An diesem Spiel mit dem Atomfeuer könnte sich Nordkoreas junger Führer die Finger verbrennen. Kim Jong Un provoziert mit dem dritten Nuklearversuch seines Landes nicht nur den Erzfeind Amerika; er fordert auch China heraus, den letzten Verbündeten, dessen Geduld allein das autistische Regime in Pjöngjang sein unverdientes Überleben verdankt.

Es war eine Provokation mit Ansage. Schon vor drei Wochen hatte Nordkorea den Atomtest angekündigt, als es wütend gegen Sanktionen protestierte, die der UN-Sicherheitsrat nach einem Raketentest über das Land verhängt hatte. Man werde weitere Raketen starten, drohte das Regime, »eine nach der anderen«. Mit diesen Starts und einem Nuklearversuch »auf höherem Niveau« trete der Kampf gegen die US-Imperialisten in eine »neue Phase«.

Phrasen, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen. So absurd klingen sie, dass man sich belustigt abwenden möchte. Lustig aber ist hier gar nichts. Nordkorea hat sich als neunte Atommacht etabliert, dürfte inzwischen über acht bis zwölf nukleare Sprengsätze verfügen. Benutzten die Nordkoreaner bei den ersten beiden Tests Plutonium, so könnten sie diesmal Uran verwendet haben. Westlichen Wissenschaftlern haben sie stolz ihre hochmoderne Urananreicherungsanlage vorgeführt.

Autismus und Hybris – der kalkulierte Wahnsinn bleibt in der Familie

Was im Iran mit aller, vielleicht sogar mit militärischer Macht verhindert werden soll, ist in Nordkorea schon Wirklichkeit geworden: Ein durch und durch unberechenbares Regime hat sich die schrecklichsten Massenvernichtungswaffen zugelegt und sich damit nahezu unangreifbar gemacht.

Der Zeitpunkt des Atomtests war wie immer sorgfältig gewählt. Am selben Abend wollte US-Präsident Obama vor dem Kongress in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation neue weitreichende Schritte zur nuklearen Abrüstung ankündigen. Du kannst uns mal!, ließ Pjöngjang mit seiner unterirdischen Explosion Obama wissen. Schon in der Vergangenheit hatte es einen seltsamen Sinn für Symbolik bewiesen, wie ein Rüpel, der sich mit bedachten Regelverletzungen wichtig machen will.

In zwei Wochen tritt überdies Südkoreas neue Präsidentin Park Geun Hye ihr Amt an, eine Moderate, die auf einen knallharten Konservativen folgt. Die Machtdemonstration des Nordens macht es ihr nicht leichter mit der angekündigten »Politik des Vertrauens«. Frau Park wollte auf Nordkorea zugehen, hatte einen Besuch in Aussicht gestellt. Dies alles, obwohl ihre Mutter, Frau des damaligen Präsidenten Park Chung Hee, 1974 von einem nordkoreanischen Agenten erschossen wurde. Nun dürften die Beziehungen zwischen Nord und Süd einmal mehr vereisen.

Dabei war erst vor wenigen Wochen Hoffnung auf einen Wandel in Nordkorea aufgekeimt. In seiner Neujahrsansprache hatte der vermutlich 30 Jahre alte Kim Jong Un eine »radikale Wende« in der Politik Nordkoreas angekündigt. Kenner des Landes warnten schon damals vor übertriebenen Erwartungen. Jetzt zeigt sich, dass die Kim-Dynastie, die in dritter Generation über Nordkorea wie über einen Familienbesitz herrscht, von Wandel nichts wissen will.