City Guide WienKäsekrainer mit Musik

Tütenlampen, historische Abendroben, knisternde Bettwäsche und eine Bar, in der neben dem DJ die Würste brutzeln. Sechs ausgefallene Shopping- und Ausgeh-Tipps in Wien. von 

Das Looshaus in Wien

Das Looshaus in Wien  |  © Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Ein Klassiker, aber einer, an dem man nicht hochmütig vorbeilaufen sollte: Das Café Prückel wirkt nur von außen wie ein Großtantentraum mit Stucksahnehäubchen überm Haupteingang. Sobald man drinnen ist, weiß man, dass die fünfziger Jahre an der Inneren Stadt nicht spurlos vorübergegangen sind: geschwungene Sessel mit cremefarbenen Polstern, Tütenlampen, Garderobenständer aus eloxiertem Stahl. Die Einrichtung von Oswald Haerdtl steht mittlerweile unter Denkmalschutz, was die durchweg jungen Gäste nicht zu beeindrucken scheint. Die Stimmung ist so aufgeräumt wie in einem Szeneladen. Nur dass hier der Kaffee hervorragend ist und die Ober selbstverständlich die Form wahren. (Stubenring 24, 1. Bezirk, Tel. 0043-1/5126115, www.prueckel.at)

Ingrid Raab war die erste Wienerin, die sich Ende der siebziger Jahre traute, Secondhandkleidung zu verkaufen. Ihre Spezialität waren Charleston-Kleider. Damals soll auch Helmut Lang regelmäßig vorbeigeschaut haben, um sich inspirieren zu lassen. Inzwischen kann man bei Flo Vintage durch die gesamte Modegeschichte des 20. Jahrhunderts stöbern: historische Cocktailkleider, kleine schwarze Kostüme, praktische Baumwollfähnchen aus den sechziger und siebziger Jahren und durchgeknalltes Zeug aus der Zeit danach. Besonders gut sortiert ist die Abendabteilung. Wie das meiste hier sind auch Festroben und -fummel nahezu ungetragen oder sehr gut erhalten. Wenn auch leider nicht ganz billig. (Schleifmühlgasse 15a, 4. Bezirk, Tel. 0043-1/5860773, www.vintageflo.com)

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Legende: Rot = Essen, Grün = Ausgehen, Blau = Einkaufen, Gelb = Schlafen
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Skandal am Michaelerplatz! Das neue Geschäftshaus der edlen Herrenschneiderei Goldman & Salatsch hatte keinen Fensterschmuck, keine Gesimse und nicht ein einziges Balkönchen. Die Bevölkerung war empört, Kaiser Franz Joseph dermaßen außer sich, dass er damit drohte, in der Burg die Fenster zum Platz hin verhängen zu lassen, um sich den Anblick dieser Scheußlichkeit zu ersparen. Erst als der Architekt Adolf Loos 1911 einwilligte, vor den Fenstern Blumenkästen aus Bronze anzubringen, wurde der Baustopp aufgehoben. Heute ist die Aufregung nicht mehr ganz nachvollziehbar. Das Looshaus mit seinem strengen grünen Marmorportal und der symmetrisch gegliederten Fensterfront fügt sich eigentlich ganz gut in die Umgebung. Im wuchtigen Erdgeschoss, zwischen Spiegel- und Mahagoniwänden, empfängt die Raiffeisenbank Privatkunden. Die oberen Stockwerke kann man leider nicht besichtigen. Wer mehr Loos sehen will, dem sei die American Bar empfohlen: ein selbstverständlich ornamentfreies Lokal mit viel Onyx, Glas und Messing, das ohne die Wandspiegel geradezu winzig wirken würde. Angeblich hängt Quentin Tarantino hier herum, wenn er in Wien ist. (Looshaus, Michaelerplatz 3, 1. Bezirk; American Bar, Kärntner Durchgang 10, ebenfalls 1. Bezirk, Tel. 0043-1/5123283, www.loosbar.at)

City Guide Wien

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Leopoldstadt: Tanz unterm Riesenrad

Mein Wohnzimmer: Modedesignerin Lena Hoschek über den Naschmarkt

Stammgericht: Wiener Schnitzel im Sternerestaurant

Stil: Österreichs berühmtester Tanzlehrer über die Wiener Liebe zur Tradition

Anbetung: Pferde in Wien

Tipps aus der Redaktion: Tütenlampen, Abendroben und Käsekreiner mit Musik

Angeklickt: Die besten Websites für den Wien-Besuch

Hoteltest: Hotel Hollmann Beletage

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Käsekrainer sind ja an sich schon eine fragwürdige Spezialität, der lokale Spitzname kann sie einem erst recht vergällen. Wer isst schon gerne eine »Eitrige«? Im Xpedit Kiosk muss es trotzdem sein. Denn in dieser kleinen Eckbar hinter dem Naschmarkt bekommt man sie regelmäßig mit Musik. Während die Würste auf den Rosten schwitzen, stehen donnerstags ab 22 Uhr lokale DJ-Größen hinter den Turntables; am Sonntag gibt’s den Tatort und am Montag »Incredibly strange movies«. (Schleifmühlgasse 7/3, 4. Bezirk, Tel. 0043-1/5854077, www.xpedit.at)

»Die schwäbischen Jungfrauen« nannten man in Wien die Tuchhändler, die im 18. Jahrhundert mit Leinenstoffen die Donau hinaufreisten. Irgendwann wurden sie sesshaft, und vor 290 Jahren eröffneten sie ein Geschäft. Zur schwäbischen Jungfrau liegt heute in einem handtuchbreiten Geschäftshaus in der Inneren Stadt. Man fühlt sich darin wie in Sissis Boudoir: drei Stockwerke, bis zur Decke gefüllt mit Seidenstoffen, Rüschen und feinem Leintuch. Der Juniorchef erzählt gern, welche Paläste seine Firma ausgestattet hat, darunter der Hof des Königs von Malaysia. Das gängigste Produkt aber ist eher bürgerlich: Tisch- und Bettwäsche aus knisterndem Baumwollperkal, die in der eigenen Schneiderei auf Maß genäht wird. Soll ein ganzes Leben halten. (Am Graben 26, 1. Bezirk, Tel. 0043-1/5355356, www.schwaebische-jungfrau.at)

Liebe Leser, unser nächster City Guide führt uns nach Madrid. Wenn Sie einen ungewöhnlichen Tipp für diese Rubrik haben, schreiben Sie uns an cityguide@zeit.de

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