Anna di FrancescoAuf der Suche nach dem verlorenen Bild

Anhand der Schädel rekonstruieren Forscher die Gesichter der Medici. von 

Keiner weiß, wie sie aussah. Überliefert ist, sie sei schön gewesen – und ihr kurzes Leben lang krank. Anna di Francesco, 1569 geboren, war die dritte Tochter von Francesco I. und Johanna von Habsburg. Mit gerade mal neun Jahren versprachen ihre Eltern sie dem Sohn des österreichischen Erzherzogs zur Frau. Zur Heirat mit Karl Graf von Burgau kam es jedoch nicht. Mit 14 verstarb das Mädchen nach hohem Blutverlust, vermutlich zurückzuführen auf Tuberkulose. Bereits davor hatten sie jahrelang Nasenbluten und Fieberschübe geplagt.

Quellen berichten, dass der Künstler Bronzino 1578 ein Porträt der Neunjährigen gemalt hatte, das dem Bräutigam in spe nach Wien geschickt wurde. Dieses Gemälde ist bislang unauffindbar. Doch die Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen von der Universität Freiburg nahm sich des Schädels von Anna di Francesco an und fertigte am Computer eine Gesichtsrekonstruktion an.

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Die Präsentation von Annas Antlitz in der Medici-Ausstellung könnte die Suche nach dem verschwundenen Gemälde voranbringen. Vermutlich gelangte das Ölbild in die Ambraser Sammlung (damals im Besitz von Annas Verlobtem). Diese Kollektion wiederum ist heute Teil der riesigen Bestände des Kunsthistorischen Museums in Wien. Vielleicht hilft die Rekonstruktion, dem Abbild auf die Spur zu kommen.

Auch anderen Toten gab die Anthropologin ein Gesicht. In den Medici-Grüften stieß die Medizinhistorikerin Donatella Lippi auf Krüge mit Eingeweideresten und Kisten voller Knochen – darunter Schädel weiblicher Individuen. Lippi vermutete, dass es sich dabei um einige der »verschwundenen Frauen« handeln könnte – sie waren zu Lebzeiten in Ungnade gefallen und an unbekannten Orten bestattet worden, um die Erinnerung an sie verlöschen zu lassen.

Der Schädel einer zur Todeszeit 30- bis 40-jährigen Frau passte zu den anatomischen Informationen, die man von Isabella de Medici besaß, der Tochter Cosimos I. Die Rekonstruktion bestätigte diesen Verdacht: Sie gleicht stark den Isabella-Porträts aus der Renaissance.

Die Frau – der »Stern von Florenz« – zählte als Förderin der schönen Künste zu Lebzeiten zu den Prominentesten der Dynastie. Auch posthum beschäftigte sie die Fantasie der Schriftsteller – Alexandre Dumas dichtete ihr eine inzestuöse Beziehung mit dem Vater an. Triebfeder für die Spekulationen waren die ungeklärten Todesumstände Isabellas. Verbrieft ist ihre Wassersucht. Angeblich aber wurde sie, die Treulose, mit Billigung ihres eigenen Bruders vom Gatten stranguliert.

Die römische Historikerin Elisabetta Mori durchforstete den ehelichen Briefwechsel. Sie hält die Mordthese für »nicht mehr haltbar«. Denn in der Korrespondenz fand sie Belege für eine »innige lebenslange Liebesbeziehung«. Da Isabella während dieser »lebenslangen Liebesbeziehung« getrennt vom Ehemann lebte, dürfte die Spekulation damit allerdings nicht beendet sein.

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