PlagiatsfälleLernen aus dem Fall Schavan

Die Wissenschaft sollte ein Prozent ihres Etats für die Sicherung ihrer Qualität ausgeben. Ein Vorschlag. von Jürgen Zöllner

Die Diskussion um den aberkannten Doktortitel von Annette Schavan macht es offensichtlich: Die Wissenschaft hat ein Problem mit ihrer Qualitätssicherung. Das ist ein gravierender Befund. In unserer Gesellschaft durchdringen Ergebnisse und Aussagen der Wissenschaft alle persönlichen, wirtschaftlichen und politischen Lebensbereiche. Daher muss eine hohe Qualität von Wissenschaft ein gesamtgesellschaftliches Ziel sein. Doch nur die Wissenschaft selbst kann dies leisten. Allgemeine Empfehlungen und moralische Appelle reichen da nicht, ebenso wenig wie vereinzelte Prüfungen im Verdachtsfall. Vielmehr müssen die Universitäten und Forschungsorganisationen die Einhaltung der Standards wissenschaftlichen Arbeitens systematisch kontrollieren und jede Verfehlung gegen die »Gesetze der Wissenschaft« zügig und transparent sanktionieren.

Die zurzeit so leidenschaftlich diskutierten Plagiate in meist geisteswissenschaftlichen Promotionen sind dabei aus meiner Sicht eher das kleinere Problem. Für gefährlicher halte ich die Möglichkeit, Daten in den experimentellen und empirischen Wissenschaften zu manipulieren. Ist denn in der Breite gewährleistet, dass bei Versuchsreihen die Proben eines Experiments, die nicht ins erwünschte Ergebnis passen, nicht einfach weggelassen werden? Dabei werden aufgrund solcher Versuchsreihen – als scheinbar gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis – Entscheidungen mit erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen getroffen. Bisher haben nur einige wenige spektakuläre Fälle von gefälschten Daten das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Gewiss sind sie nicht die Regel. Aber wir wissen, dass Manipulationen vorkommen, so wie wir alle in der Wissenschaft wussten, dass spätestens seit es den »rechten Mausklick« gibt, großzügig fremde Texte in eigene Arbeiten hineinkopiert wurden. Aber erst nach einer öffentlichen Diskussion über spektakuläre Einzelfälle begann die Wissenschaft, dieses Problem systematisch anzugehen. Für die Universitäten ist das ein Armutszeugnis.

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Nur die Wissenschaft selbst kann Vorschläge für Kontrollen machen

Wirtschaftsunternehmen geben mehrere Prozent ihres Etats für die Kontrolle und Qualitätssicherung ihrer Produkte aus. Ich habe in den letzten Jahren oft appelliert: Nehmen wir uns ein Beispiel an der Wirtschaft. Würde die deutsche Wissenschaft nur ein Prozent ihres Etats für die Sicherung der Qualität ihrer Arbeit ausgeben, kämen mehr als 200 Millionen Euro zusammen. Ich kann nicht erkennen, dass die Hochschulen und Forschungseinrichtungen auch nur einen Bruchteil dieser Summe für den genannten Zweck ausgeben. Manchmal ist Geld eben doch eine geeignete Orientierungsgröße, um abzuschätzen, wie wichtig jemandem ein Problem ist. Und dass das Geld in der Wissenschaft derzeit zu knapp dafür sei, kann mir niemand erzählen. Im Zweifel soll man eben weniger forschen. Wo, wenn nicht in der Wissenschaft, muss Qualität vor Quantität gehen? Was also wird getan, um Grundsätze der Wissenschaft auch durchzusetzen und sie laufend weiterzuentwickeln? Ich meine: zu wenig.

Die bestehenden Grundsätze für gutes wissenschaftliches Arbeiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft waren vor zehn Jahren richtungsweisend. Sie müssen aber fortgeschrieben und durch konkrete Vorgaben und Sanktionen ergänzt werden, begleitet durch laufende Kontrollen. Zum Beispiel könnte es sinnvoll sein, Forschungsarbeiten – und zwar nicht nur Promotionen! – nur dann zu akzeptieren, wenn die Originaldaten im Netz für jedermann zugänglich sind. Ebenso sollte man erwarten dürfen, dass jede Hochschule personell so ausgestattet ist, dass sie routinemäßig über Stichproben alle Arbeiten auf Plagiate überprüfen kann. Und warum nicht einen ganz kleinen Teil der Forschungsmittel zur Verfügung stellen, um Experimente einfach nur zu wiederholen? Allein diese Aussicht würde potenzielle Datenfälscher abschrecken.

Jürgen Zöllner

Jürgen Zöllner (SPD) war bis 2011 insgesamt 20 Jahre lang Wissenschaftsminister in Rheinland-Pfalz und Berlin.

Nur die Wissenschaft selbst kann konkrete fächerspezifische Vorschläge sowohl für Standards als auch für Kontrollen und Sanktionen machen. Hätte man für die Durchsetzung der schon lange bestehenden Grundsätze gesorgt, wäre im Fall Schavan vieles anders gelaufen. Anders schon damals: Ein Doktorvater und der Zweitgutachter hätten merken müssen, dass Zitierfehler vorliegen – wenn sie von dem Thema etwas verstanden, sie die einschlägige Literatur gekannt und sie die Arbeit gelesen hätten.

Und anders bis heute: Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hat recht mit ihrer Kritik an der Universität Düsseldorf. Zu den Grundsätzen wissenschaftlicher Qualitätssicherung gehört die fachwissenschaftliche Expertise, das Mehraugenprinzip, die Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden. Somit hätte das Überprüfungsverfahren eine andere Struktur haben müssen, wobei es für die Wissenschaft gar keine Rolle spielt, ob das praktizierte Verfahren formal korrekt war. Die Universität Düsseldorf hat also damals wie heute Grundsätze der Wissenschaft, vermutlich vorsätzlich und systematisch, missachtet. Wo also bleibt die Selbstregulationskraft der Wissenschaftscommunity, wenn eine Universität an diesen Grundsätzen vorbeischrammt?

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Leserkommentare
  1. Die geforderten Mechanismen zur Qualitätskontrolle gibt es ja bereits: Gutachten, peer review, und natürlich den normalen Prozess Ergebnisse zu reproduzieren. Ich gebe Herrn Zöllner aber Recht, dass dies noch nicht genug ist.

    Natürlich müssen die Originaldaten im Netz veröffentlicht werden; das war vor einer breiten Vernetzung und billigem Speicher aber schlicht nicht möglich.

    Das grössere Problem ist aber immer noch unser antiquiertes Publikationssystem und die Geilheit auf eine lange Publikationsliste. Erstens müssten weit mehr Daten direkt in Datenbanken fliessen, wo man sie auch findet (und überprüfen, vergleichen, und analysieren kann). Zweitens muss der Nonsens aufhören, dass Millionen von Partikularergebnissen separat veröffentlicht werden. Es wäre besser wenn neue Erkenntnisse zumindest parallel zur Veröffentlichung in ein Gesamtgebäude des Wissens eingebaut würden. Wikipedia ist hier ein schönes, wenn auch nicht perfektes Modell. Drittens muss auch in den Wissenschaften eine "social media" Haltung entstehen, also der Ehrgeiz, Publikationen direkt im Netz (wo das meiste ja eh veröffentlicht wird) zu kommentieren und, falls nötig, zu kritisieren. Wenn man open access Zeitschriften wie die Public Library of Science ansieht, sieht man in deren Kommentarbereich meist gähnende Leere.

    p

    3 Leserempfehlungen
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    • Mike M.
    • 22. Februar 2013 17:31 Uhr

    Dass eine Doktorarbeit veröffentlicht werden muss, ist neben der Erst- und Zweitbegutachtung immer noch der beste Sicherungsmechanismus den wir haben. Er hat ja auch in den Verfahren Guttenberg & Co gegriffen. Nach Guttenberg werden potentielle Betrüger schon vorsichtiger sein. Nach Entzug des Doktorgrades ist man gesellschaftlich schließlich degradiert.

    Alles andere, was über Erst- und Zweitgutachten hinausgeht, ist nicht immer von Nutzen: Plagiatssofware sollte zwar zum Standard werden, findet aber nur Internetquellen und produziert viele falsch Positive. Dritt- und Viertgutachten, externe Gutachtern, Verschulung im Graduiertenkolleg etc., führen nicht zu einer Qualitätsverbesserung, wenn den Professoren deshalb die Zeit für ordentliche Erst- und Zweitgutachten fehlt (so ist es aber oft). Wenn man eine Arbeit in nur einem Tag schnell überfliegen muss, weil zehn weitere warten, sinkt die Chance Plagiate zu finden. Dann hilft es auch nicht, wenn es drei oder vier Leute tun (eher schadet es, wenn sich jeder auf den anderen verlässt).

    • Chali
    • 22. Februar 2013 14:34 Uhr

    *hust*

    Das ist nun nicht meine Sicht auf die Dinge.

    Wenn Doktoranden falsche eidesstattliche Erklärungen abgeben - von wegen "selbst angefertigt" - dann soll das ein Problem der "Qualitätssicherung" sein?

    Mal ganz abgesehen davon, dass man ja davon auszugehen scheint, dass diese Art der Qualität eher Regel als Ausnahme ist.

    Wenn jemand vor Gericht einen Meineid schwört - ist das dann ein Qualitätsproblem des Richters?

    Das Gewchick von Ludwig Sparr und Jakob Hühnlein - das wäre mal eine Warnung.

    Ziemlich starker Tobak für eine bürgerliche Gesellschaft, für das christliche Abendland usw.

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    ich schätze, dass in Deutschland aktuell mind. 50% der Doktor-Arbeiten aus folgenden Gründen begonnen werden:

    - man weiß nicht, was in der freien Wirtschaft auf einen zukommen würde, also bleibt man lieber an der Uni.
    - um das Selbstwert-Gefühl mit einem Doktor-Titel zu steigern.
    - weil es die Eltern "gern sehen" würden.
    - um ein besseres gesellschaftliches Standing zu haben.
    - man Lebenssinn in Titeln sucht.

    Auf der anderen Seite: Spaß an der Arbeit, Interesse, Talent, Forschergeist, besondere persönliche Eignungen? Bei vielen (meiner Erfahrung nach) "Fehlanzeige".

    • gorgo
    • 23. Februar 2013 12:50 Uhr

    Wieder werden grundfalsche Behauptungen in die Welt gesetzt: Im Zusammenhang mit Schavan zu behaupten die "wissenschaftlicher Qualitätssicherung" habe nicht gegriffen, weil dazu "die fachwissenschaftliche Expertise, das Mehraugenprinzip, die Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden." gehöre, ist schlicht verleumderisch und man wundert sich, dass die Zeit hier einen SPD-Politiker einfach solche Sätze von sich geben lässt: "Die Universität Düsseldorf hat also damals wie heute Grundsätze der Wissenschaft, vermutlich vorsätzlich und systematisch, missachtet"

    Das hat sie mitnichten. Eine Fakultutät wie die Düsseldorfer ist mit mehr als zehn qualifizierten Professor/inn/en besetzt und hat jedes Recht und jede Legitimität, den von ihr selbst (!) vergebenen Doktortitel abzuerkennen - man möge bitte die Augen zählen! Umgekehrt wird ein Schuh draus: Bei hochstehenden Politikern wird das klar und rechtlich einwandfreie, im Übrigen noch von externem Rechtsgutachter überprüfte Verfahren.
    Herr Zöller schmeißt wild Qualitätssicherung im Vorfeld der Titelvergabe mit dem Aberkennungsverfahren in einen Topf - wie kann man so jemanden ernst nehmen: "Wobei es für die Wissenschaft gar keine Rolle spielt, ob das praktizierte Verfahren formal korrekt war." Nein, tatsächlich? Herr Zöller weiß, wie es - formal inkorrekt - dennoch richtig gewesen wäre?"

    • gorgo
    • 23. Februar 2013 13:01 Uhr

    Messerscharf schließt Herr Zöller: "Die Universität Düsseldorf hat also damals wie heute Grundsätze der Wissenschaft, vermutlich vorsätzlich und systematisch, missachtet." Vermutlich -? Wie bitte? Woher nimmt Herr Zöller sein verleumderisches "vermutlich"?

    Missachtet? Weil die Uni Düsseldorf darauf besteht, das formal korrekte und gegen jeden anderen ebenso ausgeübte Verfahren auch in diesem Fall anzuwenden? Weil sie für Frau Bundesministerin keine Ausnahme macht? Weil ihr zehn Augenpaare oder mehr genung sind, den von ihr selbst vergebenen Doktortitel auch im Falle einer hohen Politikerin aberzuerkennen? Weil sie nicht der Wissenschaft schadete, indem sie den Eindruck enstehen ließ, dass eine ganze Phalanx von Professoren nicht in der Lage ist, im Verdachtsfall ein Plagiat nicht sicher von einem Nicht-Plagiat zu unterscheiden???

    Als Uni Düdorf würde ich Herrn Zöller wegen Verleumdung verklagen. Als Bürger, der kein Interesse daran hat, den Schaden, der der Wissenschaft durch Schavan enstanden ist auch noch durch unsachliche Kommentare vergrößert zu sehen, kann ich derart unwissende Kaltschnäuzigkeit nur aufs schärfste zurückweisen.

  2. auch Sanktionen für wissenschaftliches Fehlverhalten, Täuscher und Betrüger: wenn die wissenschaftliche Öffentlichkeit ihnen auf die Schliche kommt, ist der Ruf dahin.

    Das derzeit etablierte Anreizsystem ist allerdings so gestaltet, dass anscheinend genügend Personen diese Gefahr in Kauf nehmen, um überhaupt noch mitspielen zu können. Publish or perish.

    Fingierte, kopierte, plagiierte Textprodukte um wissenschaftliche Fördermittel, die gewünschte Länge der Publikationsliste oder eben den Doktorgrad zu bekommen, sind Phänomene, die von diesem System hervorgebracht wurden.

    Ich kann Ihre Argumentation überhaupt nicht nachvollziehen, in Düsseldorf sei irgendetwas falsch gelaufen. Tatsächlich wurden wissenschaftliche Maßstäbe, und _nur_ diese, angelegt.

    Allein das Ergebnis scheint Ihnen nicht ganz geheuer zu sein? Glauben Sie ernsthaft, irgendwelche "Überprüfungsstrukturen" würden den Missbrauch eindämmen? Das Gegenteil wäre der Fall. Solche Strukturen würden als erstes von den üblichen verdächtigen unterwandert werden um in Zukunft mit Zertifikat und Siegel behaupten zu können: Nachweislich plagiatsfrei!

    Wie es tatsächlich funktioniert, das haben Wissenschaftler gezeigt, die freiwillig und ehrenamtlich Plagiate im Internet dokumentiert haben. Dass das so manchem nicht ganz geheuert ist - kann ich verstehen. Aber so, und nur so, funktioniert Wissenschaft.

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  3. stand dieser Beitrag - und da habe ich mich schon unglaublich aufgeregt.

    Beruhigt hatte ich mich auf Grund diverser weiterer Artikel hier auf Zeit Online. Jetzt tobe ich wieder: Wie kann man einen solchen Unsinn mit einer Woche Zeitverzögerung und einer Weiterentwicklung der Debatte zu Schavan online stellen?

    (1) Herr Zöllner fordert Dinge, die vielleicht außer in der Medizin schon längst implementiert sind.
    (2) Die Verfahrenskritik an der Uni Düsseldorf, auf die sich Herr Zöllner bezieht, wurde schon hier auf Zeit Online widerlegt (und wird so selbst z.B. nicht mal mehr von Herrn Olbertz geteilt).

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  4. Anlässlich des in Frankfurt/Main nach dem Exil in den USA wiedereröffneten Instituts für Sozialforschung (IfS) stellte Horkheimer unmissverständlich fest, dass zu allen Zeiten und gleich wo auf der Welt stets nur sehr wenige imstande sind, in den sämtlichem Handeln des Einzelnen vorausgehenden Disziplinen politischer Sozialwissenschaft einschlägige Arbeiten vorlegen zu können; wobei demgemäß diejenigen, die sich besagte Eigenschaft um des eigenen Vorteils willen wie auch immer anmaßen, lediglich kurzfristig materiell besser gestellt sind. Insofern findet längst im Zuge des Wirkens sozioökonomisch unantastbar manifester Mechanismen die allgemein verlangte "Qualitätssicherung" innerhalb den Wissenschaften umfassend statt. Dafür universitär noch zusätzlich Gelder bereitzustellen, wirft in der Konsequenz davon Unsummen in ungeheuerlichen Anflügen eines zutiefst umnachteten Geistes praktisch zum Fenster hinaus.

  5. Warum ist Frau Schavan nicht dazu bereit, das Gutachten veröffentlichen zu lassen, das zum Titelentzug geführt hat?
    Mit dem Gutachten und ihrer eigenen Gegendarstellung könnte sie doch beweisen, dass sie nicht plagiiert und vorsätzlich getäuscht hat, wie sie immer behauptet? Warum tut sie das nicht?
    Deshalb mein Appell an sie: "Legen Sie endlich alles offen, damit wir uns selbst von der Eigenständigkeit und Ehrlichkeit Ihrer Arbeit überzeugen können!"

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  6. ich schätze, dass in Deutschland aktuell mind. 50% der Doktor-Arbeiten aus folgenden Gründen begonnen werden:

    - man weiß nicht, was in der freien Wirtschaft auf einen zukommen würde, also bleibt man lieber an der Uni.
    - um das Selbstwert-Gefühl mit einem Doktor-Titel zu steigern.
    - weil es die Eltern "gern sehen" würden.
    - um ein besseres gesellschaftliches Standing zu haben.
    - man Lebenssinn in Titeln sucht.

    Auf der anderen Seite: Spaß an der Arbeit, Interesse, Talent, Forschergeist, besondere persönliche Eignungen? Bei vielen (meiner Erfahrung nach) "Fehlanzeige".

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    • Mike M.
    • 22. Februar 2013 17:17 Uhr

    ...der Wille, das Selbstwert-Gefühl mit einem Doktor-Titel zu steigern die zum Entschluss führen zu promovieren. Gegen die Kombination ist nichts einzuwenden, solange ordentlich gearbeitet wird.

    Betrüger kann es auch unter den Idealisten geben, wenn sie nämlich merken, dass sie völlig überfordert sind.

  7. Wohl eher ist es der gesellschaftliche Wandel der die Wissenschaft vor den Zug der Oberflächlichkeit geworfen hat. Nicht erst seit Bologna wird Studenten schon während der Schulzeit ein Erfolgsdruck suggeriert, dem nur mit akademischen Graden standgehalten werden kann, der zunehmend bedrohliche Gestalt annimmt.

    Heute muss alles am Besten schon mit 20 erreicht worden sein. Andernfalls ist die Promotionsstelle nur schwer zu bekommen. Ebenso muss der Aspirant möglichst zeitgleich in Amerika, Asien und Afrika praktische Erfahrung gesammelt haben. Zeit um eine Persönlichkeit zu werden ist heute als Nachteil deklariert. Jeder der sich diese nimmt riskiert den Anschluss zu verlieren oder ausgegrenzt zu werden.

    Solange die Gesellschaft als Ganzes nicht erkennt, dass wissenschaftliches Arbeiten viel Zeit, Leidenschaft und Muße braucht wird es mehr und mehr solcher Fälle geben. Nicht verschweigen darf man allerdings die Überheblichkeit der vergangenen Doktorväter, die in teils fragwürdiger Weise Promotionsarbeiten betreut haben, wenn man bei Nichtinteresse überhaupt noch von Betreuung sprechen kann.

    Fairerweise muss man den Fall Schavan von den bisherigen abgrenzen. Eine Gesellschaft, die es duldet das selbst nach mehr als drei Dekaden mit des Neides-Finger nach Fehlern beim andern gesucht wird, muss sich in Grund und Boden schämen.

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  • Schlagworte Annette Schavan | Wissenschaft | Qualität | Plagiat
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