GesellschaftskritikÜber Beweisfotos

Eine Gesellschaftskritik von 

Barack Obama beim Tontaubenschießen im August 2012

Barack Obama beim Tontaubenschießen im August 2012  |  Pete Souza/US States Government Work

Neulich wurde Barack Obama gefragt, ob er eigentlich schon jemals ein Gewehr in der Hand gehabt und geschossen habe. In Camp David, antwortete er, würden er und seine Freunde dauernd schießen, und zwar auf Tontauben. Nun ist es ja so, dass Obama immer alles beweisen muss. Während sein Vorgänger noch nicht mal zweifelsfrei belegen konnte, die Wahl tatsächlich gewonnen zu haben, musste Obama sogar ein Foto seiner Geburtsurkunde veröffentlichen, um die Gerüchte zu zerstreuen, er sei gar nicht in den USA geboren.

Sein Schießbekenntnis wurde also gleich von Waffenfreunden angezweifelt. Warum man denn dann, bitte schön, dauernd Fotos sehe von Obama mit Basketball, nie aber mit einer gepflegten Glock? Eine ganz billige Lüge sei das, mit der Obama nur seinen Plan verdecken wolle, den Amerikanern das Recht, Waffen zu tragen, zu entziehen!

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Der Krisenstab im Weißen Haus trat zusammen. Most wanted: Ein Foto vom Präsidenten beim Tontaubenschießen. Aber unbedingt eins aus dem Sommer, sonst wirkt es nachgestellt. Am besten mit Finger am Abzug. Um jeden Zweifel auszuräumen, dass er auch tatsächlich schießt: Die Unterarmmuskeln müssen eine schießtypische Anspannung aufweisen. Und unbedingt Rauch, nein, besser: Doppelrauch! In zwei verschiedene Richtungen! Nicht dass nachher einer sagt: Jaja, dran gezogen hat er, aber nicht inhaliert.

Foto wurde getwittert, Ziel getroffen. Nur noch hier und da murmelten Enttäuschte, wie putzig es doch sei, dass Obama – typisch Demokrat! – betone, er schieße nur auf Tontauben und seine Töchter dürften dabei nicht zusehen. Als ob man nur durch einen ordentlichen Amoklauf beweisen kann, dass einem Schießsport Spaß macht.

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Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen.  |  © Frazer Harrison/Getty Images

Hierzulande beschränkt sich die Beweislast der Politiker ja bislang noch auf das rechtmäßige Führen eines Doktortitels. Nehmen wir nicht viel zu viel hin, ohne es zu hinterfragen? Wo ist das Foto der Geburtsurkunde von NPD-Chef Holger Apfel? Wo das Röntgenbild von Steinmeiers Niere? Ist Peer Steinbrück tatsächlich SPD-Mitglied? Hat die Kartoffel-Lobby jemals überprüft, ob Merkels Behauptung, sie koche gern Kartoffelsuppe, nicht eine billige Lüge ist, mit der sie nur ihren Plan verdecken will, uns das Recht auf Kartoffelgerichte aller Art zu entziehen? Und wenn es heißt, Philipp Rösler sei ein begabter Bauchredner – kann überhaupt zweifelsfrei widerlegt werden, dass Rainer Brüderle möglicherweise nur seine Puppe ist?

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Leserkommentare
    • Nest
    • 14. Februar 2013 12:39 Uhr

    Mit seinem Alter Ego Brüderle lebt Rösler sein latentes Flegeltum aus und sichert sich gleichzeitig den Machterhalt. Wenn man mal drüber nachdenkt, wäre alles andere völlig unplausibel.

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