Stimmt's / Stimmt's? : Haben die US-Amerikaner bessere Zähne als die Deutschen, weil ihrem Trinkwasser Fluor zugesetzt wird?

...fragt Annette Leßmöllmann aus Darmstadt.

Karies entsteht durch die Säure, die Bakterien im Mund absondern. Sie frisst regelrechte Löcher in die Zähne. Fluorverbindungen sind bekannt dafür, dass sie die Ausbreitung von Karies hemmen können. Deshalb setzt man diese Verbindungen der Zahnpasta und dem Speisesalz zu, und manche Länder versetzen auch ihr Trinkwasser mit Fluorverbindungen, zum Beispiel die USA, aber auch Irland.

Die in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zusammengeschlossenen Zahnärzte würden sich eine solche "Zwangsbeglückung" der Bevölkerung auch für unser Land wünschen. Aber die Wasserwerke hierzulande wollen den Menschen möglichst reines Wasser ins Haus liefern, ohne chemische Zusätze, so gesund die auch sein mögen. Bezahlen wir diese Haltung mit schlechteren Zähnen?

Die Antwort ist ein eindeutiges Nein. Auch ohne die Fluoridierung des Trinkwassers hat sich die Zahngesundheit der Deutschen in den letzten Jahrzehnten außerordentlich verbessert. Das lässt sich am sogenannten DMFT-Index ablesen, der Löcher, Füllungen und fehlende Zähne in einer Zahl zusammenfasst. Hatten die 12-jährigen Kinder in Deutschland lange Jahre einen "moderaten" Kariesbefall, so sank der bis zum Jahr 2005 auf einen "sehr niedrigen" Wert von 0,7. Damit sind Kinderzähne hierzulande gesünder als die in den USA (1,8) und in Irland (1,1). Ältere Bürger dagegen hatten im selben Jahr noch einen stärkeren Kariesbefall als ihre amerikanischen Altersgenossen.

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Ein Argument für die Trinkwasserfluoridierung ist, dass sie allen Bevölkerungsschichten in gleicher Weise zugute kommt – die Zahngesundheit ist in den westlichen Ländern nach den Worten von Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke "stark von der sozialen Lage abhängig". Deshalb wird in vielen Studien nicht nur der durchschnittliche Kariesbefall erhoben, sondern auch der sogenannte SiC-Index, der nur das Drittel mit den schlechtesten Zähnen berücksichtigt. Aber auch da stehen die deutschen Kinder inzwischen blendend da – ihr SiC-Wert ist der kleinste in der gesamten westlichen Welt.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Danke für den Hinweis

Nein, ich weiß es tatsächlich nicht, und viele andere vermutlich auch nicht, denn nicht alle haben die Möglichkeit, die ganze Welt zu bereisen, und sind deshalb auf Berichte anderer angewiesen.
Ich habe auch nicht die amerikanische Zahnprophylaxe kritisiert, denn ich weiß nichts über sie, sondern die entweder mangelhafte Studie oder, falls diese vernünftig war, die riesigen Informationslücken im Artikel.

Oder soll sich jeder ZEIT-Leser mit der üblichen Zahnprophylaxe in den USA auskennen müssen?

im finnischen gesundheitswesen

ist Xylitol der grosse renner mit grossem erfolg. in deutschland ist es eher unbekannt.
ausserdem ist ein gesunder mundraum auch stark abhängig von der psyche und genetik. manche menschen sind ganz nachlässig mit der zahnpflege, und haben erstklassige zähne. auch manche alte welche kaum zahnpflege kannten, während junge menschen mit einer guten zahnpflege oft fruehzeitigen 'verschleiss' bekommen.

was als tolle zahnkrems oder mundpflege geraten wird ist auch hinterfragenswert