BürgerkriegHelft den Syrern zu überleben

Assads Gegner brauchen humanitäre Hilfe und Flugabwehrwaffen. Die EU sollte ihnen beides liefern.

Bürgerkrieg in Syrien: das Bustan-Al-Qasr-Viertel in Aleppo, Dezember 2012

Bürgerkrieg in Syrien: das Bustan-Al-Qasr-Viertel in Aleppo, Dezember 2012

Meine zweitägige Reise ins Kriegsgebiet begann in einem Auto mit sechs Personen. Am 21. Januar reiste ich mit General Abdel Nasser Farsat, Kommandant der Freien Syrischen Armee (FSA) für die Region Aleppo, nach Syrien ein. Wir wurden über die Grenze geschmuggelt.

Gespräche mit den obersten Befehlshabern der FSA erweisen sich bis heute als schwierig. Sie misstrauen allen Ansagen, die sie aus Europa und Amerika zu hören bekommen. Immer wieder sagen sie, dass von den vielen Versprechen der Ländergemeinschaft »Freunde des syrischen Volkes« nichts geblieben sei. Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte diese Gruppe ins Leben gerufen.

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»Sie hatten uns Unterstützung versprochen, wenn wir uns militärisch organisieren. Nichts passierte. Sie hatten uns humanitäre Hilfe versprochen. Nichts passierte. Waffen. Nichts passierte.«

Koert Debeuf

38, ist Nahostbeauftragter der liberalen ALDE-Fraktion im Europaparlament.

Alle, mit denen ich sprach, waren überzeugt, der Westen stehe auf der Seite Assads. Es fiel mir schwer, die Position des Westens zu verteidigen, nachdem ein paar Tage zuvor bekannt geworden war, dass die Vereinten Nationen 519 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe durch Assad und das Syrische Rote Kreuz ins Land bringen würden.

Wir fuhren Richtung Flughafen von Kweris. Die Gegend war gerade erst befreit worden, und die Soldaten bereiteten sich auf einen Kampf um den Flughafen vor. Um zu verhindern, dass die Soldaten des Regimes (etwa 2.000 von ihnen verschanzten sich in dem Gebäude) das Gebiet zurückeroberten, feuerte die FSA Bomben ab. Außerdem filmten sie eine Videobotschaft für die Regierungssoldaten im Flughafen. Sie forderten sie dazu auf, überzulaufen oder zu kapitulieren. Sie sagten, dass die FSA nicht sie bekämpfe, sondern Assad. Diejenigen von ihnen, die kapitulierten, würden vor ein Gericht gebracht. Mörder würden hingerichtet, die anderen hätten die Wahl: sich der FSA anzuschließen oder mit dem Kämpfen aufhören.

Da die FSA keine schweren Waffen bekommt, bastelt sie sich ihre eigenen. Aus jedem Stück Eisen, das die Soldaten finden, bauen sie Bomben. Die Truppen des Regimes werfen Streubomben ab. Die FSA hat keine Flugabwehrwaffen, obwohl sie die einzige Möglichkeit wären, Assads ununterbrochenen, willkürlichen Beschuss zu stoppen. Die Soldaten der FSA gaben sich stolz, als sie mir zeigten, wie sie kämpfen. Doch der Kommandeur sagte, sie seien traurig, es tun zu müssen. Die FSA wolle Frieden, aber Assad zwinge sie zum Krieg. Er reichte mir einen Olivenbaumzweig und bat mich, ihn ins Europäische Parlament zu bringen um Europa zu zeigen, dass die Absichten der FSA gut seien und dass sie Hilfe bräuchte.

Oft hatte ich den Eindruck, dass die Soldaten der FSA verhindern wollten, dass ich Leute treffe, denen es schlecht geht. Ich musste mehrfach darauf bestehen, dass wir in ein Flüchtlingslager fahren. Und als wir dort ankamen, war es immer noch so, als würden die Militärs versuchen, das Schlimmste vor mir zu verbergen.

Human Rights Watch veröffentlichte Berichte über Folter und Misshandlungen vonseiten der FSA. Ich fragte die Generäle danach. Sie sagten, sie wollten nicht, dass so etwas passiere. Aber sie hätten keine Kontrolle darüber. Die Folterer säßen hinter Gittern, sagten sie. Überprüfen konnte ich das in der kurzen Zeit nicht.

Eine Sache war offensichtlich: Das Regime greift hauptsächlich Zivilisten an und nicht die Freie Syrische Armee. Assad will die Zivilgesellschaft zerstören und die Moral der Menschen brechen, das Rückgrat der Revolution. Er will so viele Leute wie möglich in die Flucht treiben und so das Bild prägen, dass Syrien ohne Assad ein Desaster wäre.

Leser-Kommentare
  1. Selbstverständlich hätte man die Rebellen mit Waffen unterstützen sollen/muessen - sogar Unterstützung aus der Luft hätte möglich sein sollen.

    Doch das ist nun alles zu spät. Assad wird fallen, ob morgen oder in einem Jahr und mit ihm das ganze Regime. Die nächste Regierung wird auf den Westen nicht gut zu sprechen sein. Die Russen können froh sein, wenn sie ihre Bürger rechtzeitig rausschaffen ( wenn sie es nicht schon gemacht haben ).

    Ich hätte es nicht für möglich gehalten: Aber das Gemetzel in Syrien ist so gross, dass das Entstehen eines salafistischen Staats in realistische Nähe kommt. Dabei hat das malische Beispiel (wo aber der Ausgang noch offen ist ) und das libysche Beispiel (wo es nun ermutigende Signale gibt) gezeigt, dass entschlossenes und schnelles militärisches Eingreifen sinnvoll sein kann. Wieso ist Syrien unwichtiger als Libyen oder Mali?

  2. ..die hier noch heuchlerisch die Menschenrechte hochhalten, davon nichts mehr wissen wollen und die gierigen Mineralölfirmen und ihre Klientel verdammen.

    Europa und insbesondere Deutschland hat sich zu sehr an den amerikanischen Schutz und den moralischen Zeigefinger gewöhnt. Da nun aber die USA auf den Rückzug ist bzw. sich auf den Pazifik konzentriert, werden die Europäer nun auch die unbequemeren Aufgaben übernehmen muessen (siehe unruhige Nordafrikaküste) - was Frankreich auch macht. Deutschland scheint die neue Situation nicht begriffen zu haben oder meint man mit der Übersendung von ein paar Flugzeugen, Patriot-Raketen und Ausbildern wäre es getan?
    Jedenfalls kommt es (noch) damit durch, wohl aber nicht emhr allzulange.

    Antwort auf "Finde sie haben recht"
  3. Bei den schönen Kommentaren von einigen Mitforisten, die die Wichtigkeit und die Bedeutung unterstreichen, die syrische Opposition im Stich zu lassen, muss ich sagen, dass ich es gut finde den Artikel hier zu bringen.

    Die Opposition im Stich zu lassen sehe ich als Übel.
    Ein Pazifismus der ein nicht gutes Regime schützt verachte ich.

    Aber von Deutschland sehe ich nicht Engagement in militärischer Form kommen.

    Deutschlands Rolle ist hier Aufgrund des Mehrheitswillen eine Friedliche. Die kann nur sein, den Weg für die Konfliktparteien offen zu halten, zur friedlichen Konfliktlösung. Falls die verschiedenen Seiten eine friedliche Konfliktbeendigung anstreben, zu helfen. Auch wenn es unwahrscheinlich scheint. Und der friedlichen Opposition zu helfen so gut es geht.

    Also sollte das Aussenministerium seiner Linie treu bleiben und eine Bewaffnung nicht unterstützen.

    Genug Leute würden am liebsten die guten Pazifisten sein und obwohl an uns selbst so viel Scheiße haftet der Welt ihre selbstgerechte Moral bringen. Nur würden wir uns gerade als Westler bei relvanten Gesprächspartner demontieren, indem wir als ihre Richter auftreten. Auch wenn sie mehr oder weniger schwierig sind, braucht man für eine friedliche Lösung jemand wie Mursi, Putin oder Obama.

    Ich bin dafür negative Dinge anzusprechen, aber nicht um jemand zu richten und abzuurteilen. Wenn man bei Gesprächen anfängt aufzurechnen, dann ist vorbei mit Gespräch. Denn an uns haftet auch einiges.

  4. Ich frage mich, ob Sie Recht haben.

    Ihr Zitat: "Diese Annahme, könnte man symptomatisch nennen, für Diejenigen, die gern passiv den Mainstream aufsaugen und nicht aktiv hinterfragen. Unsere Medienwelt macht es uns leider nicht leicht und die Schlüsselfragen sind oftmals sehr versteckt und rar im Chaos der Halbinformationen."

    1. Wenn Sie auf Beitrag 1 antworten und dabei davon ausgehen, dass der Autor EU- Abgeordneter auf Promotionstour sei, dann irren Sie sich.

    Debeuf ist Kein EU- Abgeordneter

    http://www.europarl.europ...

    Auch hat er keinen offiziellen Status bei EU als "assistant" oder "local assistant"

    Koert Debeuf is the Liberal group's representative in Cairo and an advisor to Liberal leader and former Belgian PM, Guy Verhoftsadt. he also writes a blog for EUobserver

    http://euobserver.com/for...

    In den übrigen Punkten stimme ich Ihnen weitgehend zu.

    Und wenn Sie den umfangreicheren Reisebericht im EUobserver lesen, haben Sie möglicherweise noch mehr Grund, den Beitrag der Zeit kritisch zu hinterfragen.

    Eine Leser-Empfehlung
    • M.R.K
    • 17.02.2013 um 9:49 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

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    • M.R.K
    • 17.02.2013 um 10:03 Uhr

    Entfernt. Die Redaktion/ls

    • M.R.K
    • 17.02.2013 um 10:03 Uhr

    Entfernt. Die Redaktion/ls

  5. darf ich Sie daran erinnern, daß in einer Demokratie das Volk durch Wahlen die Regierung entscheidet.
    Ohne Assad in Schutz nehmen zu wollen, aber Assad hat neue Wahlen und Verbesserungen angeboten. Die sogenannte Opposition hat es ausgeschlagen.
    Worum geht es dann? Sicher nicht um Demokratie sondern um Veränderungen der Machtstruktur in dieser region.
    Außer Syrien und Iran ist alles "demokratisiert" worden, allerdings mit Waffengewalt.
    Die Situation hat sich dadurch für die Menschen nicht verbessert, außer daß sie jetzt mehr

    2 Leser-Empfehlungen
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    • M.R.K
    • 17.02.2013 um 9:55 Uhr

    ...wer die Luftwaffe gegen seine eigene Bevölkerung einsetzt ist als politische Figur einfach nicht mehr konsensfähig! Syrien braucht neue Gesichter ohne Blut an den Händen! Wie naiv sind sie den? Würden sie einen Präsidenten akzeptieren, der ihren Sohn, Bruder oder Vater auf dem Gewissen hat. Ich würde das nicht!

    • M.R.K
    • 17.02.2013 um 9:55 Uhr

    ...wer die Luftwaffe gegen seine eigene Bevölkerung einsetzt ist als politische Figur einfach nicht mehr konsensfähig! Syrien braucht neue Gesichter ohne Blut an den Händen! Wie naiv sind sie den? Würden sie einen Präsidenten akzeptieren, der ihren Sohn, Bruder oder Vater auf dem Gewissen hat. Ich würde das nicht!

  6. 127. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und belegen Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

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    • M.R.K
    • 17.02.2013 um 9:57 Uhr

    Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Die Redaktion/ls

    • M.R.K
    • 17.02.2013 um 9:57 Uhr

    Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Die Redaktion/ls

    • M.R.K
    • 17.02.2013 um 9:55 Uhr
    128. Wahlen...

    ...wer die Luftwaffe gegen seine eigene Bevölkerung einsetzt ist als politische Figur einfach nicht mehr konsensfähig! Syrien braucht neue Gesichter ohne Blut an den Händen! Wie naiv sind sie den? Würden sie einen Präsidenten akzeptieren, der ihren Sohn, Bruder oder Vater auf dem Gewissen hat. Ich würde das nicht!

    Antwort auf "Herr Debeuf"

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