LiebeskolumneZerstört Schnarchen eine Beziehung?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Wie laut darf die Liebe sein?

Frage: Monika und Ingrid waren schon viele Jahre unzertrennlich, ehe sie ihre Lebenspartnerschaft eintragen ließen. Seit sie denken können, gehört es zu ihrer Liebe, das Bett zu teilen. Jetzt hat Monika zum ersten Mal entdeckt, dass Ingrid schnarcht. Sie kann nicht einschlafen, will Ingrids Schlaf nicht stören, wird immer unruhiger.

Am nächsten Tag reden die beiden. Ingrid ist schockiert! Nach einigen Nächten sind beide bekümmert über eine, wie sie finden, absolut unnötige Beziehungskrise. Es geht ihnen doch gut, sie lieben sich, aber sie wollen nicht getrennt und können nicht in einem Bett schlafen. Ingrid traut sich nicht mehr einzuschlafen, weil sie Monika nicht stören will. Monika wartet schlaflos, ob Ingrid anfängt zu schnarchen. Das Schlafdefizit wächst.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Liebe ist Aufbruch, Dynamik, Veränderung – aber ebenso sehr Bewahrung und Ritual. Liebesrituale stiften Geborgenheit, indem sie den Alltag in verlässliche Strukturen gliedern. Jede Veränderung solcher Rituale weckt Verlust-ängste. Ich finde es wohltuend, dass Ingrid und Monika versuchen, erst einmal an ihrem Ritual festzuhalten und die Störung des Gegenübers ernst zu nehmen.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Manche Menschen können ja auch lernen, neben einem schnarchenden Partner zu schlafen, anderen ist das jedoch nicht möglich. Manchen Schnarchern helfen medizinische Angebote, anderen nicht. Getrennte Schlafzimmer erfordern einen Ritual-Umbau, der nicht nur einen Verlust an nächtlicher Nähe kompensieren, sondern sogar in sich reizvoll sein kann.

Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leser-Kommentare
  1. Geht es nicht noch ein bißchen küchentischmäßiger? Es gibt schwarz, es gibt weiß...richtig! Gut beobachtet!

  2. Diese einfache Lösung habe ich schon von meinem Großvater gelernt und wende sie immer an, wenn ich Angst habe, mein Mann könnte zu schnarchen anfangen und darüber selbst nicht einschlafen kann. Manchmal schnarcht er nicht und manchmal stört es mich offensichtlich nicht. Immer schön locker bleiben :-). Wenn man die Dinger akzeptiert, sind sie hervorragende Begleiter auch für Hotels, in den die Klimaanlage summt oder für straßenseitige Zimmer.

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