Pferd in Lasagne, Gulasch und Nestlé-Nudeln mit Fleischfüllung ist für den Ironiebegabten durchaus ein Glücksfall: Plötzlich (und ganz ohne Aufpreis) finden sich in seiner schnöden Fertigkost Anteile hochwertigen Pferdefleischs. Vom Skandal profitiert aber auch der ernsthafte Kunde: Werden die Lebensmittelkontrollen, wie jetzt angekündigt, verschärft, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er künftig Opfer von Lebensmittelverunreinigungen wird, in denen es um mehr geht als dreiste Ross-Täuschung.

Die Gunst der Stunde nutzen jetzt die Pferdemetzger. Während im Zuge des Skandals klar wurde, zu welchen Missständen Massenproduktion führt, durften sie öffentlich ausbreiten, in welchen Belangen ihre Handelsware (Fohlenfilet, Hengstbulette und Rossknacker) den gemeinen Schlachterzeugnissen von Rind und Schwein überlegen ist. Pferdefleisch ist: kurzfaserig, aromatisch, fettarm, eisenreich. Und Oma weiß zu erzählen, dass das Pferd doch früher immer dort war, wo es heute wieder gefunden wird: im Gulasch.

Was wir erleben, ist also Aufklärung im besten Sinn. Jenseits aller Pferdefleisch-Hysterie bleibt allerdings die grundsätzliche Frage: Wie steht es um die Billigware im Supermarktregal? Muss man theoretisch in allen Tiefpreisangeboten mit unerwünschten Ingredienzien rechnen? Anders gefragt: Kann billiges Essen gut sein?

Zunächst einmal: Natürlich muss auch in Fertiggerichten drin sein, was draufsteht. "Egal, zu welchem Preis, die Produkte müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen", sagt Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Das ist eine Binsenweisheit, doch sie zeigt, dass Politiker und Behörden Minimalstandards gewährleisten müssen, indem sie Vorschriften und Grenzwerte festlegen, Deklarationen einfordern und die Höhe von Strafen festsetzen.

Die wichtigsten Fakten um den Betrug mit Pferdefleisch – klicken Sie auf das Bild, um den Überblick zu lesen. © Bernadett Szabo/Reuters

Doch selbst wenn die bestehenden Gesetze alle eingehalten werden, bleibt Raum für Mogeleien. Das Geschacher mit Pferdefleisch belegt, wie unübersichtlich die Warenströme heute sind – und genau das macht die Lebensmittelindustrie so anfällig für Betrügereien. Wie kann der Kunde dennoch herausfinden, ob er gutes Essen kauft?

Antwort: Eine hundertprozentig eindeutige Antwort gibt es nicht. Denn keines der diversen Kriterien, die im Zuge der Pferdefleischdebatte ins Feld geführt wurden, hält einer rigorosen Überprüfung stand. Egal, ob man sich am Preis, am Biosiegel oder an der Herkunft orientiert – überall sind böse Überraschungen möglich. Dennoch gibt es bessere und schlechtere Strategien beim Lebensmitteleinkauf; und wer will, kann das Risiko, Täuschern aufzusitzen, erheblich minimieren.

 

Beginnen wir beim Preis. Ist billig automatisch schlecht und teuer gut? Solch generelle Aussagen könne man nicht treffen, heißt es bei der Stiftung Warentest. Ihre Untersuchungen hätten gezeigt, dass Billigprodukte mal top und mal Flop sind – und selbst Edelmarken können versagen. Ähnliches bekommt man andernorts zu hören: "Der Preis sagt nichts darüber aus, wie pestizidbelastet der Kohlkopf ist", stellt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg fest. Gleichzeitig könne es durchaus sein, dass ein Laden ein "bestes Hackfleisch zum Schleuderpreis" anbietet – als Lockangebot. "Dafür holt er das Geld mit Pralinen und Shampoo wieder rein."