Teure Kunst

Einen Picasso als Altersvorsorge müsste man haben! Dann wäre die Rente sicher. Oder? Nein, so einfach funktioniert der Kunstmarkt leider nicht. Große Namen sorgen zwar für Schlagzeilen wie im vergangenen Jahr die Versteigerung von Edvard Munchs Der Schrei für 120 Millionen Dollar. Aber es sind eben Einzelfälle. Selbst der rasante Anstieg des weltweiten Kunstindexes Tutela Global Art, der in den vergangenen zehn Jahren um 90 Prozent zulegte, kann kein Grund sein, künftig sein gesamtes Vermögen in Bilder und Skulpturen zu investieren. Denn die Preise am Kunstmarkt schwanken bisweilen noch stärker als an der deutschen Börse. Allein 2008 und 2009 brach der globale Kunstindex um rund 40 Prozent ein. Über die Jahre sind Erträge aus dem Kunsthandel deutlich geringer als mit Aktien, hat zudem Erwin Heri ermittelt, Professor für Finanztheorie an der Universität Basel. Selbst wenn millionenschwere Gemälde von Paul Gauguin oder Vincent van Gogh bei Auktionen gelegentlich unter den Hammer kämen, betrüge ihre jährliche Rendite in der Zwischenzeit lediglich zwei bis drei Prozent.

Gemälde, Möbel und Schmuck sind extrem abhängig von Moden. Nicht nur die Rubensfigur ist mal mehr "in" und mal weniger – auch der Maler selbst. Der Markt ist extrem illiquide, denn Sammler geben ihre Stücke nur selten wieder her. Tun sie es doch, fehlen oft Käufer, denn nicht jedes Werk trifft jeden Geschmack und schon gar nicht jede Preisvorstellung. Zudem sind die Transaktionskosten horrend: Bis zu 30 Prozent des Wertes zahlen Sammler beim Kauf und Verkauf an Auktionshäuser. Dazu kommen Kosten für Verkaufsversuche, Versicherung und den Erhalt.

Das Fazit von Anlagestrategen ist daher ernüchternd: Investitionen in Kunst sind nicht die empfehlenswerteste Form der Anlage, sie sind riskanter, als es der Handel mit Aktien ist. Inflationssicher sind Kunstwerke nur, wenn sie schon Kunstgeschichte geschrieben haben, dann aber kosten sie bereits sechsstellige Summen. Je nach Kunstform schwankt die Langfristrendite zwischen 1,6 und 5 Prozent. Letztere erzielen am ehesten Werke junger zeitgenössischer Künstler und Fotografen. Doch selbst bekannte Sammler setzen öfter mal aufs falsche Bild.