Modefarbe WeißDas Ende der Unschuld

Weiß tragen nur Ärzte und Bräute? Diese Regel gilt zum Glück nicht mehr. von Elisabeth Raether

Es wurde vielleicht einmal zu oft behauptet, mit einer neuen Frühlingsfarbe breche eine neue Ära an. Aber dass Farben eine Bedeutung haben, ist keine Erfindung der Modehäuser und ihrer PR. Die Mode greift nur die Ideen auf, die wir uns von Farben machen, und will diese Assoziationen verändern und erweitern.

In dieser Saison hat sie sich die Farbe Weiß vorgenommen. Weiß, die scheinbar neutrale Farbe von Papier und Wänden, ist physikalisch gesprochen gar keine eigene Farbe, sondern entsteht dadurch, dass alle Spektren des Lichts sich überlagern. Das weiße Kleidungsstück war schon immer ein Statement: sauber, sportlich, harmlos wie ein Bademantel.

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Jetzt hat das Weiß sich von den erwartbaren Schnitten befreit und kommt nicht mehr nur als glatt gebügelte Bluse vor, die sagt: Ich kleckere nie, und meine Hobbys sind Tennis und Wäschewaschen. Bislang war vielleicht das einzige Weiß im Kleiderschrank das romantische Sommerkleid, das nur einmal im Jahr in den Ferien getragen wird. Oder die weiße Jeans, die immer etwas Düsseldorfiges haben wird. Jetzt werden auch die Anzüge weiß und die Schuhe. Mäntel und Jacken dürfen weiß sein. Jetzt wird Weiß also eine Farbe, die man von Kopf bis Fuß trägt, nicht mehr nur als Kragen oder als weißen Füßling, der darauf hinweist, dass man sportliches Talent besitzt.

Gar nicht unschuldig: Rooney Mara bei einer Premiere in New York Ende Januar

Gar nicht unschuldig: Rooney Mara bei einer Premiere in New York Ende Januar  |  © Reuters/Andrew Kelly

Weiß gehört zu den liturgischen Farben der christlichen Kirche und steht bekanntlich für Freude und Licht. Bei den Buddhisten ist Weiß dagegen die Farbe der Trauer und des Todes. Die Bedeutung von Farben ist nichts anderes als Kultur und also ein bisschen der Willkür unterworfen, so wie die Briten eben links und nicht rechts fahren.

Daher ist es nicht so abwegig, die Dinge einfach mal auf den Kopf zu stellen. Die Schauspielerin der Stunde, Rooney Mara, trug neulich ein weißes Kleid, das Sarah Burton für Alexander McQueen entworfen hat. Mara sah darin so wunderbar düster aus, als hätte die Farbe Weiß nie etwas mit Bräuten und dem schönsten Tag im Leben einer Frau zu tun gehabt. Und Pippa Middleton brachte uns nicht nur auf die zugegebenermaßen fragwürdige Idee, wieder durchsichtige Strumpfhosen zu tragen – sie führte auch der ganzen Welt vor, dass ein rasant geschnittenes Kleid in Weiß Karrieren begründen kann.

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Leserkommentare
  1. Im ganzen Heft sind nur Models, auf deren Rippen man Klavier spielen könnte. Nur ein Outfit könnte man sich auch in Größe 40 vorstellen. Ich empfehle den Text "would you rather be a mermaid or a whale?", der im Internet umgeht. Ansonsten verschonen Sie mich bitte mit dem alten Minimalismus "nur ein leerer Teller ist ein guter Teller -besonders wenn eine Frau davorsitzt".

    2 Leserempfehlungen
    • Mari o
    • 16. Februar 2013 11:47 Uhr

    "Düsseldorf war die Persilstadt – alle Kunst war weiß."Norbert
    Taddeusz
    und ist auch noch Modestadt und auf der Düsseldorferstr sieht man
    diese Models am hellichten Tag rumstaksen.Sie sind models und sehen garnicht gut aus.

    2 Leserempfehlungen
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    • Mari o
    • 16. Februar 2013 11:57 Uhr

    den Düsseldorfer Straßen
    insbesodere auch Kaiserswertherstr.nähe Messe.grausam

    • Mari o
    • 16. Februar 2013 11:57 Uhr

    den Düsseldorfer Straßen
    insbesodere auch Kaiserswertherstr.nähe Messe.grausam

    Antwort auf "Düsseldorfiges"
  2. Beim Betrachten der Bilder drängt sich mir enormes Unbehagen auf: Magersüchtiges übernächtigt aussehendes Model, in Opfer-Pose vor Altar, vor einer Kirche, in der Badewanne, immer mit hängenden Mundwinkeln..... . Da wurde der Spannungsbogen von Weiss/Unschuld deutlich überzogen!!

    Und das in einer "Zeit"-Ausgabe, wo über die wirklichen Probleme der Frauen in Ägypten berichtet wird. Die als wirkliche Opfer in übermenschlicher Tapferkeit für ihre Rechte kämpfen müssen....

    Pfui Teufel!!!!

  3. Dieses Heft erschreckt einen, das Modell auf der ersten Seite sieht wie ein Gespenst aus, die anderen Mädels (???) haben keinerlei Busen...und alle so freudlos im Gesicht wie am Körper. War es nicht mal Usus, dass Magermodelle nicht mehr veröffentlicht werden sollten?
    Es gibt tatsächlich wirkliche Probleme und interessante Themen. Dieses und der Sex mit Tieren (kommt man beim Anblick dieser Bilder auf solche Ideen?) gehört nicht dazu.

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  • Schlagworte Alexander McQueen | Erfindung | Hobby | Jeans | Karriere | Mode
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