Paff! Eine fette Ladung Schnee landet auf der Windschutzscheibe. Ein Bogen aus Schnee, um genau zu sein, jener Bogen, den eine Schneefräse zur Seite wirft wie ein Mähdrescher im Kornfeld. Zehn Grad unter null, es schneit seit Tagen, mit einem Pflug wäre diesen Massen nicht mehr beizukommen. Als wir überholen, zeigt sich im Gesicht des windgegerbten, tief bemützten Fräsenfahrers keine Regung. Ist ja auch keine Saison.

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Im Winter hat man Rügen fast für sich. Mit Vor- und Nachteilen: Auf der einen Seite ist endlich mal Platz auf Deutschland beliebtester Ferieninsel, auf der anderen Seite sind die Tage kurz und die Öffnungszeiten so hart wie der Winter. Um 18 Uhr schließt der Supermarkt; bei Interesse an einem warmen Abendessen außerhalb der Ferienwohnung sollte man bis 19.30 Uhr am Restauranttisch sitzen. Wir haben uns einiges vorgenommen für heute: erst nach Kap Arkona, dann zu einer Hofmolkerei, zu einer Schnapsbrennerei und zu dem putzigen Funicular, das ist eine Seilbahn mit Holzkabine. Dieses Programm ist bis Einbruch der Dunkelheit nur mit Allradantrieb zu schaffen. Allein von Sellin bis Putgarten sind es knapp 60 Kilometer.

Als wir an der Fräse vorbeiziehen, öffnet sich eine Neuschneelandschaft unter Caspar-David-Friedrich-Himmel. Selbst meine Telefonkamera zeigt sich später beeindruckt von den Blautönen. Jetzt ist der Straßenrand kaum noch zu erkennen. In einem normalen Auto könnte man in diesem Augenblick vielleicht nervös werden. Der X3 jedoch zieht mühelos seine Bahn. Das Navi weist unbeirrt geradeaus. Vermutlich könnte man an der vorderen Stoßstange auch ein Räumgerät befestigen. Dann aber geht es auch für den X3 nicht mehr weiter. Die letzten drei Kilometer zum Kap Arkona sind für Autos tabu. Wir gehen zu Fuß, hören nur noch den Wind und den knirschenden Schnee unter unseren Schuhen. Ohne beheizte Ledersitze, den Naturgewalten ausgeliefert, beginnen wir die Inselbewohner zu verstehen. Bei dieser Kälte erstarrt jede Eile, jede Anstrengung richtet sich auf den Erhalt der Vitalfunktionen. Die zwei Leuchttürme und den Peilturm nicken wir nur noch ab. Mit spitz gefrorenen Nasen stapfen wir zurück zum Auto. Die folgenden Programmpunkte werden vertagt. Ab nach Hause, Tür zu, Sauna an. Alles andere hat Zeit bis morgen.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 135 kW (184 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
CO₂-Emission: 147 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,6 Liter
Basispreis: 39.900 Euro

Margit Stoffels ist Mitarbeiterin beim ZEITmagazin