Peer SteinbrückEs war einmal ein Plan

In der Euro-Politik, glaubt der SPD-Kanzlerkandidat, könne er gegen die Kanzlerin punkten. Bloß, wo ist die Krise geblieben?

Wie er diesen Auftritt genießt. Erst steht er noch etwas steif auf der Bühne, das Kreuz durchgedrückt. Bald aber reden die Hände mit, dann die Arme, und schließlich schreitet er von links nach rechts, wechselt zwischen Analyse und Anklage, streut hier und da ein wenig Ironie ein.

Es ist der Montagabend dieser Woche, und Peer Steinbrück gibt die Rolle, die er am besten kann: den Krisenmanager. Hier, auf der Bühne der vornehmen London School of Economics, darf er noch einmal erklären, wie alles mit allem zusammenhängt – die Deregulierung der Finanzmärkte mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers; die Schuldenkrise der Euro-Zone mit der falschen Sparpolitik der Staaten.

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Der Kandidat ist auf Europareise, vier Stationen in drei Tagen: Dublin und London, Athen und Den Haag. Es ist der Versuch, die innenpolitischen Querelen der vergangenen Wochen hinter sich zu lassen. Vor allem aber ist es der Versuch, Angela Merkel zu stellen und die Auseinandersetzung mit ihr herauszuholen aus dem Plenarsaal des Reichstags; heraus aus Berlin, wo die SPD seit drei Jahren das Problem hat, bei jeder Euro-Entscheidung mit Schwarz-Gelb gestimmt zu haben.

Doch wie macht man Wahlkampf mit einem Thema, das keines mehr ist? Die Euro-Krise, so scheint es, hat sich beruhigt. Und auch die Frage, wem man dies zu verdanken habe, scheint für viele Deutsche beantwortet: Es ist die Kanzlerin, die als Retterin des Euro gilt. So weist die Reise Steinbrücks weit über diese Woche hinaus: Sie gibt eine Ahnung davon, was in diesem Wahlkampf für den Kandidaten überhaupt möglich ist – und was nicht.

In der kommenden Woche wird die Krise noch einmal kurz zurückkehren. Dann wird das Statistische Bundesamt bekannt geben, dass die deutsche Wirtschaft im letzten Quartal 2012 um rund ein halbes Prozent schrumpfte. Bloß ist dies eben ein Blick in die Vergangenheit. Für die Zukunft deutet alles auf Wachstum. Ganz gleich, ob Geschäftsklima, Aufträge oder Produktion: Zuletzt haben sich alle wichtigen Konjunkturindikatoren gedreht – nach oben. Die Weltkonjunktur zieht an, der Export floriert, die Stimmung im Mittelstand hellt sich auf, die Aktienkurse steigen.

Schon revidieren die ersten Ökonomen ihre Konjunkturprognosen nach oben. Und das höhere Wachstum dürfte sich bald auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. So könnte die Arbeitslosenquote wohl vom Sommer an wieder zurückgehen und sogar auf neue Tiefststände sinken.

Wenn die Deutschen im September 2013 wählen, könnte das Land wirtschaftlich so gut dastehen wie lange nicht mehr.

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