Quengelzone: "Elefantenkaffee"
Marcus Rohwetters unentbehrliche Einkaufshilfe.
Manche Produkte sind so überflüssig, dass man sie nicht einmal in hiesigen Supermärkten bekommt. Etwa der indonesische Katzenkaffee, der seit etwa zehn Jahren auch in Deutschland eine gewisse Bekanntheit hat. Um ihn herzustelllen, lässt man Kaffeekirschen von einer Schleichkatzenart fressen und vorverdaut ausscheiden, bevor man die Bohnen röstet und zu brutal hohen Preisen an Leute verkauft, die sich wirklich alles andrehen lassen. Kopi Luwak heißt das Zeug, und angeblich erhalten die Bohnen im Darm der Katze ihr einzigartiges Aroma.
Viele Nachahmer sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen (den des Geldes, nicht des Kaffees!) und lassen andere, weitaus durchsatzstärkere Tiere die Kirschen essen und ausscheiden. Den Katzen folgten bald Affen, und seit vergangenem Herbst serviert die thailändische Luxushotelkette Anantara »Black Ivory«-Elefantenkaffee. Aus dem Darm von Dickhäutern.
Das ist das Tolle am Kapitalismus: Scheiße lässt sich tatsächlich zu Gold machen. Denn in der Gourmetschickeria von New York oder Phuket findet man immer Leute mit mehr Geld als Verstand – und vielleicht gilt das sogar für Ihren Heimatort. Versuchen Sie’s: Fegen Sie den Boden Ihres Vogelkäfigs aus, und bereiten Sie mit heißem Wasser einen schmackhaften Aufguss! Haben Sie einen Kaninchenstall? Verlangen Sie nicht weniger als 80 Euro pro Tasse, sonst werden Ihre Kunden misstrauisch!
- Quengelzone
Von Verkäufern genötigt? Genervt von Werbe-Hohlsprech und Pseudo-Innovationen? Melden Sie sich: quengelzone@zeit.de
Ich kenne auch Leute mit Haustieren, und für 120 Euro cash stelle ich Ihnen gern eine höchst individuelle Mischung zusammen. Wenn Sie anhand des einzigartigen Aromas anschließend die Tierart rausschmecken, geht der Drink aufs Haus, und Sie dürfen auf eigene Kosten in einem Anantara-Hotel ihrer Wahl übernachten. Abgemacht?




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