Rektoren : »Ein Mangel an Führungspersonal«

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft will schon Lehramtsstudenten auf die Aufgaben eines Rektors vorbereiten

DIE ZEIT: Sie wollen mit Ihrem Stipendiaten-Programm »Studienkolleg« zukünftige Schulrektoren ausbilden. Was müssen Rektoren heute denn können?

Michael Baer: Sie müssen in erster Linie die Rahmenbedingungen herstellen, damit die Lehrer gut arbeiten können. Ein guter Direktor schafft eine produktive Lernumgebung und setzt Personal und Budget sinnvoll ein. Wie genau das geht, wird ihm in der Regel im Studium aber nicht beigebracht. Dabei ist »Rektor« oder »Schulleiter« sogar ein eigenes Berufsbild.

ZEIT: Reicht die langjährige Erfahrung aus dem Schuldienst nicht mehr aus, um zu wissen, wie man diese Bedingungen schafft?

Baer: Es ist ein bisschen wie im Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Einige Bundesländer qualifizieren Lehrer erst unmittelbar vor oder sogar erst nach der Berufung zum Schulleiter weiter. Da geht es dann um juristische Fragestellungen, aber auch Organisationsentwicklung, Führungsverhalten, Kompetenzsteuerung oder Schulleitungsteams. Dabei kann man gar nicht früh genug anfangen, das zu lernen.

ZEIT: Woran erkennt man, ob jemand das Zeug zu einem guten Schulleiter hat?

Baer: Unsere Stipendiaten werden in einem zweistufigen Auswahlverfahren ausgewählt. Entscheidend sind Kriterien wie Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Zielstrebigkeit, Engagement oder Management-Potenzial, aber auch soziale Kompetenz.

Michael Baer

Michael Baer leitet das Studienförderwerk bei der Stiftung Deutsche Wirtschaft.

ZEIT: Und was lernen die Stipendiaten dann im Programm?

Baer: Es geht um Themen wie »Führen im schulischen Kontext« und Einblicke in aktuelle Herausforderungen, die viele Schulen betreffen: Inklusion, Integration, Heterogenität – oder Schulmanagement. Diese Themen spielen im Lehramtsstudium oft kaum eine Rolle. Gerade bei den Gymnasiallehrern ist es stark fachbetont.

ZEIT: Das klingt, als fehlten den Schulleitern vor allem die Fähigkeiten eines guten Managers. Können Schulen etwas von Unternehmen und der Wirtschaft lernen?

Baer: Ja, ein klassisches Beispiel wäre Qualitätsmanagement. Wie lese ich Evaluationen? Wie erkenne ich daraus die Wirkungszusammenhänge? Wie kann ich Ressourcen optimal für den Nutzen – die Bildung der Kinder – einsetzen? Wenn man das in Schulen tut und den Lehrern ebenfalls Möglichkeiten dazu aufzeigt, dann sind wir einen großen Schritt weitergekommen.

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

sdw macht Werbung? - Gut so!

Als jemand, der die "sinnfreie 'Ausbildung'" der "'Stiftung'" (M. Weber) durchlaufen hat, möchte ich die Bedenken, die hier geäußert werden, entkräften. Die bisherigen Beiträge zeichnen sich größtenteils durch mangelndes Wissen, tief verwurzeltem Ressentiment und Unwillen aus, sich zu informieren. Deshalb ein wenig Aufklärungsarbeit:

"was ich hier lese, ist nichts weiter als eine Marketingstrategie. Nicht umsonst wird der Hintergrund "Stiftung der Deutschen Wirtschaft e.V." nicht explizit durchleuchtet." Gegenkandidat

Ja, selbstverständlich ist es Werbung für die Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw)! Es ist gut und wichtig, dass gemeinnützige Initiativen wie das "Studienkolleg" der sdw. öffentlich bekannt gemacht werden. Ich kann Ihnen versichern, dass nicht ein Konsortium von Dr. Evil und Mr. Burns dahintersteckt, sondern kluge Köpfe aus Schule, Uni und Wirtschaft, die sich ernsthaft Gedanken darüber machen, wie man Schule besser machen kann.

Die Wirtschaft handelt im ureigensten Interesse, wenn sie den Bildungssektor fördert. Dabei geht ja gerade nicht darum, wie in "Brave New World" (Kaffeebecher), Jasager am laufenden Band zu produzieren. In der heutigen Arbeitswelt braucht es keine Human-Automaten, sondern hochqualifizierte, kreative Individuen, die eigenständig denken können.

Zu wenig Leitungsstellen

Eine (größere) Beispielschule:

100 Studienräte (A13) und Oberstudienräte (A14)
4-5 Studiendirektoren/Abteilungsleiter inkl. Stellvertreter des Schulleiters (A15)
1 Studiendirektor/Schulleiter (A15)

Wenn ich Student bzw. Lehrer wäre, würde ich mir angesichts des obigen Verhältnisses nicht so viele Chancen auf eine Leitungsstelle ausrechnen; schon gar nicht an meinem Wunschort.