InvestmentbankerDas Erbe nach dem Crash
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Mitchell liebte Flugzeuge, schnelle Autos und schnittige Boote

Über 1.500 Gäste trafen sich an diesem Abend in London, um einen ungewöhnlich erfolgreichen Jahresabschluss mit den Investmentbankern aus dem Bereich Global Markets zu feiern, die für einen Großteil des Gewinns der Deutschen Bank verantwortlich zeichneten. Kaum fünf Jahre nach seinem Wechsel war Edson Mitchell seinem Ziel, aus diesem Institut eine der besten Investmentbanken der Welt zu machen, ein gutes Stück näher gekommen. Just in diesem Geschäftsjahr 2000 war er gemeinsam mit seinem amerikanischen Kollegen Michael Philipp in den Vorstand der Deutschen Bank eingezogen. Es wird sicherlich nicht jedem gefallen haben, dass mit Mitchells Berufung ab Sommer 2000 nun auch im Vorstand der Deutschen Bank Englisch gesprochen und protokolliert wurde.

Dem neuen Vorstand Edson Mitchell war es mit einer kleinen Gruppe von etwa 100 »Indianern« als deren »Häuptling« gelungen, aus der Investmentbanking-Abteilung eines in diesem Geschäftsfeld eher unbedeutenden, aber kapitalstarken deutschen Finanzinstituts einen echten Player am Markt zu machen. Vor Mitchells Ägide war die Deutsche Bank im Bereich Investmentbanking/Global Markets im Vergleich mit anderen Geldhäusern nicht nennenswert vertreten. Der Amerikaner und seine Kollegen brachten die Deutsche Bank in den einschlägigen Ranglisten in weniger als fünf Jahren unter die internationalen Top Ten jener Bereiche, die sie verantworteten. Sowohl Rolf-E. Breuer als auch Anshu Jain betonten im Interview, wie wichtig solche Rankings damals wie heute sind, wenn man seinen strategischen Schwerpunkt im Investmentbanking haben will: Niemand macht gern Geschäfte mit der Nummer 24; ob nun Nummer 24 der örtlichen Klempnerbetriebe oder Nummer 24 der globalen Investmentbanken.

Nils Ole Oermann

ist Professor für Wirtschaftsethik an der Leuphana Universität Lüneburg. Er berät Finanzminister Wolfgang Schäuble. Der 39-Jährige war persönlicher Referent von Bundespräsident Horst Köhler, dem er bis heute zuarbeitet. » Tod eines Investmentbankers« erscheint im Herder-Verlag, Freiburg

Während die Deutsche Bank in den 1980er Jahren vor allem durch Industriebeteiligungen von sich reden machte – etwa bei Philipp Holzmann, Allianz oder Daimler –, setzten Mitchell und Kollegen ganz auf das OPM - other people’s money - Geschäftsmodell des Investmentbanking. Man musste Kunden in möglichst viele, große und schnell wechselnde Transaktionen einbinden, die so gestaltet wurden, dass die Klienten damit potenziell mehr gewinnen (und damit natürlich auch verlieren!) konnten als mit einem festverzinslichen Papier oberhalb der Inflationsrate oder durch die Beteiligung an einem eher langweilig-soliden Unternehmen. Das gleichzeitig damit verbundene Risiko blieb zuweilen bewusst unklar und in jedem Fall nicht bei der Investmentbank. Um dies zu erreichen, mussten Häuptlinge wie Mitchell ein Team von Experten zusammenstellen, die so harmonierten, dass die Bank die zu diesem Geschäftsziel passenden Finanzprodukte selbst entwickelte, verkaufte und sich gleichzeitig andernorts gegen die damit verbundenen Risiken absicherte. Mitchell und Jain wussten, wovon sie redeten: Anders als viele deutsche Vorstände der Bank hatten sie selbst bei Merrill Lynch als einer typischen Investmentbank amerikanischen Stils jahrelang Erfahrungen gesammelt und am Telefon gesessen und Kunden derlei Produkte verkauft.

Die Anregung, das Verhältnis Mitchells zu seinen Mitarbeitern mit dem Bild eines Indianerhäuptlings oder gar als Chef einer Gruppe von »Söldnern« und »Eroberern« zu beschreiben, stammt im Übrigen aus Gesprächen mit Mitchells wichtigsten Vorgesetzten und wurde von vielen seiner Kollegen bestätigt, ja zugespitzt. Mitchell habe seine »Indianer« ausgewählt, eigenständig angeheuert und geführt und sei als deren Motivator und als Verwalter der Kriegs- und Bonuskasse extrem talentiert gewesen. Auch das Wort »Söldner« oder »Konquistador« sei in diesem Zusammenhang nicht falsch. Keiner meiner Gesprächspartner korrigierte oder unterbrach mich jemals, wenn ich im Zusammenhang mit Edson Mitchell eines der beiden Worte verwendete, obwohl das Wort Söldner im Deutschen, ähnlich wie mercenary im Englischen, eine negative, professionelle Konnotation hat. Im Gegenteil: Wie bei Eroberern und Söldnern – exakt so sei ihr Geschäftsmodell gewesen, sagte ein ehemaliger Mitarbeiter der Bank, und ich dürfe das gern wörtlich so zitieren: Mitchell und seine Truppen seien »Konquistadoren« gewesen.

Er versuchte im Winter bei Dämmerung zwischen zwei Bergen zu landen

Jedenfalls: Der Banker der Superlative war an jenem vorweihnachtlichen Abend im feinen Grosvenor House im Herzen Londons in »brillanter Stimmung«, aufgeräumt und so gewinnend und charmant, wie Mitchell es auch sein konnte, wenn er denn wollte. Er tat das, was er mit seinen Teams auch besonders gut konnte: feiern. Er hatte allen Grund. Perfekte Zahlen, eine gefestigte Position in seiner Bank und der bevorstehende Weihnachtsurlaub in seinem Heimatort Rangeley im US-Bundesstaat Maine bestimmten seine Laune an diesem Abend. Nach der Weihnachtsfeier verbrachte er die Nacht in London, um am nächsten Morgen, getrennt von seiner Geliebten, mit einem Linienflug nach Boston, Massachusetts, zu fliegen. Vor dem Zielort Rangeley, wo er mit ihr und seinen Kindern die Weihnachtsferien verbringen und am Saddleback Mountain Ski fahren wollte, machte er eine Zwischenlandung in seinem Geburtsort Portland, Maine. Dort kaufte er Weihnachtsgeschenke, um sich dann von dem langjährigen und erfahrenen Piloten Stephen A. Bean in die Weihnachtsferien befördern zu lassen.

Edson Mitchell saß im hinteren Teil der elegant ausgestatteten Maschine, die bis zu neun weitere Passagiere transportieren konnte. Diesmal war er allein. Es ist, vor allem innerhalb der Deutschen Bank, gemutmaßt worden, Mitchell habe das abgestürzte Flugzeug an jenem Abend selbst gesteuert. Darauf gibt es keinerlei Hinweise. Mitchell liebte Flugzeuge, schnelle Autos – gerne aus deutscher Produktion – und schnittige Boote. Er hatte Freude an Geschwindigkeit; aber er wusste, wie schwer sie zu beherrschen war. Ohne Pilotenschein hätte er gewiss nicht versucht – nur um sich mal als Flieger auszuprobieren –, bei einbrechender Dunkelheit im Winter eine Instrumentenlandung zwischen zwei Bergen hinzulegen, wie das der Flugplatz in Rangeley verlangte. Mitchell konnte Risiken ausgezeichnet einschätzen, ebenso seine Grenzen.

Am 26. Dezember 2000 reist Ackermann nach London, um das durch Mitchells Tod entstandene Machtvakuum zu füllen. Sein Kandidat für Mitchells Nachfolge war nach eigener Aussage schnell der erst 38-jährige Anshu Jain.

Leser-Kommentare
  1. gehört mitsamt den Handelnden in eine virtuelle Welt abgeschoben. In der realen Welt bringt sie (außer für die Zocker) keinen Mehrwert dafür aber viel Elend.

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    Wer sich heute mit dem Thema Investment Banking auseinandersetzt, liest stets nur Aussagen wie "Zockerei", "Spekulation mit dem Geld anderer Leute" etc. Dabei verstehen die meisten Deutschen nicht in geringster Form, worum es im Investment Banking geht.

    Zunächst muss man zwischen traditionellem Investment Banking und Trading unterscheiden. Das traditionelle Investment Banking umfasst Beratung bei Fusionen, Übernahmen, Börsengängen, Kapitalerhöhungen etc. und ist als Beratungsgeschäft risikofrei.

    Trading geschieht (abgesehen vom Eigenhandel) nicht auf eigene Rechnung, sondern man führt einfach Wertpapier-Order für Kunden aus, etwa Anleihen-Käufe für Pension- und Rentenfonds, Versicherungen, Krankenkassen etc. Schließlich müssen diese das Geld anlegen, um zu verhindern, dass es der Inflation zum Opfer fällt.

    Des Weiteren helfen Investmentbanken, Wechselkurs-, Zinsrisiken etc. zu "hedgen", also abzusichern. Damit werden die Erträge von z.B. Exportunternehmen stabiler und Auslandsinvestitionen vor Währungsschwankungen geschützt.

    Investmentbanken helfen Unternehmen und Staaten, sich zu refinanzieren. Ohne solche Dienstleistungen wären alle deutschen Konzerne bereits bankrott.

    Abgesehen vom Eigenhandel (der bei den meisten Investmentbanken entweder ganz eingestellt wurde oder nur noch einen kleinen Anteil ausmacht) "zocken" Investmentbanken nicht. Wir müssen aufhören, Banken zu verteufeln, insbesondere, wenn wir deren Geschäft und wichtige Aufgabe nicht verstehen.

    Wer sich heute mit dem Thema Investment Banking auseinandersetzt, liest stets nur Aussagen wie "Zockerei", "Spekulation mit dem Geld anderer Leute" etc. Dabei verstehen die meisten Deutschen nicht in geringster Form, worum es im Investment Banking geht.

    Zunächst muss man zwischen traditionellem Investment Banking und Trading unterscheiden. Das traditionelle Investment Banking umfasst Beratung bei Fusionen, Übernahmen, Börsengängen, Kapitalerhöhungen etc. und ist als Beratungsgeschäft risikofrei.

    Trading geschieht (abgesehen vom Eigenhandel) nicht auf eigene Rechnung, sondern man führt einfach Wertpapier-Order für Kunden aus, etwa Anleihen-Käufe für Pension- und Rentenfonds, Versicherungen, Krankenkassen etc. Schließlich müssen diese das Geld anlegen, um zu verhindern, dass es der Inflation zum Opfer fällt.

    Des Weiteren helfen Investmentbanken, Wechselkurs-, Zinsrisiken etc. zu "hedgen", also abzusichern. Damit werden die Erträge von z.B. Exportunternehmen stabiler und Auslandsinvestitionen vor Währungsschwankungen geschützt.

    Investmentbanken helfen Unternehmen und Staaten, sich zu refinanzieren. Ohne solche Dienstleistungen wären alle deutschen Konzerne bereits bankrott.

    Abgesehen vom Eigenhandel (der bei den meisten Investmentbanken entweder ganz eingestellt wurde oder nur noch einen kleinen Anteil ausmacht) "zocken" Investmentbanken nicht. Wir müssen aufhören, Banken zu verteufeln, insbesondere, wenn wir deren Geschäft und wichtige Aufgabe nicht verstehen.

  2. Ich kenne Mitchell nicht. Die Beschreibung seines Charakters und seiner Biographie scheinen mir schlüssig und mit beinahe literarischer Qualität dargelegt zu sein, sodass ich mir erlaube, darüber keine eigenen Recherchen anzustellen. Im Zentrum des Artikels steht die Prognostizierbarkeit von Anshu Jains Politik. Der Autor Nils Ole Oermann konzentriert sich auf die Prägung Jains durch Mitchell, und er arbeitet die praktisch identische Personalpolitik beider heraus, nämlich Cliquenbildung im gehobenen Management mit den Mitteln von persönlicher Loyalität und ideologischer Identifikation. Hier stellen sich zwei Fragen, eine zur Zukunft der Deutschen Bank und eine zur Zukunft ihrer Kunden. Mittel- und langfristig schadet es einer Bank, wenn nur ein Vorstandsmitglied Macht hat, weil die anderen für ihre Ideen keine Resonanz im gehobenen Management finden können. Sie blutet geistig aus und ist auf Gedeih und Verderb auf die intellektuellen, strategischen, taktischen und diplomatischen Qualitäten des Mannes an der Spitze angewiesen. Damit setzt sich Jain der Versuchung aus, Prozesse in der Bank, die keinen Weg in die Gremien finden, weil ihre Initiatoren dort keine politische Mehrheit für ihr Anliegen schaffen können, mit mafiösen Methoden (Dossiers, Foto-/Videosammlungen etc.) vor dem Weg in die Öffentlichkeit zu stoppen. Nun zu den Kunden. Wie ein 25%-Renditeziel im "wealth management" und mit den klein- und mittelständischen Geschäftskunden erreichbar ist, weiß ich nicht.

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  3. Ein Schneeballsystem basiert auch auf OPM. Das Geschäftsmodell von Banken wie der Deutschen Bank scheint mir mindestens fragwürdig bis ebenfalls kriminell zu sein. Warum werden nict endlich vernünftige Eigenkapitalvorschriften durch gesetzt und Gestalten wie Jain uznd Mitchell sind eine listige Episode der Finanzgeschichte.

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  4. … ist der Sinn allen Wirtschaftens (sehr richtig „reifenexperte“). Er ist die notwendige Triebfeder, sich ständig weiterzuentwickeln; allerdings langsam und stetig, die Grundlage, auf der man steht, erhaltend und stärkend.

    Die beschriebenen Typen hier aber sind auf Raubzug, auf Beutezug. Sie sind nicht auf der Jagd, die Hege verlangt, um auch im nächsten Jahr erfolgreich sein zu können.

    Diese Leute müssen siegen, koste es was es wolle. Leider sind diese Leute damit als Schwerstkranke beschrieben, die man behandeln muß. Dazu zwei Vorschläge:

    Erstens: Holt sie aus der „Schmuddelecke“ heraus; stellt die Finanzindustrie der „normalen“ Indsutrie gleich: mit Produkthaftungsgesetz und vollem Umsatzsteuersatz.

    Zweitens: Prohibition hat noch nie funktioniert; also gebt den ganz schweren Fällen für die Spielsucht an die Hand, was jeder Spieler im Casino bekommt: Spielgeld, Verrechnungeinheiten. Damit könnten sie nur das angeworbene OPM gefährden, aber sonst nichts.

    Im übrigen bin ich, der Leiharbeiter, der Meinung, die SPD müsse aus der politischen Landschaft verschwinden.

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  5. Wer kann nach Lesen dieses Artikels noch gegen ein Trennbankensystem sein?

    Investmentbanker? Zocker sind sie.

    Es wird allerhöchste Zeit, dass diese Deutsche Spielcasinobank zerschlagen wird. Besser wäre es noch, allen Geschäftsbanken das Geldschöpfungsprivileg zu nehmen, welches gerade die Großbanken so schändlich mißbrauchen. Eine Vollgeldreform tut Not.

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    Könnten Sie mir erklären, in welcher Form die Deutsche Bank "zockt"?

    Ich wil damit zeigen, dass 99% der Deutschen nicht wissen, was eine Investmentbank macht.

    Ohne eine Investmentbank hätten Sie als Unternehmen kaum Möglichkeiten zur Refinanzierung (z.B. via Börsengang, Kapitalerhöhung, Emission von Anleihen). Sie könnte kein anderes Unternehmen übernehmen, nicht fusionieren. Ihre Expansionsaussichten wären stark beschränkt und Wachstum kaum möglich.

    Investmentbanken sind nicht die wichtigsten Unternehmen, aber sie erfüllen in unserem Wirtschaftssystem eine vitale Funktion. Ohne sie würden unsere Unternehmen nicht funktionieren.

    Könnten Sie mir erklären, in welcher Form die Deutsche Bank "zockt"?

    Ich wil damit zeigen, dass 99% der Deutschen nicht wissen, was eine Investmentbank macht.

    Ohne eine Investmentbank hätten Sie als Unternehmen kaum Möglichkeiten zur Refinanzierung (z.B. via Börsengang, Kapitalerhöhung, Emission von Anleihen). Sie könnte kein anderes Unternehmen übernehmen, nicht fusionieren. Ihre Expansionsaussichten wären stark beschränkt und Wachstum kaum möglich.

    Investmentbanken sind nicht die wichtigsten Unternehmen, aber sie erfüllen in unserem Wirtschaftssystem eine vitale Funktion. Ohne sie würden unsere Unternehmen nicht funktionieren.

  6. ... endlich kapieren würden kein Geld über Finanzmittler jeglicher Art (Fonds, Kapitallebensversicherungen, etc. pp.) zu investieren, sondern dies direkt in Aktien oder Anleihen (Vorsicht: keine sogenannten Garantieanleihen, denn das sind verkappte Optionsprodukte!) investieren würden, dann würden solche Geschäftsmodelle erheblich erschwert werden.

    Zu Mitchell:

    Ich kann mich noch gut an die Berichterstattung rund um den Absturz erinnern. Letztlich hat sich aber für die Entwicklung der Deutschen Bank in ihrer Grundausrichtung nichts geändert. Ob mit Mitchell oder ohne ihn. Jeder ist ersetzbar. So wie er die Leute evolutionär rausgekegelt hat, so hat die Evolution schließlich auch ihn rausgekegelt.

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    Investmentbanken emittieren Anleihen. Ohne Investmentbanken gäbe es keine Anleigen, die Sie kaufen könnten.

    Aktien ebenfalls nicht, da Investmentbanken Unternehmen beim Börsengang begleiten.

    Investmentbanken emittieren Anleihen. Ohne Investmentbanken gäbe es keine Anleigen, die Sie kaufen könnten.

    Aktien ebenfalls nicht, da Investmentbanken Unternehmen beim Börsengang begleiten.

    • rnr
    • 23.02.2013 um 11:43 Uhr

    Leider wird in dem Artikel nicht erwähnt, zu welch abnorm hoher Ablösesumme Mitchell mit seiner Abteilung von Merrill Lynch zur Deutschen Bank gewechselt ist.

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  7. Wer sich heute mit dem Thema Investment Banking auseinandersetzt, liest stets nur Aussagen wie "Zockerei", "Spekulation mit dem Geld anderer Leute" etc. Dabei verstehen die meisten Deutschen nicht in geringster Form, worum es im Investment Banking geht.

    Zunächst muss man zwischen traditionellem Investment Banking und Trading unterscheiden. Das traditionelle Investment Banking umfasst Beratung bei Fusionen, Übernahmen, Börsengängen, Kapitalerhöhungen etc. und ist als Beratungsgeschäft risikofrei.

    Trading geschieht (abgesehen vom Eigenhandel) nicht auf eigene Rechnung, sondern man führt einfach Wertpapier-Order für Kunden aus, etwa Anleihen-Käufe für Pension- und Rentenfonds, Versicherungen, Krankenkassen etc. Schließlich müssen diese das Geld anlegen, um zu verhindern, dass es der Inflation zum Opfer fällt.

    Des Weiteren helfen Investmentbanken, Wechselkurs-, Zinsrisiken etc. zu "hedgen", also abzusichern. Damit werden die Erträge von z.B. Exportunternehmen stabiler und Auslandsinvestitionen vor Währungsschwankungen geschützt.

    Investmentbanken helfen Unternehmen und Staaten, sich zu refinanzieren. Ohne solche Dienstleistungen wären alle deutschen Konzerne bereits bankrott.

    Abgesehen vom Eigenhandel (der bei den meisten Investmentbanken entweder ganz eingestellt wurde oder nur noch einen kleinen Anteil ausmacht) "zocken" Investmentbanken nicht. Wir müssen aufhören, Banken zu verteufeln, insbesondere, wenn wir deren Geschäft und wichtige Aufgabe nicht verstehen.

    Antwort auf "Diese ganze Zockerei"

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