Ein Tuk-Tuk in Bangkok

Früher Abend, 33 Grad, die Luft steht. Auch die Brise vom Flussufer legt allenfalls eine modrige Grundnote unter die Autoabgase und die Aromen der dampfenden Garküchen am Straßenrand. Der Fahrer döst auf der Rückbank mit der schmiedeeisernen Lehne. Scheinbar. Aus einem halb offenen Auge beobachtet er, wie wir aus dem Hotel kommen. Er knipst sein Lächeln an.

In Bangkok geht man wenig zu Fuß. Thailänder kommen gar nicht erst auf die Idee, Nichtthailänder schwitzen schon nach wenigen Metern, als liefen sie Marathon. Selbst bis zur nächsten Ecke lässt man sich auf einem Moped durch den Dauerstau bugsieren. Im Normalfall empfiehlt sich ein auf 18 Grad heruntergekühltes Taxi. Niemand, der bei Sinnen ist, steigt in ein Tuk-Tuk. In diesen dreirädrigen Höllenmaschinen ist man Lärm und Smog schutzlos ausgeliefert, ihre Fahrer gelten als verwegene Schlepper.

Unser Ziel, das Dachrestaurant des Hotels Lebua at State Tower, liegt in Sichtweite. Doch der Sundowner-Cocktail auf der Terrasse des Oriental hat uns Abenteuerlaune eingeflößt. Das Tuk-Tuk erwacht mit genau jenem Geräusch zum Leben, das ihm seinen Namen gab. Tuk-Tuks überall auf der Welt sind Nachfahren des Piaggio Ape. Mögen sie auch, wie die thailändischen Modelle der Firma Tuk Tuk Forwerder, heute mit Gas fahren, das Tuckern ist geblieben. Am Rückspiegel tanzt ein kleiner Blütenkranz zu den Schwingungen des Motors.

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Unser Fahrer reicht eine in Plastik eingeschweißte Karte nach hinten. Fotos von jungen Frauen, Lokale mit Stangen auf der Bühne. »Have have!«, rufen wir gegen den Fahrtwind. Das ist hier eine höfliche Art, »Nein, danke!« zu sagen. Die nächste Karte zeigt Uhren namhafter Hersteller. Wir beschließen, ihm ein gutes Tageseinkommen zu verschaffen, und besuchen Hersteller und Händler von Holzarbeiten, Maßanzügen, Diamanten zweifelhafter Herkunft. Wir lernen Seidenmaler, Goldschmiede, Elfenbeinschnitzer kennen. Wir kaufen nichts, doch jedes Mal bekommt unser Fahrer eine Kleinigkeit oder wird in eine Liste eingetragen. Als ihm keine weitere Adresse mehr einfällt, bringt er uns zu unserem eigentlichen Ziel – nach zweistündiger Rundfahrt. Zu Fuß wären es fünf Minuten gewesen. Aber wir haben seinen Arbeitsplatz gesichert. Den Drink haben wir uns verdient.

Technische Daten
Motorbauart: 3-Zylinder-Gasmotor
Leistung: 24 kW (32 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
CO₂-Emission: 100 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,5 Liter
Basispreis: 95.000 Baht (2.400 Euro)
Fahrpreis: Verhandlungssache

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor.