StudiengebührenUmsonst bezahlt

Das Experiment Studiengebühren ist gescheitert.

Manchmal im Leben ist das Timing einfach schlecht. Im Herbst 2005 wurden in Bayern Studiengebühren eingeführt, ein Jahr später begann ich mein Studium in München. Vergangenen Februar habe ich es abgeschlossen – und jetzt verkünden die Bayern, dass Studenten schon bald nicht mehr zahlen müssen.

Ich will nicht jammern, aber ich habe einiges auf mich genommen, um mein Studium zu finanzieren: Ich habe Hotelzimmer geputzt, Plakate im Münchner Umland verteilt, Dirndl tragend Frühstück serviert und in der Fußgängerzone Softeis an Touristen verkauft. Ich kann einfach nicht anders, als gegen die »Campus-Maut« zu sein.

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Trotzdem ist die Nachricht aus Bayern eine schlechte. Mit ihr und der Ankündigung der rot-grünen Wahlsieger in Niedersachsen, dort ebenfalls die Gebühren kippen zu wollen, endet ein ziemlich einzigartiges Experiment in der Geschichte der Bildungsrepublik: Nennen wir es den Praxis-Check für Studiengebühren.

Von 2005 an beschloss ein Bundesland nach dem anderen per Gesetz deren Einführung, um sie wenig später – erneut einer nach dem anderen – wieder abzuschaffen. Warum? Haben sich die Gebühren als unwirksam erwiesen? Als unsozial? Keineswegs. Sie sind schlicht aus der Mode geraten. Genau wie sie bei ihrer Einführung in Mode geraten waren.

Damals wie heute gibt es gute Argumente für Studiengebühren und gute dagegen. Das Problem ist: Es sind nach sieben Jahren noch immer dieselben, die Debatte entwickelte sich nicht weiter. Das hat einen Grund, es gibt keine neuen Erkenntnisse, etwa zur Frage, ob Studiengebühren effizient sind. Mancherorts verbesserten sie die Lehre: Mehr Tutoren wurden eingestellt, die Bibliotheken öffneten länger, neue Seminare wurden angeboten. Mancherorts passierte nichts: Die Universitäten bunkerten das Geld und planten, damit ihre Toiletten zu sanieren.

Auch die Frage, ob Gebühren junge Leute von der Uni fernhalten, kann heute so wenig beantwortet werden wie damals. Finanziell schlecht Gestellte mögen sich dank der Kosten entschlossen haben, das mit dem Studium lieber sein zu lassen. Zahlen, die diese Vermutung belegen, finden sich nicht.

Der Praxis-Check hat versagt, die Experimentleiter auch. Was also haben wir gelernt aus der Frage, wie viel ein Studium kosten darf? Vielleicht zumindest dies: Bevor man Gesetze einführt, sollte man wissen, was sie bewirken sollen. Nur dann ist Erfolg messbar. Mich hat dieser Lernprozess 6440 Euro gekostet. Plus Kopiergeld.

 
Leser-Kommentare
    • MeliB
    • 26.03.2013 um 11:20 Uhr

    denn ich ahbe selber zwischen 2007 und 2012 studiert. Nachdem ich 2010 meinen Bachelor in NRW beendet hatte wurden dort die Gebühren abgeschafft. Das Studium in Hamburg kostete zum Glück NUR 375 statt 500 Euro. Ich komme auf eine Gesamtsumme von 6080 Euro (2 Semester war ich aufgrund meiner Fachschaftstätigkeit von den Studiengebühren befreit) und habe Vor- und Nachteile der Gebühren gesehen und erlebt. Trotzdem ich kellnerte, im Fitnessstudio-Service stand, in einem Gartenbaucenter grub und als Studentische Hilfskraft Bücher einscannte bin ich ein Befürworter der Gebühren. Die Bedingungen müssen allerdings unbedingt den Bedürfnissen der Studierenden abgepasst werden.

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  • Quelle DIE ZEIT, 7.2.2013 Nr. 07
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