Man kann den Grünen durchaus wünschen, dass sie bei der Bundestagswahl gut abschneiden, einfach weil mehr Stimmen für die Grünen gut sind beispielsweise für den bedrohten Goldregenpfeifer, diesen wunderschönen Watvogel mit dem blattgolden glänzenden Rückengefieder. Das kann man sich wünschen – und zugleich hoffen, dass möglichst wenige Menschen das grüne Wahlprogramm lesen.

Denn dieses 150-Seiten-Konvolut weckt in einem moralisch durchschnittlich veranlagten Menschen das dringende Verlangen, böse zu sein, unfassbar böse, geradezu wollüstig böse.

Dabei ist das Merkwürdigste in dem zurzeit kursierenden, noch unveröffentlichten Entwurf schon rausgestrichen worden. Dass nämlich »Wir« (das sind abwechselnd Wir Grüne und Wir Menschen) Enthaarung ablehnen, weil Wir ein entspanntes Verhältnis zu unserem Körper haben. Ja, Himmel, möchte man den Grünen zurufen, wenn Entspanntheit das Einzige wäre, was die Menschen von ihrem Körper wollten, dann gäbe es keinen Sex auf dieser Erde und folglich auch keine Kinder, von denen wir unsere Erde angeblich nur geborgt haben.

Das wurde, wie gesagt, gestrichen, schließlich ist die Jugend heutzutage ziemlich enthaart, und die soll ja trotzdem grün wählen.

Doch außer für die Be- und Enthaarung menschlicher Leiber sind die Grünen in ihrem Programm praktisch für alles zuständig. Kein Lebensbereich, der ohne grüne Wertung und Wartung auskäme. Sogar der politisch unbescholtene Sport: »Sport verbindet, hält gesund und macht Spaß.« Spaaaß! Ja, besonders auch, wenn man richtig reingrätscht und kurz vor der Pause ein den Spielverlauf auf den Kopf stellendes Tor erzielt, das den Gegner komplett demoralisiert.

Auch auf die Zeitungen blicken die Grünen. Und zwar wie? Natürlich besorgt! »Wir sehen mit Sorge, dass die vielfältige Zeitungslandschaft in Deutschland unter starkem ökonomischen Druck steht.« Schon wahr, doch lieber unter Absingen schmutziger Lieder untergehen als von der Politik gerettet werden!

Die Grünen sind aber nicht nur für alles zuständig, sie wollen auch alles verändern. Durch »gute Politik«, »gute Gesundheit«, »gute Pflege«, »gute Arbeit« für eine »gute Zukunft«. Gute Güte! Was wollen die Grünen nur mit diesem inflationär gebrauchten Adjektiv? Dass Parteien sich nicht für eine schlechte Zukunft zur Wahl stellen, hatten wir uns immerhin schon gedacht.