Schauspieler-KarriereOut of Germany

Vier Menschen, vier Träume: Wie es ist, als Deutscher nach Hollywood zu gehen, um Karriere zu machen. von 

Februar 2013, Los Angeles

Bruce Willis trägt einen blauen Anzug und steht vor einer riesigen verhüllten Wand in einem Studio von 20th Century Fox. Es ist die Premiere des neuen Stirb langsam-Films, die Presse wurde eingeladen. Bruce Willis ist klein und spricht leise in ein Mikrofon. Hinter ihm fällt der Vorhang, es erscheint ein Gemälde von Bruce Willis im Unterhemd, eine Szene aus der Stirb langsam-Serie. Der Star steht vor seinem eigenen Abbild, darauf ist er 25 Jahre jünger. Willis grinst, blickt in die Menge der Journalisten, die halten ihm ihre Handys entgegen und fotografieren. Etwas abseits sitzt Frances Schoenberger, sie hat sich in einen roten Poncho gehüllt, abends bläst ein kühler Wind in Los Angeles.

Als Schoenberger 1974 nach Los Angeles kam, sollte sie für die Bravo Filmstars und Musiker interviewen. Als sie anfing, war es noch kein Problem, Jack Nicholson zu treffen, Arnold Schwarzenegger wurde Patenonkel ihrer Tochter und badete gemeinsam mit Nastassja Kinski in ihrem Pool. Schoenberger gab Partys, sie war die Miss Hollywood, jeder Deutsche, der in der Stadt etwas werden wollte, schaute zuerst bei ihr vorbei. Schoenberger kannte alle. Sie kennt noch immer alle, aber es kommen nicht mehr so viele vorbei. Schoenberger ist jetzt 67 und schreibt für Joy, ein Magazin für junge Frauen. Mächtig ist sie auf ihre Art geblieben. Sie gehört zur Hollywood Foreign Press Association, das sind die »84 unbekannten ausländischen Journalisten« (Vanity Fair), die über die Golden Globes entscheiden. Sie sieht 200 Filme im Jahr, geht zu allen Interviewterminen. Und sie bemitleidet ihre jüngeren Kollegen, die sich in der Menge bemühen, ein Bild von Bruce Willis zu machen. Die könnten kaum noch von ihrem Beruf leben: Die Zeitschriften sterben, die Stars schweigen, und die Texte werden immer schlechter bezahlt.

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Wer schafft es in Hollywood, wer nicht und warum? Und können sich die, die es geschafft haben, oben halten? Im Abstand von zwei Jahren haben wir vier Deutsche, die nach Hollywood gegangen sind, getroffen: die Schauspieler Natascha Berg und Torsten Voges, den Regisseur Wolfgang Petersen und die Korrespondentin Frances Schoenberger.

Wolfgang Petersen bei der Berlinale 2007

Wolfgang Petersen bei der Berlinale 2007  |  © Sean Gallup/Getty Images

April 2011, Santa Monica

Frances Schoenberger und Wolfgang Petersen kennen sich schon sehr lange. Aber sie sehen sich nicht oft, sie arbeiten nicht miteinander. Los Angeles ist Arbeit, für Treffen zum Vergnügen sind die Wege zu weit. Wolfgang Petersen sitzt in seinem Büro in Santa Monica nur 500 Meter vom Strand entfernt. Früher gehörte es einmal Jane Fonda, Petersen musste die Wandspiegel abhängen, die von ihrem Aerobicwahn geblieben waren. Petersen ist gerade 70 geworden, ein schmaler Mann mit wachen Augen. Er ist neben Roland Emmerich der erfolgreichste und bekannteste deutsche Regisseur in Hollywood. Und seit fünf Jahren hat er keinen Film mehr gemacht, seit Poseidon . »Es ist eine sehr schwierige Phase«, sagt Petersen.

Als er 1982 das erste Mal nach L.A. kommt, läuft Das Boot auf einem lokalen Filmfestival. In Deutschland ist Petersen dafür gelobt, aber auch kritisiert worden: Wie kann man es wagen, eine Geschichte über eine deutsche U-Boot-Besatzung während des Zweiten Weltkrieges zu erzählen, ohne auf die Kriegsschuld der Deutschen hinzuweisen. Petersen sitzt also mit eingezogenen Schultern im Kinosaal. Er erwartet das Schlimmste. Am Ende bekommt er Standing Ovations, und Das Boot wird für sechs Oscars nominiert. »I like it here«, denkt Petersen. Vier Jahre später zieht er um, Arnold Schwarzenegger überlässt ihm sein Haus zur Miete. Allein die Poolheizung kostet 800 Dollar im Monat, dafür gibt Schwarzenegger eine Willkommensparty und lädt Clint Eastwood ein.

Aus dem ersten Film in Hollywood, mit Kathleen Turner, wird nichts, Petersen sitzt in dem teuren Haus und wartet. Zurück nach Deutschland will er auf keinen Fall. »Jetzt will ich es hier schaffen.« Schließlich macht er den kleinen Thriller Tod im Spiegel, kaum einer hat ihn gesehen, aber Clint Eastwood gefällt er. Die beiden treffen sich, vereinbaren den nächsten Film, In The Line of Fire. Es ist der Beginn einer 13 Jahre andauernden Erfolgsserie, Outbreak, Air Force One, Der Sturm, Troja. Die Filme sind teuer, spielen aber mehr ein, als sie gekostet haben. Petersen dreht mit Dustin Hoffman, Harrison Ford, Brad Pitt, George Clooney und ist bei Creative Artists Agency, einer der vier großen Agenturen in Hollywood, die mitbestimmen, welche Filme gemacht werden und vor allem mit wem. »Geh niemals zu einer kleinen Agentur. Man braucht einen hervorragenden Agenten und einen Anwalt, sonst läuft gar nichts«, sagt Petersen. »Alle meine Stoffe sind über die Agentur gekommen.« The Big Four, die großen Vier, haben die besten Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler unter Vertrag. Sie haben die Macht des package deal: Wer einen Star haben will, muss die Nebenrollen mit unbekannteren Schauspielern aus derselben Agentur besetzen.

Leserkommentare
  1. 1. Ich..

    möchte mit keinem tauschen. Dieser Druck, diese Oberflächlichkeit wären für mich nichts.

    2 Leserempfehlungen
  2. Das und Traumfabrik? Da kann man nur lachen.
    Wer das als großen Traum sieht, der hat vor lauter Träumen die Realität übersehen.

    Eine Leserempfehlung

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