Stimmt's?Zog Hannibal wirklich mit Kriegselefanten über die Alpen?

… fragt Rudolf Last aus Lorup. von 

Es sei »nicht zu bezweifeln, dass Hannibal tatsächlich mit Elefanten über die Alpen gezogen ist«, sagt Boris Dreyer, Professor für Alte Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg. »Nur der genaue Weg ist umstritten.«

Die Historiker stützen sich auf ihren antiken griechischen Kollegen Polybios, der im zweiten vorchristlichen Jahrhundert lebte und als zuverlässige Quelle gilt. Hannibal brach demnach im Jahr 218 v. Chr. mit einem Heer von 38.000 Mann und 34 (manche Quellen sagen 37) Kampfelefanten in Richtung Norditalien auf. Die Römer versperrten ihm den Weg entlang der Küste, deshalb musste er durchs Rhonetal und dann über die Alpenpässe ziehen.

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Kriegselefanten waren damals keine neue Erfindung – aber sie den beschwerlichen Weg in der Kälte Mitteleuropas (es war Oktober) antreten zu lassen, das war schon eine Pionierleistung. Während ein großer Teil der Elefanten die Alpenüberquerung überstand, kamen in den folgenden Wintermonaten fast alle um – bis auf einen, Hannibals persönlichen Elefanten mit Namen Surus.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Aber wie kam Hannibal an die Elefanten? Heute leben die Rüsseltiere ja nur noch in Indien und in Afrika südlich der Sahara – beides ziemlich weit entfernt vom heutigen Tunesien, wo sich Karthago befand.

Damals gab es allerdings auch noch eine Subspezies von Elefanten in Nordafrika, Loxodonta africana pharaoensis, die kurz nach der Eroberung durch die Römer ausstarben. Diese kämen infrage, aber auch die Waldelefanten (Loxodonta cyclotis), die seit einigen Jahren als eigene Spezies gelten. Hannibals persönlicher Elefant Surus aber, das schließt man aus dem Namen (»der Syrer«) und den historischen Beschreibungen, war wohl ein importierter Indischer Elefant.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. 1. falsch

    Surus ist ein phönizisches und damit semitisches Wort mit der Wurzel sur- und bedeutet so viel wie “wahr“, also der Wahre, der Einzigartige.

    5 Leserempfehlungen
  2. ...dass man afrikanische Elefanten auch "zähmen" kann, sei es auch nur für den Zweck menschlicher Kriegsführung...

    3 Leserempfehlungen
  3. ...auch bei Elefanten. Da wäre auch Hannibal drauf gekommen.

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    Aber nicht beim Menschen!
    Denn Alkohol weiter die Bluutgefäße und führt somiut zum Wärmeverlust.
    Ihnen Wirdzwar anfänglich warm, aber nach diesem Schub kühlt der Organismus umso schneller aus.

  4. Aber nicht beim Menschen!
    Denn Alkohol weiter die Bluutgefäße und führt somiut zum Wärmeverlust.
    Ihnen Wirdzwar anfänglich warm, aber nach diesem Schub kühlt der Organismus umso schneller aus.

    6 Leserempfehlungen
    • Snorrt
    • 24. Februar 2013 4:27 Uhr

    ... ich möchte mir gar nicht vorstellen, welche Katastrophe ein Schnupfen bei einer derart großen Nase gewesen wäre ...

    6 Leserempfehlungen
  5. ob Hannibal tatsächlich auf einem Elefanten über die Alpen ritt oder nicht?

    Hmmh ... gähn ...

    merkwürdig erscheint mir nur, dass sich niemand fragt, wie ein derart massives Tier auf äusserst schmalen Alpenpfaden unterwegs sein kann. Da passt doch eher nur ein halber Elefantenfuß drauf.

    Wie das dann ging, würde mich eigentlich viel eher interessieren !!!

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    • carlp
    • 24. Februar 2013 15:05 Uhr

    In der Dokumentation "Hannibals Elefanten" ist man diesen Fragen - auch experimentell mit echten Elefanten in den Alpen - nachgegangen.

    Info: http://elefanten.wikia.co...

    Doku bei Youtube: http://www.youtube.com/wa...

    Viele Grüße!

    ist halt EINE Fragestellung in dieser Kolumne und bereits im "Aufmacher" beschrieben. Somit kann der pfiffige Leser entscheiden ob er fortführt oder nicht.

    Zitat: "... wie ein derart massives Tier auf äusserst schmalen Alpenpfaden unterwegs sein kann ..." -- die werden halt die Brennerautobahn benutzt haben.

    • carlp
    • 24. Februar 2013 15:05 Uhr

    In der Dokumentation "Hannibals Elefanten" ist man diesen Fragen - auch experimentell mit echten Elefanten in den Alpen - nachgegangen.

    Info: http://elefanten.wikia.co...

    Doku bei Youtube: http://www.youtube.com/wa...

    Viele Grüße!

    Eine Leserempfehlung
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    das ist ja interessant und hilft meiner brennenden Frage weiter!

  6. "Die Historiker stützen sich auf ihren antiken griechischen Kollegen Polybios, der im zweiten vorchristlichen Jahrhundert lebte und als zuverlässige Quelle gilt."

    Griechische Quellen sind mit grosser Vorsicht zu geniessen. Die Berichte sind häufig eine Mischung aus stark abgewandelten mündlichen Überlieferungen, Übertreibung der Ereignisse, einigen Fakten und Märchen.

    Es hat wahrscheinlich nie ein Trojanisches Pferd gegeben, kein Atlantis und es ist nie jemand von Marathon aus die Strecke gelaufen um eine Siegesnachricht zu überbringen.

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    Griechische Quellen allesamt unzuverlässig? Da muß man doch sehr differenzieren. Die Althistoriker sind sich weitgehend einig, daß Polybios über große Sachkenntnis verfügte (war ja immerhin Sohn eines Strategen des Achäischen Bundes und als Geisel in Rom auch mit dortigen Gewährsleuten in engem Kontakt) und seine ihm vorliegenden Quellen bisweilen hyperkritisch überprüft hat. Die "Elefanten"-Geschichten Hannibals dürften im Kern stimmen. Die Karthager haben sich beim Einsatz von Kriegselefanten gewiß vom Vorbild der Alexander-Diadochen im Westen leiten lassen. Ptolemaios (und Söhne) wie auch der berühmte König Pyrrhos von Epirus verfügten über Kriegselefanten - letzterer hat sie sogar in Süditalien gegen die Römer eingesetzt. Das waren gewiß keine nordafrikanischen Seitenverwandten, sondern bestens ausgebildete indische Exemplare.

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  • Serie Stimmt's
  • Schlagworte Alpen | Antike | Geschichte | Italien
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