Es darf gratuliert werden. Und zwar dem Internetportal AcademiaNet, das gerade seine 1000. Wissenschaftlerin aufgenommen hat. Die Expertinnendatenbank, die auf eine Initiative der Robert Bosch Stiftung zurückgeht, sammelt die Profile herausragender Forscherinnen und bringt sie so für Entscheidungspositionen ins Gespräch. Diese Liste zeigt auch dem letzten Zweifler: Es gibt sie, die fähigen Frauen!

Mehr Frauen an die Spitze – dieser Ruf hat nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Wissenschaftsinstitutionen erreicht, die sich seit einigen Jahren verstärkt um Frauenförderung bemühen. Die Zuwachsraten sind beachtlich, doch es ist immer noch viel Luft nach oben. Nur 14 Prozent der höchstdotierten Professuren in Deutschland sind in weiblicher Hand. In außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind es sogar noch weniger: Hier liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen gerade einmal bei 11 Prozent.

Zwar forschen in einigen Themenfeldern tatsächlich weniger Frauen als Männer. Die Wissenschaftlerinnen aber, die es gibt, laufen auch noch Gefahr, übersehen zu werden. »Wir finden keine«, ist oft zu hören, wenn Lehrstühle, Gremien oder Konferenzen weiblich besetzt werden sollen. Nicht selten wird dann der Einfachheit halber auf männliche Kollegen zurückgegriffen.

AcademiaNet macht Schluss mit solchen Ausreden. Erst wer dort unter all den streng ausgewählten Leibniz-Preisträgerinnen und Emmy-Noether-Stipendiatinnen nicht fündig wird, kann mit Fug und Recht behaupten, es gebe keine Frau für den Job. Auch die Führungserfahrung der aufgelisteten Forschungsgruppenleiterinnen lässt sich nicht mehr wegdiskutieren.

Ein solches Instrument könnte ebenfalls der Wirtschaft guttun. So hört man ja aus Unternehmen ebenfalls die Klage, es gebe einfach zu wenige Frauen, die chefsesselkompatibel wären. Doch auch hier hat das Umdenken begonnen. Unter den 800 Institutionen, die regelmäßig auf AcademiaNet suchen, findet sich mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen.