Karlie Kloss : "Ich möchte in die Fußstapfen meines Vaters treten und Ärztin werden"

Karlie Kloss ist eines der meistbeschäftigten Models der Welt. Seit sie ihren Vater eine Nacht lang auf der Notaufnahme begleitet hat, träumt sie davon, Ärztin zu werden.

Als ich 13 war, gab es in meiner Familie ein Ritual beim Abendessen. Mein Vater arbeitete als Arzt in der Notaufnahme, für ihn begann nach unserem Dinner seine Nachtschicht. Aber erst fragte er meine drei Schwestern und mich geduldig nach unseren Hausaufgaben aus. Bis ich es nicht mehr aushielt und rief: Dad, erzähl doch mal von letzter Nacht! Und dann begann er zu erzählen: von bizarren Verletzungen, gruseligen Knochenbrüchen, fürchterlichen Notoperationen. Zum Schluss sagte er immer: In der Notaufnahme weißt du nie, was im nächsten Moment geschehen wird.

Eines Abends fragte er mich, ob ich ihn mal begleiten möchte. Natürlich wollte ich. Einige Tage darauf ging ich mit ihm zur Arbeit, ich zog mir einen weißen Kittel an, schnappte mir ein Clipboard und schrieb alles mit, was er mir diktierte – welche Tabletten dieser Patient bekommen sollte, welche Behandlung ein anderer. In dieser Nacht wurde mein Vater für mich zu einem Superhelden. Und in dieser Nacht wurde mein Traum geboren, einmal in seine Fußstapfen zu treten und Ärztin zu werden.

Ich glaube, ich kann sehr gut die Anforderungen dieser Arbeit einschätzen. Jahrelang habe ich mit angesehen, wie mein Vater abends um sieben aus dem Haus ging und morgens um sieben zurückkam. Es war, als würde er unser Leben rückwärts leben. Ich weiß, dass er einen anstrengenden Job hat, dass er sich jahrelang durch das Medizinstudium quälen musste, um als Assistenzarzt im Chicago County Hospital anzufangen. Das war in den achtziger Jahren. Damals befragten gerade einige Fernsehproduzenten Ärzte des Krankenhauses nach ihren Erlebnissen, auch meinen Vater. So flossen seine Erfahrungen in die Entwicklung der Serie Emergency Room ein.

Karlie Kloss

20, in Chicago geboren, ist derzeit eines der meistbeschäftigten Models der Welt. Ihr Gesicht ziert die Kampagnen vieler großer Modemarken, auf dem Laufsteg trat sie unter anderem für Christian Dior und Victoria’s Secret auf. Vor Kurzem war sie das offizielle Gesicht der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin. Karlie Kloss lebt in New York

Im Moment kann ich gar nicht daran denken, ein Studium in mein Leben zu integrieren, ich schaffe es ja kaum, in den Supermarkt zu gehen. Aber zum Glück haben mir meine Eltern einen großen Wissensdurst vererbt. Ich versuche jeden Tag die Zeitung zu lesen, das Wall Street Journal oder die New York Times. Gern würde ich Fachbücher lesen – zum Beispiel über Anatomie. Wie der Körper aufgebaut ist, wie er im Zusammenspiel von Knochen und Muskulatur funktioniert, das fasziniert mich. Acht Jahre lang habe ich Ballett getanzt. Da konnte ich sehen, wie seltsam sich die Anatomie manchmal auswirken kann. In einem Sommer bin ich um fast fünfzehn Zentimeter gewachsen, und mein Gleichgewichtssinn funktionierte auf einmal schlechter. Ich fühlte mich überhaupt nicht mehr graziös wie eine Ballerina.

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Kürzlich habe ich mich als Freiwillige verpflichtet und im Krankenhaus der New York University auf der Station für Frühgeburten ausgeholfen. Das Haus war vom Hurrikan Sandy beschädigt worden, wir transportierten diese kleinen, fragilen Babys in ein anderes Gebäude. In diesem Moment verspürte ich wieder den Wunsch, ihnen besser helfen zu können. Und ich wusste, den Traum vom Medizinstudium muss ich in meinem Leben unbedingt noch verwirklichen.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Was soll an Idealismus falsch sein?

Viele fangen etwas nur aus Idealismus an und müssen sich später - notgedrungen - mit Realitäten abfinden. Doch wenn man zuvorderst nur die Nachteile und Einschränkungen bestimmter Tätigkeiten wie eben den des Arztberufs sieht, wer würde dann noch ein Medizinstudium beginnen?

Wann wird man bspw. freiwillig Kranken- oder Altenpfleger, wenn nicht aus Idealismus? Die gleiche Frage kann man auf viele Gemeinnützige Tätigkeiten und Berufe übertragen. Wer wird heutzutage, unter diesen widrigen Arbeitsbedingungen, bspw. freiwillig Lehrer, wenn nicht Idealisten?

Falsch daran ist folgendes:

Der Idealismus treibt die Leute in den Beruf. Die Realität wieder hinaus. Das ist individuell sehr enttäuschend und kann wirtschaftlich sehr schwierig sein. Und volkswirtschaftlich ist es auch recht teuer. Daher müssen die Arbeitsbedingungen in den Soziaberufen, auch bei den Ärzten, ganz erheblich verbessert werden. Sonst werden ganze Landstriche in den den nächsten zwei Jahrzehnten nicht mehr versorgt werden: Niederrhein, Eifel, Hunsrück, Bergisches Land, Emsland, Ostfriesland, Harz, Rhön,....

Was Sie nicht sagen.

"Es gibt sportliche und unsportliche, rauchende und nichtrauchende usw. Würden Sie alle Ärzte aussortieren, die kein körperliches und psychisches Optimum leben, bliebe je nach Strenge der Kriterien vermutlich kein Arzt über."

Aber einen Arzt, der Patienten das Rauchen oder einen BMI deutlich unter 17 anraten würde, werden Sie kaum finden. Ein kritisches Untergewicht ist aber die Grundlage für die Arbeit als Model. Im Fall von Frau Kloss, die ja durchaus einen Stoffwechsel haben kann, wie man ihn unter Tausend Frauen nur einmal findet und von der ich nicht behaupte, dass sie nicht auch ein guter Arzt werden kann, ist das besonders schlimm, weil sie vielen Frauen tatsächlich als Figurideal/Vorbild dient.