Stilkolumne : Optische Extremisten

Schon als Säuglinge sind wir fasziniert von krassen Kontrasten. Kein Wunder also, dass Schwarz-Weiß ein modischer Dauerbrenner ist. So auch 2013.
Tasche von Tod's © Peter Langer

Es sagt heute ja niemand mehr, dass er die Welt in Schwarz-Weiß sehe. Schwarz-Weiß ist für Extremisten, die keine Zwischentöne kennen, die immer recht haben, und zwar in jeder Hinsicht. Dabei fangen wir alle so an. Wenige Wochen alte Säuglinge fahren vor allem auf Schwarz-Weiß ab, auf krasse Kontraste, auf ganz hell und ganz dunkel, das ist das Erste, was wir verstehen. In diesem Sinne wird der nächste Sommer toll für Babys. Wenn die Mutter entsprechend vermögend ist, kann sie wählen zwischen schwarzer Hose mit weißem Seidentop (Céline), weißem Top mit schwarzen Schultern (Jil Sander), Oberteil mit schwarz-weißen Querstreifen zum Rock mit schwarz-weißem Kreuzchenmuster (Marc Jacobs) sowie einem Mantel mit schwarz-weißem Grafikmuster (Proenza Schouler). Diese Liste ließe sich lange fortführen, denn in fast jeder aktuellen Designer-Kollektion tauchen irgendwo Schwarz-Weiß-Kontraste auf.

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Die sind ja nicht ganz neu in der Mode. In den sechziger Jahren waren simple A-Linie-Kleider mit großen grafischen Schwarz-Weiß-Mustern populär. Durch klare Schnittführung, puristisches Design und geometrische Details wirkt der Look futuristisch – reduziert auf Linien und schlichte Silhouetten. Auch in den achtziger Jahren tauchten schwarz-weiße Kontraste auf: Markante Silhouetten und vertikale monochrome Streifen betonten die Statur der jeweiligen Trägerin. Das Schwarz-Weiß sollte nicht spielerisch sein, sondern hart und durchsetzungsstark.

Ist das vielleicht auch ein Statement für 2013? Mit breiten Schultern durch ein schwammiges Jahr? Schwarz-Weiß-Looks funktionieren davon abgesehen immer. Als kleinteilig gemustertes Sommerkleid, als Hosenanzug, als festliche Abendgarderobe oder in Strick. Die Farbkombination hat eine reinigende Wirkung und ist eine wohltuende Abwechslung von all den Farbspielereien der jüngeren Vergangenheit, dem Colour-Blocking, dem Sonnengelb, den Neonfarben. Die haben eigentlich ohnehin nie jemandem wirklich gut gestanden.

Also, Kinder, guckt diesen Sommer noch einmal gut hin. Denn bessere Kontraste wird es im Leben nie mehr geben. Bald wird euch die Welt nur noch in Schattierungen entgegentreten, bis dann irgendwie alles grau erscheint.

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