Schauspielerin Erika Pluhar"Meine Ehemänner waren machtorientierte Menschen"

Erika Pluhar litt unter Magersucht, bis sie in einem Sommerurlaub zwei Bäuerinnen kennenlernte. von Herlinde Koelbl

ZEITmagazin: Frau Pluhar, Sie haben ein sehr bewegtes Leben geführt. Ist es jetzt ein bisschen ruhiger geworden?

Erika Pluhar: Solange man lebt, muss man sich auch immer wieder mal rütteln und schütteln lassen von allem Möglichen, wovon man dachte, es wäre schon vorbei. Ich bin jemand, der auch diese Zeit voller Abschiede auslebt. Aber morgens bin ich fast immer sehr dunkel und muss mich aus dieser Dunkelheit im wahrsten Sinne des Wortes erst erheben, bevor es wieder geht. Wirklich gelassen bin ich nicht.

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ZEITmagazin: Sie haben sich immer mit ungewöhnlichen Menschen umgeben. Ihr erster Ehemann Udo Proksch wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, Ihr zweiter Ehemann André Heller ist eine schillernde Persönlichkeit, Ihr Lebenspartner Peter Vogel beging Selbstmord. Was hat Sie an extremen Beziehungen gereizt?

Pluhar: Unbewusst hat mich wohl an diesen Menschen genau das angezogen, was ich selbst in dieser Form nicht ausgelebt habe. Irgendeinen braven Mann, der sich lieb um mich kümmert, hätte es auch irgendwo gegeben. Aber das hat mich nicht interessiert, sondern dieser verwegene Wunsch, das Leben auszureizen oder bis an den Rand mit der eigenen Persönlichkeit zu füllen.

Erika Pluhar

73, wurde in Wien geboren. Die Schauspielerin gehörte von 1959 bis 1999 zum Ensemble des Burgtheaters. Während ihrer zweiten Ehe mit dem Liedermacher André Heller begann sie, zu singen und eigene Lieder zu schreiben. Danach verfasste sie Romane, zuletzt erschien von ihr »Im Schatten der Zeit«

ZEITmagazin: Sie haben in den Beziehungen mit Ihren Männern das Abenteuer gesucht.

Pluhar: In Wahrheit war es in meinen Ehen sehr schmerzvoll. Meine Ehemänner waren machtorientierte Menschen, und ich musste darum ringen, nicht zerstört zu werden. Es waren keine glamourösen Jahre, sondern sehr schwierige. Mein Privatleben war nur lebbar für mich, weil ich letztlich bis auf die zwei Jahre mit Peter Vogel immer allein gelebt habe. Ich habe nie ein Eheleben geführt, wie man sich das vorstellt. Wir haben nie lange Tisch und Bett geteilt, eher ab und zu das Bett, ab und zu den Tisch.

ZEITmagazin: Wie haben die Männer Sie als Frau gesehen?

Pluhar: Meine Ehemänner meinten nachträglich, dass sie mich natürlich auch meines Wesens wegen geliebt hätten, aber beiden ging es nicht so sehr um die Erika, sondern um die Pluhar. Es gab eine Zeit, in der ich dachte: Hat mich jemals irgendjemand geliebt, weil ich ich bin?

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