Wohnungsmarkt : Wenn der Staat verbaut

Wohnraum ist knapp, aber Ökonomen warnen: Zu viel staatliche Einmischung ruiniert den Wohnungsmarkt.

Wohnungen in Großstädten sind knapp und teuer. Doch sozialer Wohnungsbau helfe nicht, meint der Kölner Ökonom Michael Voigtländer, der sich auf Immobilienökonomik spezialisiert hat. Er schlägt eine andere Lösung vor.

Ob in München, Hamburg oder Frankfurt – die Mietpreise in deutschen Großstädten steigen. Die Forderung, der Staat beziehungsweise konkret die Länder sollten aktiv werden, wird daher immer lauter: Seit der Föderalismusreform 2007 sind die Länder für den sozialen Wohnungsbau verantwortlich. Sie bauen oder erwerben Wohnungen und vermieten sie zu fairen Preisen an Menschen mit geringem Einkommen. Vier Millionen solcher Wohnungen braucht Deutschland derzeit, ermittelte das Eduard Pestel Institut in einer Studie. Vorstand Matthias Günther hält den sozialen Wohnungsbau für eine grundsätzliche Aufgabe der Politik. Er sagt: "Der Staat muss gewährleisten, dass es genug Wohnraum für alle gibt."

Der Ökonom Voigtländer warnt genau davor. Denn sowohl in den Städten als auch im Umland werde heute deutlich mehr gebaut als in den Vorjahren. Bauland sei begehrt. "Wenn die Städte einen größeren Teil ihrer Flächen für den sozialen Wohnungsbau nutzen, dann verdrängen sie private Investoren", befürchtet Voigtländer. Crowding-out, also Verdrängung, nennen Ökonomen einen solchen Effekt.

Solche Verdrängungseffekte gibt es nicht nur auf dem Wohnungsmarkt. Sie sind grundsätzlich ein Streitpunkt, wenn sich der Staat irgendwo in der Wirtschaft engagiert. Ein häufig gebrauchtes Beispiel stammt vom US-Ökonom Robert J. Barro, der Rüstungsausgaben und Zinsen in Großbritannien im 18. und 19. Jahrhundert verglich. Er stellte fest: Wenn die Rüstungsausgaben stiegen, gingen in aller Regel auch die Zinsen in die Höhe. Dieses Ergebnis wertete Barro als Beweis für die Existenz von Crowding-out-Effekten.

Andere Ökonomen bezweifeln jedoch, dass es zu solcher Verdrängung kommt. Denn Barros Beobachtung hat einen Haken: In der kurzen Zeit ist es fast unmöglich nachzuweisen, dass steigende Staatsausgaben schuld am Rückgang von Investitionen sind. Das kann nämlich auch ganz andere Gründe haben. Einer Umfrage des IW Köln zufolge wollen rund 29 Prozent der westdeutschen Unternehmen in diesem Jahr weniger investieren – vor allem wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage. Welchen Einfluss Staatsausgaben haben, darüber lässt sich nur spekulieren, zumal Deutschland und viele andere Staaten extra ihre Staatsausgaben erhöhten, um private Nachfrageausfälle auszugleichen.

Auch beim sozialen Wohnungsbau lässt sich schwer sagen, ob und in welchem Umfang private Investoren verdrängt werden. Doch Voigtländer hat weitere Gründe, die gegen den staatlichen Wohnungsbau sprechen. "Knapp die Hälfte der Sozialwohnungen ist fehlbelegt", sagt er. Jemand, der zeitweise arbeitslos gewesen sei, ziehe schließlich nicht sofort aus seiner Sozialwohnung aus, sobald er einen Job gefunden habe.

Der Wissenschaftler schlägt vor, stattdessen mehr Menschen durch Wohngeld zu unterstützen. Statt Zeit und Geld in den Wohnungsbau zu investieren, könnte die Stadt ihre Flächen zu höherem Preis an private Investoren vermieten und die Einnahmen an die Mieter weiterleiten. Der Vorteil des Wohngeldes: Verdrängungseffekte sind ausgeschlossen – ob es sie nun gibt oder nicht.

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Kommentare

87 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Noch Fragen, Kienzle?

habe die selbe Meinung. Das Wohngeld hat auch für massive Verwerfungen auf dem Wohnungsmarkt gesorgt. Und für andere Effekte, z. B. ein Anspruchsdenken entwickelt.

Fakt ist, dass der Steuerzahler damit tatsächlich AUCH die Einkommen/Gewinne der Vermieter sichert, sie quasi vom unternehmerischen Risiko freistellt.

Klar, dass das weiter zementiert werden soll.

Gehupft wie gesprungen

"Na klar! Das ist die Idee! Wir zahlen einfach soviel Wohngeld, dass die Mieter sich die exorbitanten Mieten auch weiterhin leisten können!

Übernehmen wir Steuerzahler ja gerne!" (AucheinkleinerReißnagel)

Hier liegt ein Denkfehler vor, und der heißt Opportunitätskosten.

Also nehmen wir mal an, eine Gemeinde besitzt ein Grundstück in gefragter Lage.

Sie könnte jetzt darauf ein schönes Mietshaus bauen und (hohe) marktübliche Mieten kassieren und mit den Einnahmen den Armen Wohngeld bezahlen, das diese dann ihren Investorvermietern in den Rachen schieben müssten - was diese aber sowieso kriegen würden, weil es der Markpreis ist.

Oder die Gemeinde könnte darauf Sozialwohnungen bauen und diese unter Marktpreis an Arme vermieten. Damit müsste sie weniger Wohngeld zahlen, würde aber auch weniger einnehmen. Also gehupft wie gesprungen, wie man bei den Häuslesbauern sagt.

In der Realität sind die Alternativen wohl etwas verschieden, was z.B. an steuerlichen Verzerrungen liegen kann.

Ja, es gab Fehlentwicklungen,

doch es gibt auch andere Beispiele. Es gibt Städte in denen noch immer ein Teil der innerstädtischen Wohnungen in kommunaler Hand sind und versucht wird eine soziale Mischung aufrecht zu erhalten.
Versuchen Sie jetzt zu erklären, dass die Privatwirtschaft Interesse daran hat ein durchmischtes soziales Gefüge in den Städten zu etablieren und das auch umsetzt? Dann glauben Sie auch noch an den Osterhasen.

Umland

[Wohnraum fehlt, und zwar massiv! Privatinvestoren schaffen diesen fehlenden Wohnraum aber nicht, weil er nicht lukrativ ist, sonst würde sie das ja machen.]

Und, merken Sie was? Wenn es nicht lukrativ ist, dann heißt es ja wohl, dass die Investoren ja gerade KEINE exorbitanten Renditen machen. Entsprechend muss man den Wohnungsbau für Investoren attraktiver machen. Dann kommen auch die Investoren und bauen neue Wohnungen.

[In jedem Stadtteil muss der Wohnungsbestand einer gesunden Mischung über eine Quote zugeführt werden!]

Ich bin einer Quote prinzipiell aufgeschlossen gegenüber, auch wenn ich sie möglichst wenig restriktiv anlegen würde. Aber durch eine Quote beeinflussen Sie nur die Preisklassen, dadurch wird keine einzige Wohnung mehr gebaut. Im Gegenteil, eine Quote schränkt Investoren ein und macht Investitionen daher unattraktiver. Das Grundproblem muss weiter angegangen werden: der Bau von Wohnungen muss attraktiver werden. Da in engbebauten Großstädten aber das Baupotenzial begrenzt ist, muss auch das Umland aufgewertet werden.

Wie man es dreht und wendet. Es können nicht alle zentral in der Innenstadt von Hamburg oder Frankfurt wohnen.

Danke für diese wichtige Info!

Liebe Frau Scherer,

mich würde wirklich brennend interesieren was sie dazu bewogen hat diesen Artikel zu schreiben!

Fangen wir mal mit den Ökonomen (Plural!)an die vor staatlicher Einflußnahme warnen. Im Artikel lese ich selber nur von einem Ökonomen.

Auch finde ich es interesant das sie sich diesen Ökonomen ausgesucht haben und nichts über seinen alles andere als objektiven Hintergrund geschrieben haben.

Liebe ZO Redaktion,

ich erwarte Qualitätsjornalismus von ZO. Auch wenn die eingestellten Artikel hier kostenlos sind, steht doch "die Zeit" für ihren guten Namen damit ein.
Dabei empfand ich die Zeit immer schon ein wenig "zu nett" was die politische Berichterstattung angeht, aber wenigstens als sehr verlässlich. Auch der Meinungspluralismus sagt mir zu. Nur solche Artikel bringen mich dazu mein Abo zu kündigen.

MfG

Vielen Dank

Ich finde es mittlerweile verwerflich das Institut der deutschen Wirtschaft in Koeln (nicht verwechseln mit DIW,Berlin) ueberhaupt als Forschungsinstitut zu bezeichnen. Die gesamte neoliberale Mannschaft dieses Lobbyvereins bekommt es doch sehr selten bis garnicht hin, ueberhaupt international wissenschaftlich aufzufallen. Selbst der gute Direktor (Honorar)Prof. Michael Huether koennte sich bei seiner (fehlenden) wissenschaftlichen Lebensleistung nicht einmal auf eine Post-Doc Stelle im Ausland erfolgreich bewerben. Im ueberigen sollte man angesichts der Inflation von Honorarprofessorentiteln in DE einen Honorarprofessor keinesfalls mehr so nennen, denn diese Personen mussten nichts fuer die Professur leisten (ausser medial bekannt sein oder Geld mitbringen) und sind eigentich keine Professoren.
Und auf die strunzdummen Ideen von Herrn Voigtländer (wodurch hat der sich den Titel Experte erarbeitet? Ohne internationale wissenschaftliche Veroeffentlicheungen auf dem Gebiet?) sollte man garnicht eingehen.

Ihr Kommentar ist inkompetent

Ihre Äußerungen gerade das, das eher links stehend verdächtigte DIW betreffend entbehren jeglicher Substanz.

Die Äußerung bezüglich Prof Hüther sollten Sie mal eher dem Herrn Butterwegge zukommen zu lassen, dessen Professur offenbar nur zur Verschleierung der ideologisch motivierten Äußerungen dient, seine Frau wurde als ja schon als entsprechend extremistisch in der ARD geoutet.

Und beim Wort "strunzdumm" - bitte an die eigene linke Nase fassen