Kunstkammer Wien: Die Schätze der Habsburger
Objekte aus der Kunstkammer Wien
Vergänglichkeit: Alles ist eitel

Vanitas, Michel Erhart/Jörg Syrlin., ca. 1470
Die spätgotische Vanitas- Gruppe wurde um 1470 in Ulm im sogenannten Syrlin-Erhart-Kreis aus Lindenholz geschnitzt und mit einem lebensnahen Farbauftrag versehen.
Im 19. Jahrhundert war diese Meditation über die Hinfälligkeit der menschlichen Natur noch auf einem drehbaren Podest so montiert, dass ein Betrachter durch das einzige Fenster der Vitrine stets nur eine der drei Gestalten zu Gesicht bekam. (Saal XXXIV)
Einhorn: Stoßzahn Gottes

Narwalhornbecher, Jan Vermeyen, ca. 1600
Der Prunkbecher aus Narwalhorn gehört zu den größten Kostbarkeiten im Schatz von Rudolf II. Im Nachlassinventar wurde die juwelengeschmückte Preziose aus der Werkstatt von Hofjuwelier Vermeyen gleich nach den Kroninsignien angeführt und auf den Wert von 4.500 Gulden geschätzt, was allerdings nicht an Gold und Edelsteine liegt, sondern an einem Stück aus dem Stoßzahn eines Narwals, aus dem das Trinkgefäß gedrechselt wurde. Man hielt die vier bis fünf Meter langen Walhauer aus dem Nordmeer für Einhörner.
Schon spätantike Autoren meinten, das Fabelwesen, das nur eine Jungfrau zu bändigen vermag, symbolisiere Christi Herrlichkeit, weshalb seinem Horn große Heil- und Heilskraft zugesprochen wurde, einschließlich der Erkennung und Überwindung jeglichen Giftes. Insignien und Bischofsstäbe wurden aus Narwalzähnen angefertigt, ein ganzes, kunstvoll verziertes »Einhorn« aus dem rudolfinischen Besitz befindet sich heute im Naturhistorischen Museum. Der Becher war dem Kaiser so teuer, dass er ihn nicht in seiner Kunstkammer, sondern zusammen mit dem Kronschatz verwahrte. (Saal XXVII)
Nymphen: Frucht aus dem Ozean

Seychellennuss-Kanne, Anton Schweinberger/Nikolaus Pfaff, 1602
In dem bei den Malediven angeschwemmten Samenkorn einer Seychellenpalme (mit bis zu 25 Kilo Gewicht ist es der größte bekannte Pflanzensamen) vermutete man ein Lebenwesen aus dem Ozean, vielleicht sogar den Teil einer Meeresnymphe. Hofgoldschmied Anton Schweinberger und Hofschnitzer Nikolaus Pfaff, zwei Franken, schmückten daher das exotische Objekt mit Tritonen und krönten die Seychellennusskanne mit einem silbernen Neptun, der in wildem Wellenritt auf einem vergoldeten Meeresross vorwärtsstürmt. Seinen Dreizack hat der Gott im Lauf der Zeit allerdings eingebüßt. (Saal XXV)
Automaten: Höfische Tafelfreuden

Tischautomat mit Diana auf dem Kentauren, Hans Jakob I. Bachmann, 1598
Zu einer voraus bestimmter Stunde erwacht die Jagdgöttin zu mechanischem Leben. Ihr Kentaur rollt wüst mit den Augen. Die Jagdhunde fletschen ihre Zähne und schnappen mit den Mäulern. Diana wendet ihr Haupt hin und her, während die Automatenuhr über die Tafel rollt. Wenn das Spielwerk im Podest und im Inneren des Kentauren nach rund zwei Minuten beinahe ganz abgelaufen ist, spannt der Pferdemensch seinen Bogen, wendet seinen Oberkörper und lässt den Pfeil von der Sehne fliegen. Der Gast, vor dem er bei diesem munteren Spiel zu liegen kam, musste nun einen Trinkspruch ausbringen und seinen Becher leeren.







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