Frage: Monika und Ingrid waren schon viele Jahre unzertrennlich, ehe sie ihre Lebenspartnerschaft eintragen ließen. Seit sie denken können, gehört es zu ihrer Liebe, das Bett zu teilen. Jetzt hat Monika zum ersten Mal entdeckt, dass Ingrid schnarcht. Sie kann nicht einschlafen, will Ingrids Schlaf nicht stören, wird immer unruhiger.

Am nächsten Tag reden die beiden. Ingrid ist schockiert! Nach einigen Nächten sind beide bekümmert über eine, wie sie finden, absolut unnötige Beziehungskrise. Es geht ihnen doch gut, sie lieben sich, aber sie wollen nicht getrennt und können nicht in einem Bett schlafen. Ingrid traut sich nicht mehr einzuschlafen, weil sie Monika nicht stören will. Monika wartet schlaflos, ob Ingrid anfängt zu schnarchen. Das Schlafdefizit wächst.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Liebe ist Aufbruch, Dynamik, Veränderung – aber ebenso sehr Bewahrung und Ritual. Liebesrituale stiften Geborgenheit, indem sie den Alltag in verlässliche Strukturen gliedern. Jede Veränderung solcher Rituale weckt Verlust-ängste. Ich finde es wohltuend, dass Ingrid und Monika versuchen, erst einmal an ihrem Ritual festzuhalten und die Störung des Gegenübers ernst zu nehmen.

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Manche Menschen können ja auch lernen, neben einem schnarchenden Partner zu schlafen, anderen ist das jedoch nicht möglich. Manchen Schnarchern helfen medizinische Angebote, anderen nicht. Getrennte Schlafzimmer erfordern einen Ritual-Umbau, der nicht nur einen Verlust an nächtlicher Nähe kompensieren, sondern sogar in sich reizvoll sein kann.