Tuk-TukVon A nach B

Ralph Geisenhanslüke fährt in Bangkok mit dem Tuk-Tuk einen ziemlich großen Umweg von Ralph Geisenhanslüke

Ein Tuk-Tuk in Bangkok

Ein Tuk-Tuk in Bangkok  |  CC BY-ND 2.0 jscoke/flickr

Früher Abend, 33 Grad, die Luft steht. Auch die Brise vom Flussufer legt allenfalls eine modrige Grundnote unter die Autoabgase und die Aromen der dampfenden Garküchen am Straßenrand. Der Fahrer döst auf der Rückbank mit der schmiedeeisernen Lehne. Scheinbar. Aus einem halb offenen Auge beobachtet er, wie wir aus dem Hotel kommen. Er knipst sein Lächeln an.

In Bangkok geht man wenig zu Fuß. Thailänder kommen gar nicht erst auf die Idee, Nichtthailänder schwitzen schon nach wenigen Metern, als liefen sie Marathon. Selbst bis zur nächsten Ecke lässt man sich auf einem Moped durch den Dauerstau bugsieren. Im Normalfall empfiehlt sich ein auf 18 Grad heruntergekühltes Taxi. Niemand, der bei Sinnen ist, steigt in ein Tuk-Tuk. In diesen dreirädrigen Höllenmaschinen ist man Lärm und Smog schutzlos ausgeliefert, ihre Fahrer gelten als verwegene Schlepper.

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Unser Ziel, das Dachrestaurant des Hotels Lebua at State Tower, liegt in Sichtweite. Doch der Sundowner-Cocktail auf der Terrasse des Oriental hat uns Abenteuerlaune eingeflößt. Das Tuk-Tuk erwacht mit genau jenem Geräusch zum Leben, das ihm seinen Namen gab. Tuk-Tuks überall auf der Welt sind Nachfahren des Piaggio Ape. Mögen sie auch, wie die thailändischen Modelle der Firma Tuk Tuk Forwerder, heute mit Gas fahren, das Tuckern ist geblieben. Am Rückspiegel tanzt ein kleiner Blütenkranz zu den Schwingungen des Motors.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Unser Fahrer reicht eine in Plastik eingeschweißte Karte nach hinten. Fotos von jungen Frauen, Lokale mit Stangen auf der Bühne. »Have have!«, rufen wir gegen den Fahrtwind. Das ist hier eine höfliche Art, »Nein, danke!« zu sagen. Die nächste Karte zeigt Uhren namhafter Hersteller. Wir beschließen, ihm ein gutes Tageseinkommen zu verschaffen, und besuchen Hersteller und Händler von Holzarbeiten, Maßanzügen, Diamanten zweifelhafter Herkunft. Wir lernen Seidenmaler, Goldschmiede, Elfenbeinschnitzer kennen. Wir kaufen nichts, doch jedes Mal bekommt unser Fahrer eine Kleinigkeit oder wird in eine Liste eingetragen. Als ihm keine weitere Adresse mehr einfällt, bringt er uns zu unserem eigentlichen Ziel – nach zweistündiger Rundfahrt. Zu Fuß wären es fünf Minuten gewesen. Aber wir haben seinen Arbeitsplatz gesichert. Den Drink haben wir uns verdient.

Technische Daten
Motorbauart: 3-Zylinder-Gasmotor
Leistung: 24 kW (32 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
CO₂-Emission: 100 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,5 Liter
Basispreis: 95.000 Baht (2.400 Euro)
Fahrpreis: Verhandlungssache

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor.

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Leserkommentare
  1. Selbst für jemand, der wie ich schon lange in Bangkok lebt, war dieser Bericht eine Überraschung. Gut recherchiert, und endlich mal eine Story "aus einem ganz anderen Blickwinkel". Vor allem das Resümée brachte mich zum Lächeln...wirklich auf den Punkt gebracht. Danke - und bitte mehr solche amüsanten und interessanten Geschichten über Thailand! Grüsse aus dem "Land des Lächelns". Nathalie Gütermann, Chefredakteurin des Lifestyle- & Reiseportals www.Thaizeit.de

  2. Frau Gütermann hat in ihrem 1. Kompliment natürlich schon recht. Der Artikel liest sich gut und entlockt auch mir ein Schmunzeln.
    Da der Artikel aber unter "Auto" nicht unter "thai-life-style" publiziert ist, erwartet der Leser vielleich auch etwas seriösere Recherche im technischen Bereich. Für diese Leser berichtige und ergänze ich deshalb gerne:
    1. Die Tuk-Tuk's der Welt sind definitiv nicht Nachfahren von Ape. Die wurden überall und immer wieder unabhängig erfunden. Wenn Sie einen Erfinder des Tuk-Tuk nennen wollen, dann war das der Herr Benz vor 126 Jahren. (Drei Räder, Tuk-Tuk) Wenn Sie den nicht kennen, er war Deutscher und ist mit Google leicht zu finden.
    2. Der Gasantrieb hat mit dem Hersteller nichts zu Tun. Das ist, weil Thailand eigenes Erdgas hat, das billiger als Benzin ist. Betrieben werden die alten Motoren, zwei- und Viertakt. Nur der Vergaser verliert seinen Namen. Eines meiner Tuk-Tuk's wurde für Europa von Gas wieder auf Benzin zurückgebaut.
    3. Die Höchstgeschwindigkeit von 140km/h dürfte für das flache Bangkok etwas hoch gegriffen sein. Ich kenne selbst in der Schweiz keine so steil abfallende Strasse, auf der das erreichbar wäre. Im offenen Tuk im Stadtverkehr von Bangkok werden Ihnen aber schon 50km/h wie Ueberschallgeschwindigkeit vorkommen. Ich bin überzeugt, der Fahrer, der diese Geschwindigkeit genannt hat, ist von der Richtigkeit seiner Angaben überzeugt. Da ein Tuk-Tuk keinen Tacho hat,(wozu denn auch?) weiss er es kaum besser.
    R. Ernst, TukDriver

  3. Als Fahrer eines Strassenzugelassenen Tuk-Tuk in der Schweiz habe ich ein Fachwissen, das ich hier gerne ergänzend zum Artikel von Ralph Geisenhanslücke weitergebe.
    Die technischen Daten meines ersten Tuk-Tuk's sind:
    Motor: 2-Zylinder-2-Takt wassergekühlter Benzin, Typ ZM
    Motor, Getriebe, Hinterachse von Daihatsu S38 "hijet"
    Leistung: 26 PS bei 5500/Min
    Höchstgeschwindigkeit: 83 km/h (Messung Navi, leer)
    Geräusch: 69dB(A) bei 3750/Min (7-m-Messung)
    Durchschnittsverbrauch: 8L Stadtverkehr Thai-Style beladen
    Fahrpreis: Pauschal Verhandlungssache

    Quellen: www.Thai-TukTuk.ch, www.tuktuk.magix.net
    Mit Besten Grüssen aus der Schweiz
    R. Ernst, First swiss TukDriver

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  • Schlagworte Diamant | Marathon | Piaggio | Smog | Bangkok
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