Drehbücher für Woody AllenWarten auf Woody

Er hat in London, Barcelona, Paris und Rom gedreht. Wann entdeckt Woody Allen die deutschen Städte? Vier Drehbuchentwürfe von , , und

Woody Allen in Paris

Woody Allen in Paris  |  © FLORE GIRAUD/AFP/Getty Images

East Is Eden

Juni 2013. Der junge Autor Jerry Coen (Owen Wilson) kommt aus New York nach Berlin, in der Hoffnung, hier endlich Inspiration für sein unvollendetes Drehbuch zu finden. Er zieht in eine kleine Wohnung in Neukölln, doch er kann sich nicht konzentrieren. Nachts zieht er durch die Bars und Clubs, tagsüber läuft er durch die Stadt. An einem schönen Sommertag stößt er auf einem seiner Spaziergänge kurz hinter der Manteuffelstraße gegen eine unsichtbare Mauer. Vorsichtig tastet er sich an ihr entlang in Richtung Westen, bis an der Friedrichstraße der Widerstand plötzlich nachlässt und er in einen Checkpoint hineinstolpert. Dort filzen ihn zwei strenge Grenzbeamte (Veronica Ferres, Til Schweiger), nehmen ihm seinen Drehbuchentwurf ab und winken ihn schließlich durch. Jerry realisiert: Er ist in der DDR gelandet, mitten im Sommer 1989. Bei einem Ausflug an einen FKK-Strand am Liepnitzsee (wird für die US-Version gepixelt) trifft Jerry die attraktive kubanische Kommunistin Julia (Penélope Cruz), die ihn dafür bewundert, dass er den Kapitalismus für immer hinter sich gelassen hat, um im Sozialismus zu leben. Sie werden ein Paar. Doch langsam naht der Herbst, und Jerry weiß: Wenn die Mauer fällt, wird sein Glück zerbrechen und er Julia an den Kapitalismus verlieren. Da trifft er im Oktober 1989 in einer dunklen Kneipe einen Mann (Heino Ferch), der sich Günter Schabowski nennt...

We Are We

August 2013. Der berühmte amerikanische Fußball-Superstürmer Jerry Coen (Owen Wilson), von Selbstzweifeln geplagt, will aus dem Fußballgeschäft aussteigen und inkognito in München an der Universität Philosophie studieren. In einer Disco lernt er Julia (Scarlett Johansson) kennen, die attraktive Tochter des legendären Mannschaftsarztes (Elmar Wepper) des lokalen Fußballclubs, die sich grundsätzlich nur mit Fußballstars abgibt. Um Julia zu beeindrucken und ihre Liebe zu gewinnen, lässt Jerry sich von ihrem Vater dazu überreden, für den Münchner Fußballclub zu spielen. Schnell wird Jerry der neue Star der Mannschaft, er trifft nach Belieben, und Julia verliebt sich tatsächlich in ihn. Doch während Jerry bei Auswärtsspielen weiterhin Tore aus allen Lagen schießt, versagt er bei Heimspielen nach einigen Wochen regelmäßig frei stehend vor dem Tor, weil er es einfach nicht länger erträgt, so viele Deutsche gemeinsam jubeln und »Sieg!« schreien zu hören. Das Spitzenspiel gegen den großen Rivalen naht. Jerry wird nervös. Marco, der missgünstige spanischstämmige Stürmer des Clubs (Javier Bardem), der mittlerweile auf der Bank sitzt, wittert seine Chance und plant, Jerry auf dem Oktoberfest verbotene Medikamente ins Bier zu schütten. Doch Julia ahnt die Verschwörung und macht sich an Marcos attraktive Frau (Penélope Cruz) ran (für die US-Version gepixelt), um Jerry zu retten...

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The Book Affair

Oktober 2013. Der New Yorker Jerry Coen (Owen Wilson) hat eine Reise nach Frankfurt gewonnen, weil er für seinen Arbeitgeber, einen Haushaltsgerätehersteller, die Gebrauchsanweisung des Jahres geschrieben hat. Am Flughafen kommt es zur Verwechslung: Er wird mit dem Schild »Jerry Coen« erwartet und zum besten Hotel der Stadt gefahren, wo für ihn eine Suite reserviert ist. In der Lobby bittet ihn die attraktive Journalistin Julia (Scarlett Johansson) um ein Interview. Durch ihre Fragen wird Jerry klar, dass sie ihn wohl für den medienscheuen Bestsellerautor Jerry Coen hält, der noch nie öffentlich aufgetreten ist, jetzt aber von der ganzen Stadt zur Buchmesse erwartet wird, da er seiner deutschen Lektorin (Veronica Ferres) verfallen ist, die ihm als Lockmittel Fotos von Penélope Cruz gemailt hat. Der andere Jerry, der sich seinerseits in Julia verliebt hat, weiß: Er muss den Schriftsteller geben, damit sie ihn erhört. Nach einer mit Äbbelwoi durchzechten Nacht findet Julia in seinem Koffer einen Stapel Papier: seine preisgekrönte Gebrauchsanweisung für den Roboterstaubsauger Cleansman 500i. Sie hat Tränen in den Augen: Es sei das Beste, was er je geschrieben habe. Nach einem Vorabdruck in einer deutschen Wochenzeitung feiert der literarische Betrieb Jerry als den Überwinder der Postpostmoderne. Währenddessen sitzt der echte Jerry Coen in einem schäbigen Hotelzimmer im Frankfurter Bahnhofsviertel (für die US-Version gepixelt) und sinnt auf Rache...

Mine Forever

August 2013. Die Oberbürgermeister von Essen, Gelsenkirchen, Herne und Oberhausen fassen einen ungeheuren Plan: Da sie der Meinung sind, ihre Städte kämen im internationalen Film zu kurz, beschließen sie, den erfolgreichen Regisseur und Drehbuchautor Woody Allen (Woody Allen) zu kidnappen und erst wieder freizulassen, wenn er eine romantische Komödie mit dem Titel Strukturwandel gedreht hat. Nach einem Vortrag an der VHS Oer-Erkenschwick wird Allen entführt, in einen Schacht der Zeche Zollverein gebracht und dort bewacht von der strengen Sekretärin des Regionalverbands Ruhr (Veronica Ferres). Kaum ist Allen da, zerstreiten sich die Bürgermeister: Welches Shoppingcenter muss wie lange im Bild sein, welches Bier (für die US-Version gepixelt) soll im Film getrunken werden, welche Pommesbude soll »heimlicher Hauptdarsteller« werden? Als der Präsident der Filmstiftung NRW (Til Schweiger) von der Entführung erfährt, erpresst er die Bürgermeister: Er will nur stillhalten, wenn seine Tochter (Nora Tschirner) die Hauptrolle bekommt. Das passt Allen gar nicht, denn er hat sich längst in die attraktive Referentin (Scarlett Johansson) des Oberhausener OB verliebt und ihr die Hauptrolle in seinem »Ruhrpott-Western« versprochen. Als dann auch noch die Schauspielerin Penélope Cruz (Penélope Cruz) auftaucht, der als Einziger aufgefallen war, dass der Regisseur verschwunden ist, scheint die Sache aus dem Ruder zu laufen...

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Leserkommentare
  1. Wie Woody Allen bereits verlauten ließ, ist ausgerechnet München sein nächstes Ziel. Na, das kann ja gut werden. Sagte Woody nicht, wenn immer er Wagner hört, spüre er das Verlangen, in Polen einzumarschieren?

    4 Leserempfehlungen
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    Bayreuth weitaus treffender!

    • Infamia
    • 10. Februar 2013 18:40 Uhr

    Die Drehbücher gefallen mir. Respekt! Besonders "The Book Affair" steht der Schrulligkeit von Woody in nichts nach. Möge er kommen. Ich heiße ihn auf jeden Fall jetzt schon willkommen und freue mich auf sein nächstes Werk.

    "Midnight in Paris" fand ich etwas flau, aber "To Rome with love" hat mich wieder besänftigt und die Werke davor waren eh jedes für sich ein Meisterwerk.

    Eine Leserempfehlung
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    "... die Werke davor waren eh jedes für sich ein Meisterwerk."

    Also "Vicky Christina Barcelona" kam mir eher wie ein Porno ohne Sexszenen vor, und das klingt nicht besonders spannend ...

  2. "... die Werke davor waren eh jedes für sich ein Meisterwerk."

    Also "Vicky Christina Barcelona" kam mir eher wie ein Porno ohne Sexszenen vor, und das klingt nicht besonders spannend ...

    Antwort auf "Große Klasse"
    • wasd
    • 10. Februar 2013 19:49 Uhr

    alle vier vorschläge würde ich mir ansehen, aber wirklich herzlich lachen musste ich bei "Nach einem Vortrag an der VHS Oer-Erkenschwick wird Allen entführt."

  3. Die Lebensgeschichte von Leni Riefenstahl, aus der Sicht ihres (heimlich) jüdischen Kameramanns.

  4. Woody Allen wird nach Berlin eingeladen, Kanzleramt. Feiern, Reden, Alkohol, gegenseitiges Schulterklopfen. Alles wie üblich. Er wird mit diversen Orden behängt und auch die Kanzlerin bestätigt, dass sie alle seine Filme mit Begeisterung gesehen hat und auch sein Meisterwerk Metropolis aus dem Jahre 1925. Dann muss Woody auf die Toilette. Die Kanzlerin erklärt im den Weg. Den langen Gang entlang, dann die 63.te Tür rechts. Alle anderen Türen bitte nicht benutzen wegen Dienstgeheimnis und so. Woody trabt los. Dank zu viel des Staatschampagners öffnet er in der Hoffnung auf Rettung Raum 36, da die Zahlen ihm irgendwie bekannt vorkamen. Und erschrickt. Es sieht aus wie in einem Wartezimmer eines Arztes. Viele Stühle an der Wand, ein Gummibaum in der Ecke. Auch die dort sitzenden, alles edle Damen und Herren in grauen Hosenanzügen geraten in Panik. Es stellt sich heraus, dass sie Ersatzminister/innen sind in Wartestellung. Die Kanzlerin hatte die Befürchtung, dass ihr die Leute ausgehen und schon mal vorgearbeitet. Makaberer Weise haben die Dasitzenden schon Schilder umgehängt. Nachfolger Von der Leyen, Nachfolger De Maiziere, Nachfolgerin Schröder usw. Zynischer Weise saß im Eck eine Person mit dem Schild Nachfolger/in Merkel. Woody konnte nicht glauben, dass so Deutsche Politik funktioniert und holte die Kamera heraus. Es war der erste Superflopp in seinem Leben. Der Film wurde verrissen. Einhellige Meinung der Kritiker: Reine Realität! Nichts Neues! Zu banal !

    2 Leserempfehlungen
  5. Nette Idee. Ein Allen Film über / in einer deutschen Stadt ist wirklich mal dringend notwendig. Dann aber bitte kein München und kein Til Schweiger! Ich bin im Gegenzug für Tom Schilling und Berlin. Der aktuelle Film "oh Boy" zeigt, dass sowohl Protagonist als auch Drehort eine Menge Potenzial bieten..

    • Felefon
    • 11. Februar 2013 3:21 Uhr

    Woody Allen (* 1. Dezember 1935 in Brooklyn, New York; bürgerlich Allan Stewart Konigsberg)

    kehrt am 1.April 2013 im Alter von 78 Jahren in ein berliner Pflegeheim ein.

    Da er weder deutsch noch kauderwelsch spricht und weder sozial- noch kranken- oder rentenversichert ist, oder im Rahmen internationalen Rechts als Flüchtling zu gelten hätte,
    erhält er im Rahmen der Versorgungspflicht einen Platz im Zimmer 3BOSST ( Stockwerk 3, Balkon, offene Unterbringung, Sexualstraftäter ).

    Die Verpflegung ist eher mangelhaft ( = nix )
    aber jeden Donnerstag Abend wird im Foyer ein gemeinfreier Film vorgeführt.

    Am 4. April stirbt Herr Königsberg an einem Lachkrampf während der Heimvorführung von Buster Keatons soeben gemeinfrei gewordenen "passionate Plumber" - in der Originalversion.

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  • Schlagworte Woody Allen | Scarlett Johansson | Til Schweiger | Veronica Ferres | DDR | Heino Ferch
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