Der Bewerber haute schon im ersten Satz seines Anschreibens auf den Putz: »Weil ich perfekt zum Profil der Stelle passe, übersende ich Ihnen hiermit ...« Die Schlusspassage klang ähnlich selbstbewusst: »Ich freue mich darauf, dass Sie mich zum Vorstellungsgespräch einladen, weil ich alle Voraussetzungen erfülle.«

Was dabei herauskam? Eine Absage! Obwohl sich sein Profil tatsächlich mit der Ausschreibung überschnitt. Vielleicht war er daran gescheitert, dass er ein psychologisches Gesetz missachtete: Statt dem Empfänger sein eigenes Urteil zu überlassen, hatte er es vorweggenommen.

Versetzen Sie sich in den Personaler: Ein Bewerber teilt ihm mit, dass er perfekt zur Stelle passt und eine Einladung zum Bewerbungsgespräch bekommen muss. Diesen Schluss hätte der Personaler gern selbst gezogen, denn das ist sein Beruf. Der Appell entfaltet eine paradoxe Wirkung: Weil ihn der Absender in die eine Richtung drückt (»Du musst mich einladen!«), strebt der Personaler in die andere (»Muss ich eben nicht!«). Neutraleres Auftreten zeugt beim Bewerben nicht davon, dass jemand tot ist (wie Henry Miller schreibt) – sondern davon, dass er klug ist.

Nicht aufdrängen

Natürlich sollten Sie dem Bewerbungsempfänger viele Argumente liefern, warum Sie zu der Stelle passen. Listen Sie Erfolge auf, geben Sie Beispiele für Ihre Qualitäten, lassen Sie Ihre soziale Kompetenz und Ihr Fachwissen aufblitzen. Gern wird der Entscheider diese Informationen zu einer eigenen Meinung summieren – zum Beispiel dass er sie für geeignet hält. Je weniger sie ihn dazu auffordern, desto eher wird er dazu kommen.

Wer dennoch darauf hinweisen will, dass er sich für passend hält, sollte maximal schreiben: »Zwischen Ihren Anforderungen und meinem Profil sehe ich eine große Schnittmenge.« Die Formulierung »sehe ich« zeigt, dass es sich um seine subjektive Sicht handelt, die der Personaler mit seiner Meinung abgleichen kann – und nicht um ein allgemein verbindliches Urteil (»Ich passe perfekt zum Profil!«), das eine Gegenmeinung provoziert.

Kluge Bewerber agieren wie Zeugen vor Gericht: Sie drängen dem Entscheider kein Urteil auf (was auf ihre Befangenheit hinwiese), sondern tragen Fakten vor (was Objektivität suggeriert). Je objektiver der Zeuge wirkt, desto eher glaubt man ihm. Die besten Bewerber sprechen nicht für ihre Bewerbung – sondern ihre Bewerbung spricht für sie!