirklich Erfolg hat, gibt es auch die Möglichkeit, gutes Geld zu verdienen.

ZEIT: Reißen auch Skifahrer mit Behinderung reflexartig ihre Ski in die Höhe, sobald sie die Ziellinie passiert haben?

Lanzinger: Das kommt darauf an. Als Rennläufer verdient man nur durch den Kopfsponsor und den Skiausrüster. Das sind die Brötchengeber, die will man natürlich gut präsentieren. Wir sind nicht wie Fußballer bei einem Verein angestellt. Wir sind unsere eigenen Unternehmer und kriegen bis auf die Infrastruktur und Sachleistungen keinen Cent vom Skiverband.

ZEIT: Auch keine Versicherung?

Lanzinger: Nein, die ist selbst zu bezahlen. Was es schon gibt, sind kleine Prämien für gute Erfolge.

ZEIT: Es hieß, der ÖSV habe sich nach Ihrem Unfall vor fünf Jahren, bei dem Sie Ihr linkes Bein verloren, sehr gut um Sie gekümmert.

Lanzinger: Finanziell nicht. Es waren eher Kontakte, die vermittelt wurden. Zum Beispiel bei gewissen Veranstaltungen, damit ich ein Netzwerk aufbauen kann. Oder man wird beraten, wie man die Karriere danach gestalten kann. Aber ich musste mich selbst darum kümmern, wie es von heute auf morgen weitergeht.

ZEIT: Wie gefällt Ihnen Ihr neues Leben?

Lanzinger: Sehr gut. Es ist anders als vorher, was nicht heißt, dass es schlechter ist. Es macht sehr viel Spaß. Man hat auch andere Sachen im Kopf und ist nicht das ganze Jahr nur darauf fokussiert, gute Resultate einfahren zu müssen. Ich kann den Sport jetzt betreiben, ich muss aber nicht. Vergangenes Jahr zum Beispiel hatte ich große Probleme mit dem Beinstumpf und musste beim Training pausieren. In solchen Situationen sitze ich nicht mehr zu Hause und mache mich verrückt, sondern konzentriere mich auf andere Tätigkeiten. 

Leserkommentare
  1. Außerhalb großer Events ist das Interesse eher mehr als gering.

    • Mkdrs
    • 16. Februar 2013 20:59 Uhr

    Da fehlt eine Frage zwischen den Seiten!

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