Meine zweitägige Reise ins Kriegsgebiet begann in einem Auto mit sechs Personen. Am 21. Januar reiste ich mit General Abdel Nasser Farsat, Kommandant der Freien Syrischen Armee (FSA) für die Region Aleppo, nach Syrien ein. Wir wurden über die Grenze geschmuggelt.

Gespräche mit den obersten Befehlshabern der FSA erweisen sich bis heute als schwierig. Sie misstrauen allen Ansagen, die sie aus Europa und Amerika zu hören bekommen. Immer wieder sagen sie, dass von den vielen Versprechen der Ländergemeinschaft »Freunde des syrischen Volkes« nichts geblieben sei. Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte diese Gruppe ins Leben gerufen.

»Sie hatten uns Unterstützung versprochen, wenn wir uns militärisch organisieren. Nichts passierte. Sie hatten uns humanitäre Hilfe versprochen. Nichts passierte. Waffen. Nichts passierte.«

Alle, mit denen ich sprach, waren überzeugt, der Westen stehe auf der Seite Assads. Es fiel mir schwer, die Position des Westens zu verteidigen, nachdem ein paar Tage zuvor bekannt geworden war, dass die Vereinten Nationen 519 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe durch Assad und das Syrische Rote Kreuz ins Land bringen würden.

Wir fuhren Richtung Flughafen von Kweris. Die Gegend war gerade erst befreit worden, und die Soldaten bereiteten sich auf einen Kampf um den Flughafen vor. Um zu verhindern, dass die Soldaten des Regimes (etwa 2.000 von ihnen verschanzten sich in dem Gebäude) das Gebiet zurückeroberten, feuerte die FSA Bomben ab. Außerdem filmten sie eine Videobotschaft für die Regierungssoldaten im Flughafen. Sie forderten sie dazu auf, überzulaufen oder zu kapitulieren. Sie sagten, dass die FSA nicht sie bekämpfe, sondern Assad. Diejenigen von ihnen, die kapitulierten, würden vor ein Gericht gebracht. Mörder würden hingerichtet, die anderen hätten die Wahl: sich der FSA anzuschließen oder mit dem Kämpfen aufhören.

Da die FSA keine schweren Waffen bekommt, bastelt sie sich ihre eigenen. Aus jedem Stück Eisen, das die Soldaten finden, bauen sie Bomben. Die Truppen des Regimes werfen Streubomben ab. Die FSA hat keine Flugabwehrwaffen, obwohl sie die einzige Möglichkeit wären, Assads ununterbrochenen, willkürlichen Beschuss zu stoppen. Die Soldaten der FSA gaben sich stolz, als sie mir zeigten, wie sie kämpfen. Doch der Kommandeur sagte, sie seien traurig, es tun zu müssen. Die FSA wolle Frieden, aber Assad zwinge sie zum Krieg. Er reichte mir einen Olivenbaumzweig und bat mich, ihn ins Europäische Parlament zu bringen um Europa zu zeigen, dass die Absichten der FSA gut seien und dass sie Hilfe bräuchte.

Oft hatte ich den Eindruck, dass die Soldaten der FSA verhindern wollten, dass ich Leute treffe, denen es schlecht geht. Ich musste mehrfach darauf bestehen, dass wir in ein Flüchtlingslager fahren. Und als wir dort ankamen, war es immer noch so, als würden die Militärs versuchen, das Schlimmste vor mir zu verbergen.

Human Rights Watch veröffentlichte Berichte über Folter und Misshandlungen vonseiten der FSA. Ich fragte die Generäle danach. Sie sagten, sie wollten nicht, dass so etwas passiere. Aber sie hätten keine Kontrolle darüber. Die Folterer säßen hinter Gittern, sagten sie. Überprüfen konnte ich das in der kurzen Zeit nicht.

Eine Sache war offensichtlich: Das Regime greift hauptsächlich Zivilisten an und nicht die Freie Syrische Armee. Assad will die Zivilgesellschaft zerstören und die Moral der Menschen brechen, das Rückgrat der Revolution. Er will so viele Leute wie möglich in die Flucht treiben und so das Bild prägen, dass Syrien ohne Assad ein Desaster wäre.