City Guide Wien : Das Herz der Stadt

Ob Hofreitschule oder Fiaker: Wie herrlich, dass Wien so viel Tier in seiner vornehmen Mitte zulässt.
"Morgenarbeit" in der Spanischen Hofreitschule. Die Lipizzaner trainieren zu klassischer Musik.

Einmal, vor ein paar Jahren, ich hatte es eilig und strebte schnellen Schritts über den Heumarkt, als gemächlich ein Fiaker des Wegs kam. Die Autos dahinter fuhren im Schritttempo, dann verrichtete der Schimmel seelenruhig sein Geschäft, und die Autos kamen fast zum Stillstand. Die Fahrer blickten ergeben ins Leere, als gäbe es keine Hoffnung mehr, heute noch irgendwo pünktlich anzukommen. Ich staunte – und bewunderte die Stadt, die so viel Tier in ihrer vornehmen Mitte zulässt.

Stolz hält Wien an seinen Pferden fest. Auch wenn die Fiaker ihren Rössern heute etwas Windelähnliches anlegen müssen. Und viele Wiener etwas drum geben würden, diese träge zockelnden Viecher aus dem schnell getakteten Alltagsverkehr zu verbannen – die historische Innenstadt ist nicht denkbar ohne Pferde.

In der Spanischen Hofreitschule führen Lipizzanerhengste ihre atemberaubenden »Ballettstückchen« vor. Kapriolen und Pirouetten, die vor Jahrhunderten dazu dienten, diese enormen Fähigkeiten der Pferde in prekären Kriegssituationen zu nutzen – nun aber schon lange zu einer weltweit einzigartigen Perfektion an Dressurkunst gehören.

Die Zeiten ändern sich auch in Wien. In die Hofreitschule sind Frauen eingezogen, auch die Kutscher sind inzwischen oft weiblichen Geschlechts. Sie halten den Wagenschlag der offenen, hochrädrigen Fiaker auf, nehmen die Zügel in die Hand und entlasten uns Reisende für zwanzig träumerische Minuten von der Frage, wohin es als Nächstes gehen soll. Während Oper, Hofburg, Burgtheater, Stephansplatz und Albertina vorübergleiten, haben wir einen starken Rücken vor uns: jemanden, der weiß, wo’s langgeht.

Möge das Pferdeherz der Stadt Wien weiter schlagen! Möge dieser Anachronismus uns lieb – und teuer sein!

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