StrompreisMythos Steckdose

Bevor alle Sicherungen durchbrennen: Fünf Fragen und Antworten zum Strompreis. von 

1. Warum reden auf einmal alle über den Strompreis?

Es ist Wahlkampf. Der Anstieg des Strompreises und die damit verbundenen Gerechtigkeitsfragen bieten Politikern Profilierungsmöglichkeiten. Das war schon im vergangenen Jahr so. Als der 15. Oktober nahte, der Tag, an dem die neue Umlage nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) verkündet wurde, stand der Strompreis schon einmal wochenlang im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung. Der damals begonnene Streit findet jetzt seine Fortsetzung.

Dabei geben nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die privaten Haushalte im Durchschnitt nur rund 2,5 Prozent ihrer Konsumausgaben für Elektrizität aus. Das nährt den Verdacht, dass die Strompreisdebatte noch einem anderen Ziel dient: dem der Stimmungsmache gegen die Energiewende.

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2. Wird der Strom bald für alle unbezahlbar?

Unbezahlbar wird Strom natürlich nicht. Für einige wird er sogar billiger. Ein Problem haben nur die Bezieher niedriger Einkommen.

Die von der Regierung berufene Expertenkommission zur Energiewende hat vor Kurzem wissen lassen, es gebe "keine definitive Grenze, bis zu der die Kosten für Energie als bezahlbar anzusehen sind". Außerdem wies sie darauf hin, dass ein höherer Preis sogar mit niedrigeren volkswirtschaftlichen Kosten einhergehen könne – zum Beispiel wenn er Umweltkosten enthält, die vorher auf die Allgemeinheit abgewälzt worden sind. Doch davon einmal abgesehen: Nach Angaben der Kommission lag der Anteil der Ausgaben für Elektrizität am Bruttoinlandsprodukt 2011 bei 2,5 Prozent – und damit auf dem gleichen Niveau wie zwanzig Jahre zuvor.

Obwohl nach der Katastrophe von Fukushima hierzulande acht Atommeiler endgültig abgestellt werden mussten, kostet Strom an der Börse inzwischen so wenig wie schon lange nicht mehr: Anfang der Woche waren es 4,2 Cent pro Kilowattstunde, Liefertermin 2014. In den Genuss solch niedriger Preise kommen allerdings nur industrielle Großverbraucher. Haushaltsstrom wird dagegen seit Langem teurer. Vor zehn Jahren kostete eine Kilowattstunde rund 17 Cent, inzwischen sind es 29 Cent.

Der Preisanstieg ist unter anderem auf steigende Brennstoffkosten und auf steigende Steuern (Stromsteuer und Mehrwertsteuer) zurückzuführen. Den größten Teil des Zuwachses macht allerdings die Umlage nach dem EEG aus. Sie beträgt jetzt knapp 5,28 Cent pro Kilowattstunde. Vereinfacht gerechnet, sind das die Kosten der Energiewende. Bei einem Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr belasten sie einen Durchschnittshaushalt mit gut 15 Euro pro Monat. Für Haushalte mit niedrigem Einkommen ist das viel, für das Gros der Haushalte nicht.

3. Der Börsenpreis für Strom sinkt. Warum gehen die Bürger leer aus?

Es fehlt noch immer an Wettbewerb und an Wechselbereitschaft der privaten Stromkundschaft. Dass die EEG-Umlage steigt, wenn der Börsenpreis sinkt, hängt mit dem Konstruktionsprinzip der Umlage zusammen. Die Erzeugung von Strom aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse ist teurer als Strom aus abgeschriebenen fossilen Kraftwerken. Werden die grünen Kilowattstunden nicht gefördert, bleibt die Energiewende auf der Strecke. Deshalb erhalten die Grünstromerzeuger zwanzig Jahre lang garantierte Einspeisevergütungen pro Kilowattstunde.

Sie liegen noch immer deutlich über dem Marktpreis des Stroms, der an der Börse ermittelt wird. Sämtlicher grüner Strom verursacht inzwischen Zusatzkosten von rund 16 Milliarden Euro. Diese Summe müssen die Stromverbraucher aufbringen, allerdings wegen der Bevorzugung energieintensiver Betriebe nicht zu gleichen Teilen. Ohne diesen Effekt und ohne einen weiteren Sonderfaktor läge die EEG-Umlage nach Angaben der Netzbetreiber nicht bei 5,28 Cent, sondern bei rund 3,3 Cent.

Leserkommentare
  1. <em>"die Umlage nach dem EEG... Vereinfacht gerechnet, sind das die Kosten der Energiewende."</em>
    Ich stimme in vielem mit Ihnen überein - aber diese grundlegende Annahme kann ich nicht unkommentiert lassen:

    Es gibt <em>genau eine</em> Sicht, in der die EEG-Umlage als "Kostenanteil" bezeichnet und unmittelbar mit "der Energiewende" in Zusammenhang gebracht werden kann - nämlich die Sicht des privaten Energieverbrauchers, dem diese Umlage als Teil seiner Stromrechnung ausgewiesen wird. Meinen Sie diese "Vereinfachung"?

    Diese eine (naheliegende und ausdrücklich zulässige) "Vereinfachung" wird in der Diskussion allerdings immer wieder anders - und objektiv falsch - benutzt:

    Die Umlage nach dem EEG ist weder aus Sicht des privaten Energieverbrauchers noch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ein sinnvoller Maßstab für Kosten, die für die Energiewende <em>zusätzlich</em> aufgewendet werden, weil sie sinkende Kostenanteile an anderer Stelle nicht berücksichtigt (oder sogar scheinbar in ihr Gegenteil verkehrt).

    Solange Sie dieses weitverbreitete Missverständnis bei Ihren LeserInnen nicht ausdrücklich ausschließen, ist die EEG-Umlage offensichtlich kein sinnvolles Maß für die Kosten der Energiewende.

    Die Verengung der Diskussion um die Kosten der Energiewende auf die Höhe der EEG-Umlage ist pure Politik - man könnte auch sagen: übelste Volksverdummung.

  2. Ein sehr schöner und leicht verständlich geschriebener Artikel. Besser und plausibler kann man die derzeitige Situation kaum beschreiben.
    Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Politiker das Ihre dazu beitragen eine Lösung zum Wohle des deutschen Volkes herbeizuführen.

  3. Nach Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums hat der Strom-Exportüberschuss 2012 im Vergleich zu 2011 um rd. 17 Milliarden auf insgesamt 23 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) zugenommen und ist damit so hoch wie noch nie.

    23 Mrd kWh * 0,05277 €/kWh = 1,21 Millarden Euro entgangene Einnahmen aus der EEG Umlage und deutlich gestiegene C02 Emisstionen. Würden die mit den wirklichen Klimaschädigungen von 0,08 €/kWh berechnet, dann kämen nochmal 1,84 Millarden Euro hinzu. (in Summe 3,05 Mrd €)

    Kein Wunder das Frankreich und Holland Ihre Kraftwerke abschaltet, wenn bei uns der Strom verramscht wird
    und der deutsche Michel von der FDP an der Nase herum geführt wird.

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