BewerbungsstrategienDas Zitat… und Ihr Gewinn

Konfuzius sagt: Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten. von 

Die Anglistin winkte mit einem Inserat: »Dieselbe Stelle ist jetzt erneut ausgeschrieben – darf ich mich noch mal bewerben?« Sie freute sich, dass der Job noch zu haben war; vor einem halben Jahr hatte sie eine Absage bekommen. Doch auch Zweifel schwangen mit: Warum sollte sie, die damals nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden war, nun bessere Karten haben? Würde ein zweiter Anlauf vielleicht sogar als Zeichen ihrer Uneinsichtigkeit gewertet, als ein wiederholter Fehler, wie ihn Konfuzius beschreibt?

Kommt drauf an! Wenn eine Firma dieselbe Stelle nach vier bis acht Wochen erneut ausschreibt, bedeutet das: »Leider war kein brauchbarer Bewerber dabei.« Wer seine Unterlagen nun wie einen Aufschlag beim Tennis returniert, sorgt für Augenrollen. Offenbar ist er nicht in der Lage, sich in das Unternehmen hineinzuversetzen. Fehlt es ihm auch sonst an Empathie und Intelligenz?

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Anders sieht es aus, wenn eine Stelle nach sechs Monaten oder später noch einmal ausgeschrieben wird. Der erste Versuch, sie zu besetzen, ist offenbar gescheitert. Der Wunschkandidat hat sich als Fehlgriff entpuppt. Und von den anderen Bewerbern, die im Vorstellungsgespräch waren, hat anscheinend keiner so überzeugt, dass man ihm auf dem kurzen Dienstweg eine zweite Chance gegeben hätte.

Das heißt: Ein zweiter Anlauf ist erlaubt. Vergleichen Sie die Ausschreibungen: Hat sich etwas verändert? Der Anglistin fiel auf, dass die Firma einen Satz hinzugefügt hatte: »Erfahrungen im Mittelstand erwünscht.« Aha, daran hatte es dem ersten Kandidaten wohl gemangelt! Gerade dieser Punkt kann bei der zweiten Runde zum Zünglein an der Waage werden. Also hob sie schon zu Beginn ihres Anschreibens hervor, dass sie in einer Firma ähnlicher Größe mit Erfolg gearbeitet hatte.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Auch wenn die zweite Ausschreibung mit der ersten identisch ist: Überarbeiten Sie Ihren Brief und Ihren Lebenslauf, präsentieren Sie sich noch treffender. Zum Beispiel können Sie eine dritte Seite hinzufügen, in der Sie Spannendes über Ihre Qualifikation mitteilen. So stoßen Sie neue Türen auf und vermeiden ein Wiederholungstäter-Image.

Wer sich beim Bewerben steigert, signalisiert zweierlei: Er ist lernfähig. Und ehrgeizig noch dazu. Solche Eigenschaften sind begehrt. Die Anglistin kam beim zweiten Anlauf immerhin ins Vorstellungsgespräch.

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Leserkommentare
  1. Die Bewerbung der Kandidatin, die nicht zur ersten Vorstellungsrunde eingeladen wurde, wurde vermutlich recht schnell aussortiert und hat wenig Eindruck hinterlassen. Wenn ihr die Stelle wichtig ist und sie sich eine Chance ausrechnet, wäre mein Typ, die neue Bewerbung zu unterschiedlich wie möglich zu gestalten (anderer Schwerpunkt von Lebenslauf & Anschreiben, neues Photo...) und bloss nicht zu erwähnen, dass sie sich schon einmal beworben hatte.

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    "Die Bewerbung der Kandidatin, die nicht zur ersten Vorstellungsrunde eingeladen wurde, wurde vermutlich recht schnell aussortiert und hat wenig Eindruck hinterlassen. Wenn ihr die Stelle wichtig ist und sie sich eine Chance ausrechnet, wäre mein Typ, die neue Bewerbung zu unterschiedlich wie möglich zu gestalten (anderer Schwerpunkt von Lebenslauf & Anschreiben, neues Photo...) und bloss nicht zu erwähnen, dass sie sich schon einmal beworben hatte."

    Wenn die Anglistin "ihr Typ wäre" (oder meinen Sie Tipp?), sollten sie den Kontakt vielleicht eher über eine Partnerseite suchen, außer man ist wie Sie sinnvoll anmerken "zu unterschiedlich". Dann klappt das auch mit der Anglistin. Im Arbeitskontext hat das nichts zu suchen.

    Und was "anderer Schwerpunkt von Lebenslauf & Anschreiben, neues Photo" anbelangt - als Anglistin würde ich mich nicht für Sie verbiegen. Brezeln isst man, dauerhaft belastet krümeln sie aber, werden bei Hochwasser matschig und vor allem fad. Dann schon lieber knackig zu dem Stehen was man ist.

  2. Motivationstrainern a la Jack Welch abgemalt.
    Ich hatte da den Fall von XY, der, nachdem ich ihm ... ganz erfolgreich ...

    Welches "positive" Bild liefert man eigentlich, wenn man nach 6 Monaten schon wieder ( immer noch auf die selbe Stelle reflektiert? Man zeigt schließlich, dass man ein halbes Jahr nichts Passendes gefunden hat.

    3 Leserempfehlungen
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    nicht jeder strebt an, aus dem unternehmen heraus in rente zu gehen in welchem er einst seine lehre machte ... ;-)

    • NeeNich
    • 24. Februar 2013 15:15 Uhr

    ... in dieser Zeitung: Vollkommen sinnentleert und deshalb nutzlos.

    5 Leserempfehlungen
  3. Das ein anderes Leben geführt wurde
    incl. Bildung Lehre usw. ?
    Wer abgelehnt wurde sollte sich damit abfinden
    und nichts verdrehen

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    sich nicht verbiegen!

    • malox
    • 24. Februar 2013 16:24 Uhr

    Wenn die Firma die Stelle nach x Wochen wieder ausschreibt, kann das leider auch oft genug bedeuten, dass es gar keine echte Stelle gibt, sondern die Anzeige lediglich als Eigenwerbung geschaltet wurde.

    "Schaut her, wir besetzen neue Stellen, wir sind innovativ und zukunftsweisend. Gruß Firma x."

    Da macht sich eine Stellenanzeige in diversen überregionalen Zeitungen oder online auf dem eigenen Firmenportal ziemlich gut.

    Die Leidtragenden sind die Bewerber.

    4 Leserempfehlungen
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    besonders bei großen Firmen der Fall, habe aber bei meinen Eltern in D den umgekehrten Fall, da wird mir schöner Regelmäßigkeit (seit 2009 etwa alle 6 Mo. manchmal auch schon nach 3 Mo.) die Stelle eines SB Wasserwirtschaft ausgeschrieben. Problem eins das Profil erfordert einen Uni-Abschluss bezahlt wird aber nur Fachschule und die scheitern dort aufgrund der Aufgabenstellung und werden desilusioniert und der zweite Pkt. ist die Chefin, die selber nur Verwaltungsfachangestellte ist und die eingestellten Kandidaten systematisch schikaniert. Am Schnellsten war einer der nach 3 Wochen die Schnauze voll hatte und ging. Da die Highpotentials auf dem Amt von der Thematik keine Ahnung haben, müssen sie immer wieder neu ausschreiben. Manchmal liegt es halt auch am Chef und das von AG Seite gelogen wird, was das Umfeld angeht.

    @Thema

    Will man wirklich bei einer Firma arbeiten, die einen abgelehnt hat. Ich persönlich würde sagen nein, ist das Pech der Firmen. Einfach abhaken und sich eine andere Stelle suchen.

    Auch muss man sich in D immer bewusst sein, dass es meist nicht nach Qualifikation geht sondern die Rangfolge Vitamin B und Gender ist.

    Anders klässt sich oftmals nicht erklären, warum die wahre dt. Bildungelite im Ausland gesucht wird und dort glücklich wird und viele in D nicht mal über die Ablage Papierkorb hinausgekommen sind.

    Obwohl dazu hat Herr Wehrle ja auch schon in seiner letzten Kolumne eine wenn auch in Teile mMn pietätlos die Erklärung gegegben.

  4. besonders bei großen Firmen der Fall, habe aber bei meinen Eltern in D den umgekehrten Fall, da wird mir schöner Regelmäßigkeit (seit 2009 etwa alle 6 Mo. manchmal auch schon nach 3 Mo.) die Stelle eines SB Wasserwirtschaft ausgeschrieben. Problem eins das Profil erfordert einen Uni-Abschluss bezahlt wird aber nur Fachschule und die scheitern dort aufgrund der Aufgabenstellung und werden desilusioniert und der zweite Pkt. ist die Chefin, die selber nur Verwaltungsfachangestellte ist und die eingestellten Kandidaten systematisch schikaniert. Am Schnellsten war einer der nach 3 Wochen die Schnauze voll hatte und ging. Da die Highpotentials auf dem Amt von der Thematik keine Ahnung haben, müssen sie immer wieder neu ausschreiben. Manchmal liegt es halt auch am Chef und das von AG Seite gelogen wird, was das Umfeld angeht.

    @Thema

    Will man wirklich bei einer Firma arbeiten, die einen abgelehnt hat. Ich persönlich würde sagen nein, ist das Pech der Firmen. Einfach abhaken und sich eine andere Stelle suchen.

    Auch muss man sich in D immer bewusst sein, dass es meist nicht nach Qualifikation geht sondern die Rangfolge Vitamin B und Gender ist.

    Anders klässt sich oftmals nicht erklären, warum die wahre dt. Bildungelite im Ausland gesucht wird und dort glücklich wird und viele in D nicht mal über die Ablage Papierkorb hinausgekommen sind.

    Obwohl dazu hat Herr Wehrle ja auch schon in seiner letzten Kolumne eine wenn auch in Teile mMn pietätlos die Erklärung gegegben.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Eine andere Wahrheit"
  5. Diese sogenannten Supercoaches wie Wehrle, habe ich in 30 Jahren immer erleben dürfen, außer Geschwätz und ein paar leeren Sprüchen in 2-bis 3 Tagen Seminar,hat es nicht gebracht. Die Zeit sollte sich was besseres leisten können?????

  6. Warum ist die Stelle noch einmal ausgeschrieben?
    Vielleicht ist sie einfach weniger attraktiv als es in der Stellenbeschreibung erscheint und keiner der Kandidaten in der näheren Auswahl wollte sie oder der neue Mitarbeiter hat hingeschmissen.
    In dem Fall lohnt sich die erneute Bewerbung nicht, egal ob erfolgsversprechend oder nicht.

    Eine Leserempfehlung
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    "Warum ist die Stelle noch einmal ausgeschrieben?
    Vielleicht ist sie einfach weniger attraktiv als es in der Stellenbeschreibung erscheint und keiner der Kandidaten in der näheren Auswahl wollte sie oder der neue Mitarbeiter hat hingeschmissen."

    Allerdings sind derlei Informationen meist erst NACH Anheuern realistisch zu erhalten. Und dann dient man bereits irgendwo bei Salzwasser und Brot auf einem Klapperkutter in der Beringsee - ohne viel Chancen gleich wieder an Land gehen zu können.

    Ich habe immer versucht, meinen Mitarbeitern realistische Informationen über Job und Firmenkontext zu geben. Das ging sogar so weit, dass es bereits an kritische Bereiche des Firmenimages reichte. Trotzdem machte ich die Erfahrung, dass jene von mir neu rekrutierten Mitarbeiter einen klareren Blick auf Problemlagen UND Chancen hatten. Im Arbeiten war dies konstruktiver und erlaubte einen Schnellstart in der neuen Arbeitsumgebung. Ich verkaufe lieber die Idee auf einem Fischkutter mit harter Arbeit anzuheuern als gleiche Position als Kreuzfahrt zu verkaufen.

    Bei Wiederbewerbungen sehe ich genau dieses Dilemma. Die Frage: was ist an der Sache eventuell fischig? Warum genau bin ich vormals abgelehnt worden und was sagt das über zukünftiges Arbeiten und die Firmenkultur. Doch derlei Gründe erhält man so gut wie nie.

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